10.000-m-Europameister Jan Fitschen © picture-alliance / Sven Simon Fotograf: FrankHoermann/Sven Simon

00:24 min | 27.07.2010 | Das Erste

"Eine Sensation" - Fitschen wird Europameister

Jan Fitschen sorgte bei der EM 2006 in Göteborg für einen Paukenschlag, als er völlig überraschend den Titel über 10.000 m gewann.

10.000 m

Die längste Laufstrecke auf der Bahn

Die 10.000 m sind die längste leichtathletische Laufstrecke auf der Bahn. Ausdauer, taktisches Geschick und die Fähigkeit zu Tempowechseln sind ein absolutes Muss.

Mohamed Farah © dpa-bildfunk Fotograf: John G.Mabanglo

Kein Vorbeikommen an Mo Farah.

Die 10.000 m entsprechen den ursprünglichen Sechs-Meilen-Rennen in Großbritannien, die dort ab etwa 1870 ausgetragen wurden, und sind die längste leichtathletische Laufstrecke auf der Bahn. Ausdauer, taktisches Geschick und die Fähigkeit zu Geschwindigkeitswechseln sind ein absolutes Muss für die Athleten, die ein hartes Tempo ("pace") für relativ lange Zeit halten können. Ex-Weltrekordler Haile Gebreselassie aus Äthiopien wird nachgesagt, er habe die zwei grundlegenden Elemente des Langstreckenlaufs - Tempo und Ausdauer - zu einer nie gekannten Exzellenz vereint.

Von fünf Meilen zu zehn Kilometern

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Paavo Nurmi der überragende Langstreckenläufer. 1920 und 1928 rannte der "fliegende Finne" über die 10.000 m zum Olympiasieg. Die tschechische "Lokomotive" Emil Zatopek wurde 1952 in Helsinki gleich dreimal Olympiasieger: über 5.000 und 10.000 m sowie in seinem ersten Marathonlauf. Über 10.000 m konnte der "Un-Ästhet" mit wackelndem Kopf und hängender Zunge sogar seinen Titel von 1948 erfolgreich verteidigen.

Eine erfolgreiche olympische Titelverteidigung gelang als zweitem 10.000-m-Läufer nach Zatopek dem Finnen Lasse Viren: 1976 gewann er - genauso wie vier Jahre zuvor in München - beide Langstrecken auf der Bahn.

Das "Laufwunder" Gebrselassie

Haile Gebrselassie (2.v.l.) © Picture Alliance/dpa

Lächelnd zum Olympiasieg: Haile Gebrselassie (2.v.l.).

Mit viermal WM-Gold und zwei Olympiasiegen in Folge sind die Äthiopier Gebrselassie und Kenenisa Bekele die erfolgreichsten Titeljäger über diese Distanz. Gebrselassie wurde 1993 bis 1999 Weltmeister sowie 1996 und 2000 Olympiasieger. Die Wachablösung gelang Bekele bei der WM 2003 in Paris. Der Weltrekordhalter (26:17,53 Minuten/2005) wurde zunächst in Athen Olympiasieger, gewann 2005, 2007 und 2009 seine WM-Titel Nummer zwei bis vier und rannte auch 2008 zum erneuten Olympiasieg.

Aktuell beherrscht der Brite Mohamed Farah die Szene: Der gebürtige Somalier wurde 2012 in London und vier Jahre später in Rio jeweils Doppel-Olympiasieger über die 5.000 und 10.000 m sowie 2013 und 2015 Doppel-Weltmeister.

Rekordflut durch Norwegerin Kristiansen

Aus deutscher Sicht sorgte in der jüngeren Vergangenheit Jan Fitschen bei der EM 2006 in Göteborg für einen Paukenschlag, als er völlig überraschend den Titel gewann. Bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gab es für deutsche Läufer nur drei Medaillen: Hans Grodotzki (Potsdam) sicherte sich 1960 in Rom die olympische Silbermedaille, Werner Schildhauer (Halle) holte 1983 und 1987 WM-Silber. Auch bei den Frauen, für die es 10.000-m-Läufe auf der Bahn erst seit den 1960er-Jahren gibt, traten deutsche Läuferinnen nur selten in Erscheinung. Die Düsseldorferin Christa Vahlensiek markierte 1975 einen Weltrekord, Kathrin Ullrich-Weßel gewann bei der WM-Premiere 1987 Bronze. Die Norwegerin Ingrid Kristiansen, Weltmeisterin 1987, stellte 1986 Weltrekorde über 5.000 und 10.000 m sowie im Marathonlauf auf - eine Leistung, die kein Mann je erbracht hat.

Ayana schafft das scheinbar Unmögliche

Die Äthiopierin Almaz Ayana posiert vor der Anzeige ihres Weltrekordes. © Imago/Xinhua

Weltrekord in der Kategorie "unglaublich": Almaz Ayana 2016 in Rio.

Ihre Bestmarke wurde 1993 von der Chinesin Junxia Wang pulverisiert. Mit 29:31,78 Minuten war sie über 40 Sekunden schneller als Kristiansen. Frei von Doping-Verdächtigungen sind die Leistungen der Läuferinnen aus Fernost jedoch nicht - zumal Junxia Wang Anfang 2016 selbst zugab, dass der Rekord Resultat systematischen Dopings gewesen sei. Ihre Zeit galt indes als kaum zu toppen - doch der Äthiopierin Almaz Ayana gelang das scheinbar Unmögliche 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, als sie die bisherige Bestmarke mit 29:17,45 Minuten deutlich unterbot. Sie beerbte mit ihrem Sieg ihre Landsfrau Tirunesh Dibaba, die sich über 10.000 m zweimal in Folge Olympia-Gold (2008 und 2012) sowie drei WM-Titel (2005, 2007 und 2013) gesichert hatte.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 19.06.17 14:15 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
Mohamed Farah (Großbritannien) 27:01,13 Min.
Frauen:
Vivian Jepkemoi Cheruiyot (Kenia) 31:41,31 Min.

Rekorde

Männer:
WR: Kenenisa Bekele (Äthiopien) 26:17,53 Min.
ER: Mohamed Farah (Großbritannien) 26:46,57
DR: Dieter Baumann (Leverkusen) 27:21,53
Frauen:
WR: Almaz Ayana (Äthiopien) 29:17,45
ER: Elvan Abeylegesse (Türkei) 29:56,34
DR: Kathrin Ullrich (Berlin) 31:03,62

Termine und Teilnehmer

Frauen - 10000 m
Datum Zeit Runde
05.08. 21:10 Uhr Rennen
Männer - 10000 m
Datum Zeit Runde
04.08. 22:20 Uhr Rennen