800-m-Weltmeister Willi Wülbeck © picture-alliance / Sven Simon

800 m

Die "Zwischenstrecke": Nicht lang, nicht kurz

Große Erfolge über 800 m feierten auch deutsche Athleten: Willi Wülbeck gewann 1983 in Helsinki WM-Gold, Nils Schumann siegte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney.

Für Langstreckler zu kurz, für Kurzstreckler zu lang - so sind die 800 m, deren Verwandtschaft mit der halben Meile (880 Yards oder 804,67 m) offensichtlich ist. Spurtvermögen und Schnelligkeits-Ausdauer bilden die physiologische Grundlage für die zwei Stadionrunden, die erstmals um 1830 in Großbritannien ausgetragen wurden. "Schnell angehen und dann eingehen" war jahrelang die gängige Taktik über 800 m. Bis 1932: Da sorgte der Brite Thomas Hampson für ein Novum, indem er zwei annähernd gleichschnelle Runden abspulte und damit zum Olympiasieger und Weltrekordler avancierte.

Körperbetonte Strecke

Wie kaum eine andere Laufstrecke erfordern die 800 m körperliches Durchsetzungsvermögen. Aus diesem Grund erließ der Weltverband IAAF nach dem Motto "laufen statt raufen" 1959 Regeln, wonach die Wettkämpfer die ersten 300 m in Bahnen laufen mussten. Heute gilt das nur noch für die ersten 100 m - und immer wieder lässt sich beobachten, dass die Athleten nach der Startkurve beim Herunterlaufen auf die Innenbahn mit ein wenig Gerangel ihren Vorteil durchsetzen wollen. Das bekamen eher filigrane Läufertypen wie der dreimalige Weltmeister und ehemalige Weltrekordler Wilson Kipketer (Dänemark) wiederholt nachteilig zu spüren.

Dreimal in Folge Weltmeister

Der gebürtige Kenianer dominierte die zwei Stadionrunden in den 1990er-Jahren nach Belieben und wurde zwischen 1995 und 1999 dreimal in Folge Weltmeister, nachdem sich im Jahrzehnt zuvor die Briten Sebastian Coe und Steve Ovett mit Weltrekorden mehrmals abgewechselt hatten. Aktueller Weltrekordhalter ist der Kenianer David Lekuta Rudisha, der die bis dahin von Kipketer gehaltene Weltbestmarke im August 2010 binnen einer Woche zweimal übertraf und seinen eigenen Rekord zudem bei seinem Olympiasieg 2012 in London erneut übertrumpfte (1:40,91 Minuten). 2015 holte er sein zweites WM-Gold nach 2011, 2016 in Rio folgte Olympia-Gold Nummer zwei.

Große Erfolge für Wülbeck und Schumann

Nils Schumann bejubelt seinen Olympia-Sieg 2000 © Picture Alliance/dpa

Sensationssieger bei den Olympischen Spielen von Sydney 2000: Nils Schumann.

Große Erfolge feierten Willi Wülbeck und Nils Schumann. Sensationell gewann Wülbeck bei den ersten Welttitelkämpfen 1983 in Helsinki die Goldmedaille. Seine damals gelaufenen 1:43,65 Minuten sind noch heute deutsche Rekordzeit. Ebenso überraschend war der Triumph des Thüringers Schumann bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, an den der Europameister von 1998 danach nie mehr heranlief.

Kratochvilova unerreicht

Auch die deutschen Frauen feierten große internationale Erfolge. Ein Jahr nach ihrem Weltrekord (1:58,3) lief Hildegard Falck 1972 in München zu Olympia-Gold. 1988 bei den Spielen in Seoul stand Sigrun Wodars vor ihrer Neubrandenburger Teamkollegin Christine Wachtel ganz oben auf dem Siegertreppchen. Das Duo Wodars/Wachtel bestimmt in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre die 800-m-Strecke. Die ersten Jahre jenes Jahrzehnts standen ganz im Zeichen von Jarmila Kratochvilova. Die 1:53,28 Minuten der herb-männlich wirkenden Tschechin, die von ihrem Trainer als "Panzer" bezeichnet wurde, stehen seit 1983 in den Rekordbüchern. Es ist die älteste Bestmarke in der Leichtathletik.

Fall Semenya entzweit die Leichtathletik

Caster Semenya © AFP

Löste eine heftige Debatte über intersexuelle Athleten im Sport aus: Caster Semenya.

Aktuell dominiert Caster Semenya, Olympiasiegerin 2012 und 2016, die Szene. Die Südafrikanerin war schon 2009 in Berlin Weltmeisterin geworden, was für die seinerzeit gerade 18-Jährige ein großer Triumph, aber auch der Startschuss zu einer Leidenszeit war. Denn der Weltverband IAAF sperrte sie und ordnete einen Test zur Überprüfung des Geschlechts der Läuferin an.

Es folgte eine heftige Kontroverse - und die Erkenntnis, dass die Sportverbände mit dem Thema Intersexualität überfordert sind. Die IAAF schuf hastig eine neue Regel: Wer als Frau zu viel Testosteron produziert, darf nicht starten oder muss sich einer Hormontherapie unterziehen. Ein Diktat, das der internationale Sportgerichtshof (CAS) 2015 nach einer Klage der ebenfalls betroffenen indischen Sprinterin Dutee Chand aussetzte. Zwei Jahre bekam die IAAF Zeit für einen Nachweis.

Im Sommer 2017 veröffentlichte der Weltverband dann eine Studie, wonach Sportlerinnen mit einem hohen Testosteron-Level Vorteile gegenüber Athletinnen mit einem niedrigeren Wert haben; konkret im Bereich von 1,8 bis 4,5 Prozent in den Disziplinen 400 m, 400 m Hürden, 800 m, Hammerwurf und Stabhochsprung. Der CAS muss nun erneut über die Regel urteilen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 08.07.17 16:45 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
David Lekuta Rudisha (Kenia) 1:45,84 Min.
Frauen:
Maryna Arsamassawa (Weißrussland) 1:58,03 Min.

Rekorde

Männer:
WR: David Rudisha (Kenia) 1:40,91 Min.
ER: Wilson Kipketer (Dänemark) 1:41,11
DR: Willi Wülbeck (Wattenscheid) 1:43,65
Frauen:
WR: Jarmila Kratochvilova (CSSR) 1:53,28
ER: Jarmila Kratochvilova (CSSR) 1:53,28
DR: Sigrun Wodars (Neubrandenburg) 1:55,26

Termine und Teilnehmer

Frauen - 800 m
Datum Zeit Runde
10.08. 20:25 Uhr 1. Vorlauf
10.08. 20:35 Uhr 2. Vorlauf
10.08. 20:45 Uhr 3. Vorlauf
10.08. 20:55 Uhr 4. Vorlauf
10.08. 21:05 Uhr 5. Vorlauf
10.08. 21:15 Uhr 6. Vorlauf
11.08. 20:35 Uhr 1. Halbfinale
11.08. 20:45 Uhr 2. Halbfinale
11.08. 20:55 Uhr 3. Halbfinale
13.08. 21:10 Uhr Finale
Männer - 800 m
Datum Zeit Runde
05.08. 13:45 Uhr 1. Vorlauf
05.08. 13:54 Uhr 2. Vorlauf
05.08. 14:03 Uhr 3. Vorlauf
05.08. 14:11 Uhr 4. Vorlauf
05.08. 14:20 Uhr 5. Vorlauf
05.08. 14:29 Uhr 6. Vorlauf
06.08. 22:15 Uhr 1. Halbfinale
06.08. 22:24 Uhr 2. Halbfinale
06.08. 22:33 Uhr 3. Halbfinale
08.08. 22:35 Uhr Finale