3.000-m-Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause ©  imago/Bildbyran

01:35 min | 10.07.2016 | Das Erste

Krause bei EM eine Klasse für sich

Auf und davon: Gesa Felicitas Krause läuft 2016 in Amsterdam in überlegener Manier zu EM-Gold.

3.000 m Hindernis

Der "Hindernis-Jagd-Lauf"

Kenianische Athleten haben bei den Hindernisläufern traditionell die Nase vorn. Der Hindernislauf der Frauen feierte seine WM-Premiere 2005 in Helsinki.

Hindernisse sind laut Regelwerk zwischen 80 und 100 Kilogramm schwer und können anders als Hürden nicht umgetreten werden - ein bisweilen schmerzvoller Unterschied. Beim 3.000-m-Hindernislauf geht es insgesamt sieben Mal über einen 3,66 m breiten und ebenso langen Wassergraben. Außerdem sind 28 Hindernisse zu überqueren, die bei den Männern jeweils 91,4 cm und bei den Frauen 76,2 cm hoch sind. Die Läufer überspringen die Hindernisse (mit Ausnahme des Wassergrabens) mit der gleichen Technik wie beim 400-m-Hürdenlauf; also möglichst berührungslos, das spart Kraft.

Möglichst weiter Absprung

Am Wassergraben springt der Athlet mit dem Fuß auf die Hürde und stößt sich zu einem möglichst weiten Sprung ab. Für ein flüssiges Auflaufen muss der Hindernisläufer sein Tempo auf den letzten zehn Schritten steigern. Bei einem optimalen Absprung wird der Lauf nicht gebremst. Anders als der Hürdenläufer muss der Hindernisläufer zudem das Überwinden der Hindernisse und des Wassergrabens beidseitig beherrschen, um sich auf Rhythmusänderungen im Wettkampf einstellen zu können.

Anfänge in England

Olympisch wurde die Disziplin ab 1900 mit zunächst unterschiedlichen Streckenlängen zwischen 2.500 m und zwei Meilen. Schon zuvor soll es in England Mitte des 19. Jahrhunderts Hindernisrennen bierlauniger Studenten gegeben haben - durchs Gelände, über Hindernisse, Hecken und Bachläufe. 1879 gehört der Hindernis-Jagd-Lauf ("Steeplechase") bei den Engländern erstmals zum Meisterschaftsprogramm auf der Bahn. In den Anfängen wurde die Disziplin von den Europäern dominiert. Dem Finnen Volmari Iso-Hollo gelang eine erfolgreiche Titelverteidigung bei Olympischen Spielen: Er gewann 1932 und 1936 und stellte bei seinem zweiten Erfolg auch einen Weltrekord auf.

Kenianer übernehmen die Vormachtstellung

Saif Saaeed Shaheen © Picture Alliance/dpa

Punktlandung auf dem Hindernisbalken: Saif Saaeed Shaheen.

Die Vorherrschaft der Europäer endete bei den Olympischen Spielen 1968. Der Kenianer Amos Biwott siegte in Mexiko City und läutete damit die Ära seiner Landsleute ein. Für einen der seltenen Einbrüche in die Phalanx der Kenianer sorgte 1983 ausgerechnet ein Deutscher: Dem Fürther Patriz Ilg gelang bei der WM in Helsinki ein sensationeller Sieg. Vier Jahre später in Rom feierte der Italiener Francesco Panetta den letzten WM-Titel eines Europäers. Seither laufen wieder die Kenianer nahezu unangefochten vorneweg. Weltrekordhalter Saif Saaeed Shaheen (7:53,63 Minuten, 2004), Weltmeister 2003 und 2005, startete zwar für den Wüstenstaat Katar, ist aber gebürtiger Kenianer (zuvor: Stephen Cherono). Zuletzt wurde Ezekiel Kemboi viermal in Folge Weltmeister (2009 bis 2015) sowie 2004 und 2012 Olympiasieger.

Frauen-Premiere in Helsinki 2005

Bei den Frauen sind die 3.000 m Hindernis seit 2005 Teil des WM-Programms. Den Premieren-Titel sicherte sich die favorisierte Uganderin Docus Inzikuru. Erst seit 1998 wetteifern Frauen überhaupt offiziell über diese Strecke. Ihr Debüt bei einer internationalen Meisterschaft gaben sie bei der U23-EM 2001 in Amsterdam. Bei den Sommerspielen 2008 in Peking folgte die olympische Premiere - gleich mit Weltrekord durch die Russin Gulnara Samitova-Galkina (8:58,81 Minuten). Aktuell hält die Bestmarke Ruth Jebet (Bahrain/8:52,78), 2016 Olympiasiegerin in Rio.

EM-Gold für Möldner-Schmidt und Krause

Antje Möldner-Schmidt

Nach ihrem EM-Triumph überglücklich: Antje Möldner-Schmidt.

2014 feierte die Potsdamerin Antje Möldner-Schmidt einen großen Erfolg und wurde Europameisterin, nachdem sie zwei Jahre zuvor schon Silber geholt hatte - allerdings erst im Nachhinein, weil die ursprünglich Zweitplatzierte Swetlana Schmidt aus der Ukraine nachträglich wegen Dopings disqualifiziert wurde. Nachwuchstalent Gesa Felicitas Krause rückte auf den dritten Rang vor. Ein Jahr später holte Krause mit Bronze nicht nur das erste deutsche WM-Edelmetall über 3.000 m Hindernis überhaupt, sondern auch die erste Laufmedaille im Einzel für den DLV seit 14 Jahren. 2016 folgten EM-Gold, der deutsche Rekord und zum zweiten Mal in Folge die Auszeichnung zur deutschen Leichtathletin des Jahres. Die nationale Bestmarke verbesserte die Olympia-Sechste von Rio im Mai 2017 auf 9:15,70 Minuten.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 20.06.17 12:30 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
Ezekiel Kemboi (Kenia) 8:11,28 Min.
Frauen:
Hyvin Kiyeng Jepkemoi (Kenia) 9:19,11 Min.

Rekorde

Männer:
WR: Saif Saaeed Shaheen (Katar) 7:53,63 Min.
ER: Mahiedine Mekhissi-Benabbad (Frankreich) 8:00,09
DR: Damian Kallabis (Berlin) 8:09,48
Frauen:
WR: Ruth Jebet (Bahrain) 8:52,78
ER: Gulnara Galkina (Russland) 8:58,81
DR: Gesa Felicitas Krause (Trier) 9:15,70

Termine und Teilnehmer

Frauen - 3000 m Hindernis
Datum Zeit Runde
09.08. 20:05 Uhr 1. Vorlauf
09.08. 20:23 Uhr 2. Vorlauf
09.08. 20:41 Uhr 3. Vorlauf
11.08. 22:25 Uhr Finale
Männer - 3000 m Hindernis
Datum Zeit Runde
06.08. 11:05 Uhr 1. Vorlauf
06.08. 11:22 Uhr 2. Vorlauf
06.08. 11:39 Uhr 3. Vorlauf
08.08. 22:10 Uhr Finale