Bolt patzt mit Fehlstart - Blake holt Gold
Die Show über 100 m ging ohne Superstar Usain Bolt über die Bühne. Der Titelverteidiger schied nach einem Fehlstart aus. Neuer Weltmeister ist sein Landsmann Yohan Blake. mehr

Von Frank Busemann, sportschau.de
Das Orakel hat recht gehabt: Einen Titel von Bolt kann nur ein Meteoriteneinschlag verhindern. Wie vom Blitz getroffen rennt er zu früh los. Bumms, raus. Das war das kosmische Spektakel, was nicht passieren darf. Joggend hätte er seinen vierten WM-Titel einsacken können, doch die neue Regel wirbelt die Leichtathletik-Welt durcheinander. Ein Schock ohnegleichen. Die One-Man-Show wurde zum Nervenkrieg für die sieben verbliebenen Finalteilnehmer. "Jetzt kann ich gewinnen!", muss es allen durch den Kopf geschossen sein. Das wird die nächsten fünf Jahre über 100 Meter nicht mehr möglich sein. Es wird nur Wochen dauern, bis der Weltverband diese Regel wieder abschafft. Aber welche gibt es dann? Erst der zweite Fehlstart im Feld führt zur sofortigen Disqualifikation? Nervenstarke Athleten rennen dann komplett unmotiviert aus den Blöcken, um den heutigen Status Quo herzustellen. So entledigt man sich aller Flatterhemden. Zurück zu "einen Fehlstart für jeden?" Dann sind wir wieder nicht telegen, jeder probiert mal in den Schuss zu fallen.
Wer konzentriert ist, der muss keinen Fehlstart machen! Wer innerhalb einer Zehntelsekunde losläuft, wird als "Reinfaller" enttarnt. Wer wirklich seine sieben Sinne auf den Punkt richtet, der kann innerhalb von zwölf bis 13 Hundertsteln reagieren. Das ist schnell und nur 2/100 über der Toleranz. Warum rennt Bolt also los wie einer, der Weltrekord rennen will? Er hätte wie ein Viertelmeiler reagieren können und hätte alles klar gemacht. Wollte er wirklich Weltrekord rennen? Unmöglich, oder? Die Zeiten in Daegu generell sprechen dagegen, der immerwährende Gegenwind sowieso. War er vor lauter Faxenmacherei nur zu 99 Prozent beim Laufen? Natürlich, wer so auftritt, dem werden Fehler sofort um die Ohren geknallt.
Vielleicht hat er aber auch einen total gewieften PR-Berater. "Mensch, der Pistorius schnappt uns die ganze Publicity weg, mach mal was Unkonventionelles! Ist doch langweilig immer zu gewinnen. Ob du nachher neun oder zehn WM-Titel hast, weiß keiner. Und Kohle hast du genug, ob zehn oder 10,06 Millionen Dollar im Jahr - tsss, Peanuts. Aber dein Profil schärfst du mit einem Buch oder mit Dingen, die man nicht erwartet - und den Bogenschützen machen jetzt schon die anderen in der Light-Version. Bring einen Knaller, Junge!." Gesagt, getan? Was zeigt uns dieser unglaubliche Vorgang des Schicksals? Sport ist toll, manchmal undurchschaubar, manchmal schockierend, oft emotional, niemals sicher. Aus dem Grund versucht man in Glaskugeln das Ergebnis vorherzusehen, starrt dann mit offenem Mund in Richtung Favorit und schnappt nach Luft.
Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 P.)
WM-Bronze 1997 (8.652 P.)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
Auf sportschau.de schrieb Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann über die WM in Daegu.[mehr]
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
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