Geher

04:24 min | 11.08.2017 | Das Erste | Autor/in: Sven Kaulbars

Geht's noch? Geher gehen durch die Hölle

Reden wir übers Gehen, reden wir nicht übers Laufen. Schon erst recht nicht von Müßiggang. Geher gehen an Grenzen und durch die Hölle.

20 km Gehen

Kein Spaziergang

Geher werden wegen ihres "Watschelganges" oft belächelt - allerdings verdienen sie als extreme Ausdauersportler jeden Respekt.

Seit 1956 ist das Gehen bei den Männern Teil des olympischen Programms, Geherinnen sind erst seit 1992 bei den Spielen dabei - in Barcelona und 1996 in Atlanta noch über eine Streckenlänge von zehn Kilometern. Seit der WM 1999 gehen die Frauen im Straßen-Wettbewerb 20 km. Weil das IOC das Programm der Olympischen Spiele in den kommenden Jahren anpassen will, um damit für jüngere Zielgruppen attraktiver zu werden, könnte sich jedoch nach Tokio 2020 für die Disziplin bei Weltmeisterschaften und Sommerspielen einiges ändern. Die Streichung der 50 km ist ein Vorschlag des Weltverbandes IAAF sowie eine Verlagerung der 20-km-Strecke auf die Halbmarathondistanz. Auch Änderungen hinsichtlich der Regeln sind in der Diskussion sowie die Einführung einer Staffel - noch ist das aber alles Zukunftsmusik.

Strenge Regeln

Aktuell gilt es zwei goldene Regeln für die Wettkämpfer zu beachten: Ein Teil des Fußes muss ständig Bodenkontakt haben, zum anderen darf das vorschwingende Bein ab dem Moment des Bodenkontaktes nicht mehr gebeugt werden. Das führt zu dem ausgeprägten Hüftschwung sowie einer Oberkörperdrehung, die aber nur Kennzeichen rationeller Technik sind. Über die Einhaltung der Regeln wachen die Gehrichter. Sie verwarnen zunächst mit einer gelben Kelle, wenn die Athleten durch die Art ihrer Fortbewegung Gefahr laufen, gegen die Bestimmungen zu verstoßen.

Russe Golubnitschi mit vier Olympia-Medaillen

Wladimir Golubnitschi © picture-alliance / dpa

Mit vier olympischen Medaillen der erfolgreichste 20-km-Geher: Wladimir Golubnitschi.

Tatsächliche Regelverstöße werden mit der Roten Karte geahndet. Die dritte Rote Karte - von drei verschiedenen Gehrichtern - bedeutet Disqualifikation. Wenn es zum Aus kommt, ist es häufig zumindest im Lager des betroffenen Athleten umstritten, immer aber bitter. So feierte das Publikum bei den Spielen in Sydney 2000 die Australierin Jane Saville schon als kommende Olympiasiegerin - doch im Stadiontunnel, den Triumph schon vor Augen, sah sie "Rot". Erfolgreichster Athlet bei Olympischen Spielen ist der Russe Wladimir Golubnitschi, der insgesamt vier Medaillen gewann. 1960 und 1968 holte er Gold, in Tokio 1964 Bronze, 1972 in München noch einmal Silber.

Auch deutsche Geher in der Weltklasse

Auch die deutschen Geher konnten sich zahlreich in den Siegerlisten verewigen. Der Potsdamer Peter Frenkel leitete 1972 in München mit seinem Olympiasieg die glorreiche Zeit der DDR-Geher ein, die bis 1988 sechsmal olympisches Edelmetall errangen. Mit der Silbermedaille von Ronald Weigel ging 1988 in Seoul die Ära der "Blauhemden" im DDR-Trikot zu Ende. Knapp an Edelmetall vorbei ging bei der WM 2007 in Osaka Andre Höhne (Berlin). Mit Bronze vor Augen kollabierte der damals 29-Jährige kurz vor dem Ziel. Der Potsdamer Christopher Linke eroberte 2016 in Rio Olympia-Platz fünf.

WM-Hattrick für Perez

Einer der erfolgreichsten Geher ist Jefferson Perez. 1996 wurde der Ekuadorianer Olympiasieger und avancierte damit zum umjubelten Nationalhelden in seiner Heimat. Zwölf Jahre nach seinem Gold von Atlanta holte er noch einmal Olympia-Silber in Peking. Nachdem er schon 2003 und 2005 Weltmeister geworden war, schrieb Perez - inzwischen 35-jährig - zudem mit seinem dritten Titelgewinn 2007 in Osaka endgültig Geschichte.

Jahrelang beherrschten die russischen Geher die Szene, verloren wegen Dopings jedoch zahlreiche Titel und Medaillen - so wie Waleri Bortschin und Olga Kaniskina jeweils ihr WM-Gold 2009 und 2011.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 28.06.17 09:55 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
Miguel Ángel López (Spanien) 1:19:14 Std.
Frauen:
Hong Liu (China) 1:27:45 Std.

Rekorde

Männer:
WR: Yusuke Suzuki (Japan) 1:16:36 Std.
ER: Yohann Diniz (Frankreich) 1:17:02
DR: Andreas Erm (Halensee Berlin) 1:18:42
Frauen:
WR: Hong Liu (China) 1:24:38
ER: Elena Laschmanowa (Russland) 1:25:02
DR: Sabine Zimmer (Potsdam) 1:27:56

Termine und Teilnehmer

Frauen - 20 km Gehen
Datum Zeit Runde
13.08. 13:20 Uhr Rennen
Männer - 20 km Gehen
Datum Zeit Runde
13.08. 15:20 Uhr Rennen