Hürdensprinter Florian Schwarthoff (Mitte) © imago/Schreyer

01:55 min | 10.08.1997 | Das Erste

Wie geht Hürdensprint mit Florian Schwarthoff

Der Hürdensprint ist ein Fall für Feinmotoriker. Für Florian Schwarthoff ist es wie eine Slalomfahrt mit dem Formel-1-Wagen. Der Olympia-Dritte von 1996 erklärt die komplizierte Disziplin.

100 / 110 m Hürden

Eine Frage der Koordination

Beim Hürdensprint über 110 m bei den Männern und 100 m bei den Frauen müssen die Athleten die perfekte Koordination von Schrittlänge und Schrittfrequenz finden. Auch Rhythmus über die Hindernisse ist gefragt.

Ein möglichst geringer Geschwindigkeitsverlust beim schwungvollen Schritt über die zehn Hürden ist das Ziel einer technisch anspruchsvollen Performance, wie sie beispielsweise der britische Ex-Weltrekordler Colin Jackson zelebrierte. Bei den Männern sind die Hürden je 1,067 m, bei den Frauen 84 cm hoch. Nicht zuletzt wegen ihrer Unwägbarkeiten gehört diese Disziplin zu den spannendsten der Leichtathletik.

Drei-Schritt-Rhythmus setzt sich durch

Bei der Entwicklung ihrer Disziplin sind die Hürdenläufer einen langen Weg von einer eher grobmotorischen zur Filigran-Technik gegangen. Um 1830 standen bei den Anfängen des Hürdensprints in England noch schwere Holz-Hindernisse auf der Bahn - wie bei den Hindernisrennen zu Pferde, wo der Hürdenlauf seine Wurzeln hat. Den auch heute noch üblichen Drei-Schritt-Rhythmus führte der US-Amerikaner Alvin Kraenzlein bei den Olympischen Spielen 1900 in Paris ein. Zuvor hatten die Athleten die Hindernisse mehr oder minder geschickt übersprungen.

Colin Jackson vor dem Start © Picture Alliance/dpa

00:20 min | 11.08.1994 | Das Erste

Stuttgart 1993: Ästhet Jackson fliegt zum Weltrekord

Colin Jacksons Hürdentechnik sucht seinesgleichen. Der Brite war ein Ästhet auf der Bahn, der 1993 bei der WM in Stuttgart über die Hürden zum Weltrekord flog.

Zeitverlust bei Hürdenberührung

Ab 1935 wurden die L-förmigen Hürden mit Gegengewicht am Fußende verwendet, die ab einer bestimmten Berührungsintensität umfallen konnten. Athleten, die mehr als drei Hürden umgelaufen hatten, wurden disqualifiziert. Diese strengen Regeln gelten heute nicht mehr. Allerdings ist es gängige Meinung, dass jedes Touchieren der Hürde nur unnötig Zeit kostet und zusätzliches Sturzrisiko birgt.

Lauer der erste Star

Deutschlands ehemaliger Hürden-Weltrekordler Martin Lauer © Picture Alliance/dpa

Deutschlands ehemaliger Hürden-Weltrekordler Martin Lauer.

Der erste Star im Hürdensprint war Martin Lauer, der innerhalb einer Stunde zwei Weltrekorde aufstellt. 1959 in Zürich rannte der Kölner 13,2 Sekunden über 110 m und 22,5 Sekunden über die selten gelaufenen 200 m Hürden. Seine Bestmarke über die kurze Hürdenstrecke hatte bis 1972 Bestand. Über die 110 m Hürden gewann Thomas Munkelt (Leipzig) 1980 olympisches Gold. Der deutsche Rekordhalter Florian Schwarthoff gilt als einer der besten weißen Hürdensprinter der jüngeren Vergangenheit. Zu den Höhepunkten in der langen Karriere des gebürtigen Dortmunders gehört Olympia-Bronze in Atlanta 1996.

Karin Balzer: Gold in Tokio

Den Hürdensprint der Frauen über 100 m gibt es seit 1969. Schon vor dem Wechsel von 80 auf 100 m Hürden war die große Zeit von Karin Balzer angebrochen. Die Leipzigerin gewann 1964 in Tokio Olympia-Gold, 1972 in München holte sie noch einmal Bronze. Ihre Nachfolgerin auf dem Olympia-Thron wurde 1972 Annelie Ehrhardt (Magdeburg), die sich mit 12,59 Sekunden auch in die Weltrekordliste eintrug. Die Erfurterin Johanna Schaller(-Klier) sicherte sich 1976 in Montreal Gold und vier Jahre danach in Moskau Silber, Bronze gab es für Cornelia Oschkenat (Berlin) 1987 in Rom.

Die deutsche 100-Meter-Hürdenläuferin Cindy Roleder © picture alliance / dpa Fotograf: Michael Kappeler

Völlig losgelöst: Cindy Roleder.

Zuletzt sorgte Cindy Roleder (Leipzig) für Furore: EM-Bronze 2014 in Zürich ließ sie ein Jahr später in Peking sensationell WM-Silber in 12,59 Sekunden folgen. Erstmals seit 28 Jahren schaffte damit wieder eine deutsche Hürdensprinterin den Sprung aufs WM-Podest. 2016 in Amsterdam wurde sie Europameisterin.

Schillernd und erfolgreich: Gail Devers

Die international wohl schillerndste Hürdenläuferin ist die US-Amerikanerin Gail Devers. Dreimal (1993, 1995, 1999) wurde die Läuferin aus Seattle Weltmeisterin. Bei den Olympischen Spielen 1992 und 1996 holte sie zudem Gold über die 100 m flach. Das historische Double gelang ihr auch bei der WM 1993 in Stuttgart. Für einen Paukenschlag sorgte im Juli 2016 Kendra Harrison: Die Amerikanerin verbesserte in 12,20 Sekunden den fast 28 Jahre alten Weltrekord der Bulgarin Jordanka Donkowa um eine Hunderstelsekunde.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 20.06.17 11:25 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
Sergej Schubenkow (Russland) 12,98 Sek.
Frauen:
Danielle Williams (Jamaika) 12,57 Sek.

Rekorde

Männer:
WR: Aries Merritt (USA) 12,80 Sek.
ER: Colin Jackson (Großbritannien) 12,91
DR: Florian Schwarthoff (Heppenheim) 13,05
Frauen:
WR: Kendra Harrison (USA) 12,20
ER: Jordanka Donkowa (Bulgarien) 12,21
DR: Bettine Jahn (Karl-Marx-Stadt) 12,42

Termine und Teilnehmer

Frauen - 100 m Hürden
Datum Zeit Runde
11.08. 11:45 Uhr 1. Vorlauf
11.08. 11:53 Uhr 2. Vorlauf
11.08. 12:01 Uhr 3. Vorlauf
11.08. 12:09 Uhr 4. Vorlauf
11.08. 12:17 Uhr 5. Vorlauf
11.08. 20:05 Uhr 1. Halbfinale
11.08. 20:14 Uhr 2. Halbfinale
11.08. 20:23 Uhr 3. Halbfinale
12.08. 21:05 Uhr Finale
Männer - 110 m Hürden
Datum Zeit Runde
06.08. 14:15 Uhr 1. Vorlauf
06.08. 14:23 Uhr 2. Vorlauf
06.08. 14:31 Uhr 3. Vorlauf
06.08. 14:39 Uhr 4. Vorlauf
06.08. 14:47 Uhr 5. Vorlauf
06.08. 21:10 Uhr 1. Halbfinale
06.08. 21:19 Uhr 2. Halbfinale
06.08. 21:28 Uhr 3. Halbfinale
07.08. 22:30 Uhr Finale