Arne Gabius mit der deutschen Fahne © dpa-Bildfunk Fotograf: Fredrik Von Erichsen

00:19 min | 25.10.2015 | NDR Fernsehen

Gabius knackt deutschen Uralt-Rekord

Arne Gabius knackt 2015 in Frankfurt in 2:08:33 Stunden den 27 Jahre alten deutschen Marathon-Rekord.

Marathon

Der lange Weg zum Ruhm

Der Marathonlauf hat seinen Ursprung im alten Griechenland. Die Streckenlänge von 42,195 km ergab sich bei Olympia 1908. Weltrekordlisten werden erst seit 2004 geführt.

In Marathonas, einer kleinen Stadt nordöstlich von Athen, standen sich 490 v. Chr. die Griechen und ein zahlenmäßig deutlich überlegenes Heer der Perser gegenüber. Als die Athener die Perser besiegt hatten, schickten sie einen Boten namens Pheidippides ins rund 40 Kilometer entfernte Athen, um die Kunde vom glorreichen Sieg verkünden zu lassen. Danach brach der tapfere Läufer tot zusammen. Dieser Lauf gilt heute als der Ur-Marathon.

Das erste olympische Rennen 1896 entsprach der historischen Route von Marathon nach Athen. Die bis heute gültige Streckenlänge von 42,195 km ergab sich erst bei den Olympischen Spielen 1908 in London: Weil die Läufer zwischen dem Start im Windsor Park und dem Ziel im White City Stadium unbedingt an der königlichen Loge vorbeikommen sollten, wurde das Teilnehmerfeld kurzerhand umgeleitet.

Weltrekorde erst seit 2004

Bei Straßenläufen werden Weltrekordlisten erst seit dem 1. Januar 2004 geführt, nachdem der Weltverband IAAF spezielle Kriterien festgelegt hatte. Der Grund: Bestimmte Laufstrecken begünstigen schnelle Zeiten. Eine IAAF-Regel lautet deshalb: "Bei einer Trennung von Start und Ziel soll die Entfernung zwischen beiden Punkten auf einer theoretischen direkten Verbindungslinie gemessen nicht mehr als 50 Prozent der Streckendistanz betragen." Heißt: Es soll nicht überwiegend in eine Richtung gelaufen werden, um einen möglichen Nutzen aus Rückenwind zu vermeiden. Zudem soll "zwischen Start und Ziel die Höhe nicht mehr als 0,1 Prozent der Streckendistanz abnehmen". Die Regel soll verhindern, dass die Strecke insgesamt ein Gefälle aufweist, das die Laufgeschwindigkeit erhöhen könnte. Vor 2004 wurden die schnellsten Laufzeiten mit den Begriffen "Weltbestleistung" oder "Weltbestzeit" bezeichnet.

Doppelter Olympia-Triumph für Cierpinski

Waldemar Cierpinski © Picture Alliance/dpa

Waldemar Cierpinski gewann 1976 Marathon-Gold bei den Olympischen Spielen in Montreal.

Der Äthiopier Abebe Bikila war der erste Marathoni, der seinen Titel bei Olympia erfolgreich verteidigen konnte. 1960 in Rom und 1964 in Tokio war der Barfuß-Läufer nicht zu schlagen. Als erster Deutscher in der olympischen Geschichte holte Waldemar Cierpinski 1976 in Montreal Marathon-Gold. Vier Jahre später in Moskau konnte der Bauernsohn aus Neugattersleben in der DDR den Coup wiederholen. Langstrecken-Idol Haile Gebrselassie bewies nach seinem Wechsel von der Bahn auch auf der Straße seine Ausnahmestellung: 2:03:59 Stunden benötigte der Äthiopier 2008 bei seinem Sieg in Berlin - Weltrekord. Rund drei Jahre hatte seine Bestmarke Bestand. Aktuell hält der Kenianer Dennis Kipruto Kimetto den Rekord (2:02:57), aufgestellt 2014 ebenfalls auf der schnellen Strecke in Berlin.

Rennen unter Laborbedingungen in Monza

Im Mai 2017 initiierte ein Sportartikel-Gigant ein ebenso vielbeachtetes wie umstrittenes Projekt mit dem Ziel, erstmals die magische Zwei-Stunden-Marke zu knacken. Der Kenianer Eliud Kipchoge, Olympiasieger 2016 in Rio, verpasste sie auf der Formel-1-Strecke in Monza nur knapp, lief die 42,195 Kilometer in 2:00:25 Stunden allerdings so schnell wie niemand zuvor. Als offizieller Weltrekord zählte die Zeit, erzielt bei einem Rennen unter Laborbedingungen, aber nicht.

Norwegische Legenden: Waitz und Kristiansen

Bei den Frauen avancierte die Norwegerin Grete Waitz mit neun Siegen beim New York Marathon zwischen 1978 und 1988 zur Legende. Sie gewann außerdem 1983 in Helsinki den ersten Weltmeister-Titel und steigerte viermal die Weltbestzeit um insgesamt sieben Minuten. 1986 war ihre Landsfrau Ingrid Kristiansen zugleich Inhaberin der Bestzeiten über 5.000 und 10.000 m sowie im Marathonlauf. Ein neues Marathon-Zeitalter begann mit Paula Radcliffe. 2002 in Chicago verbesserte die Britin bei ihrem zweiten Marathon überhaupt die Bestmarke gleich um 1:27 Minuten auf 2:17,18 Stunden. Im Folgejahr schraubte die Weltmeisterin von 2005 den ersten offiziell anerkannten und bis heute gültigen Weltrekord in London auf 2:15:25 Stunden.

"KDH" und Mikitenko glänzen in der City

Irina Mikitenko © imago/Colorsport

Deutsche Rekordhalterin: Irina Mikitenko.

Aus deutscher Sicht sorgte Katrin Dörre-Heinig für Furore - wenn auch mehr bei den lukrativen City-Läufen. Auf je drei Siege in London, Tokio und Frankfurt sowie vier Erfolge in Osaka kommt die gebürtige Leipzigerin. Meisterschafts-Edelmetall holte sie zweimal: Olympia-Bronze 1988 und WM-Bronze 1991. Auch Uta Pippig (Leipzig) erntete bleibenden Ruhm als dreimalige Boston- und zweimalige Berlin-Siegerin. Die gebürtige Kasachin Irina Mikitenko lief 2008 in Berlin deutschen Rekord (2:19:19) und trug sich unter anderem zweimal (2008 und 2009) beim prestigeträchtigen London-Marathon in die Siegerliste ein. Bei den Männern knackte der Hamburger Arne Gabius 2015 in Frankfurt in 2:08:33 Stunden den 27 Jahre alten deutschen Marathon-Rekord.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 19.06.17 15:35 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
Ghirmay Ghebreslassie (Eritrea) 2:12:28 Std.
Frauen:
Mare Dibaba (Äthiopien) 2:27:35 Std.

Rekorde

Männer:
WR: Dennis Kipruto Kimetto (Kenia) 2:02:57 Std.
ER: Benoit Zwierzchlewski (Frankreich) 2:06:36
DR: Arne Gabius (Hamburg) 2:08:33
Frauen:
WR: Paula Radcliffe (Großbritannien) 2:15:25
ER: Paula Radcliffe (Großbritannien) 2:15:25
DR: Irina Mikitenko (Wattenscheid) 2:19:19

Termine und Teilnehmer

Frauen - Marathon
Datum Zeit Runde
06.08. 15:00 Uhr Rennen
Männer - Marathon
Datum Zeit Runde
06.08. 11:55 Uhr Rennen