Der deutsche Speerwerfer Thomas Röhler

Thomas Röhler im Porträt

Disziplin: Speerwurf
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 30.09.1991
in Jena
Größe: 190 cm
Gewicht: 82 kg
Verein: LC Jena
Trainer: Harro Schwuchow

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
93,90 m (2017)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Gold 2016

Weltmeisterschaften:
4. Platz 2015

Europameisterschaften:
5. Platz 2016

Deutsche Meisterschaften:
Silber 2017
Gold 2016
Gold 2015
Gold 2014
Gold 2013
Gold 2012

U23-EM:
Bronze 2013

U23-DM:
Gold 2013
Gold 2012


Thomas Röhler stammt ursprünglich aus dem Springerlager. Doch dann sattelte er um - und avancierte im vergangenen Jahr zum Olympiasieger.

2009 wurde Thomas Röhler noch als Dreispringer geführt. Als größere Leistungssteigerungen in dieser Disziplin ausblieben, erinnerte er sich ans Werfen. "Ich habe schon immer sehr gerne irgendwas durch die Gegend geworfen. Das hat mich nie losgelassen", sagt er. Im Sommer 2009 schloss sich Röhler in Jena der Trainingsgruppe um Burkhard Looks an, sein Aufstieg als Speerwerfer begann. Im August 2010 rückte er bei den deutschen Jugendmeisterschaften mit seinem Wurf auf 76,37 m in den Fokus, 2012 knackte er erstmals die 80-m-Marke.

EM-Blackout in Zürich

Im selben Jahr sicherte sich Röhler bei den deutschen Meisterschaften in Wattenscheid erstmals den Titel. Eine Überraschung, auch wenn Daegu-Weltmeister Matthias de Zordo verletzungsbedingt auf einen Start verzichtete. Bei der EM in Helsinki und bei seinem WM-Debüt 2013 in Moskau scheiterte er jedoch bereits in der Qualifikation. Das sollte nicht erneut passieren. Der Thüringer arbeitete intensiv an der Stabilität der ersten drei Würfe, präsentierte sich im Vorfeld der EM 2014 in glänzender Verfassung und steigerte sich auf 86,99 m. Er war Mitfavorit in Zürich, kam aber im Finale nicht über 70,31 m hinaus - eine bittere Enttäuschung.

Sensationeller Sieg im Diamond Race

Thomas Röhler mit der Diamond Trophy © picture alliance / Gladys Chai von der Laage

Thomas Röhler mit der Diamond Trophy.

Elf Tage nach seinem EM-Blackout trumpfte der 25-Jährige beim ersten Finale der Diamond League dann aber an selber Stelle groß auf und schockte die versammelte internationale Konkurrenz gleich im ersten Versuch. Mit der persönlichen Bestweite von 87,63 m - über 17 m weiter als bei der EM - machte er den ersten Sieg eines deutschen Speerwerfers bei "Weltklasse Zürich" seit 13 Jahren (Raymond Hecht/2001) perfekt. Zudem avancierte er sensationell zum Gesamtsieger im Diamond Race und räumte den Jackpot von 50.000 Dollar Bonus ab.

Ausrufezeichen auch 2015

2015 siegte der Thüringer zwei Wochen vor der WM in Peking mit Hausrekord von 89,27 m beim Werfer-Meeting im finnischen Kuortane. Es war die beste Leistung eines deutschen Speerwerfers seit 1997, als der heutige Bundestrainer Boris Obergföll (ehemals Henry) in Linz auf 90,44 m gekommen war. Im WM-Finale erreichte Röhler starke 87,41 m - in Moskau 2013 hätte das zum Titel gereicht. Doch am Ende blieb ihm nach einem begeisternden Wettkampf der undankbare vierte Platz.

Ein Wurf stärker als der andere

Thomas Röhler beim Wurf © dpa Fotograf: Bernd Thissen

Wurf über die magische Marke von 90 m: Thomas Röhler.

Im Olympia-Jahr 2016 präsentierte sich Röhler bärenstark und lieferte gleich reihenweise Weltklasseleistungen ab. "Wir haben im Training am Anlauf und am Rhytmus gefeilt. Das dürften zwei wichtige Stellschrauben gewesen sein", sagte der Hobby-Fotograf und begeisterte Fliegenfischer dem "Leichtathletik"-Magazin. Rund fünf Wochen vor Beginn der Sommerspiele knackte der Jenaer erstmals die 90-m-Marke und untermauerte im finnischen Turku mit einem Traumwurf auf 91,28 m seine Gold-Ambitionen eindrucksvoll. Noch einmal legte er im Wettkampfverlauf 91,04 m nach. Zwei Würfe über 90 m in einem Wettkampf waren bis dato nur dem großen Jan Zelezny gelungen.

Nach 44 Jahren wieder Olympia-Gold

"Er könnte der erste deutsche Speerwerfer nach Klaus Wolfermann werden, der nach 44 Jahren wieder Olympia-Gold holt", jubelte Bundestrainer Obergföll. Zwar gab es bei der EM in Amsterdam, der Generalprobe für Rio, für Röhler zunächst einen herben Dämpfer, als er sich körperlich angeschlagen mit 80,78 m und Platz fünf begnügen musste. Bei den Olympischen Spielen schlug dann aber seine große Stunde: Mit 90,30 m avancierte er zum dritten deutschen Speerwurf-Olympiasieger nach Wolfermann 1972 in München und Gerhard Stöck 1936 in Berlin. "Es war ein super Jahr - das ist die Krönung", jubelte er.

67 Tage deutscher Rekordhalter

Auch im WM-Jahr ist der "Leichtathlet des Jahres" in bestechender Form. Gleich mit dem vierten Wettkampf-Wurf der Saison löschte der Student der Wirtschaftswissenschaften, der einen "Bachelor of Science and Economics" besitzt, Anfang Mai in Doha mit 93,90 m den 22 Jahre alten deutschen Rekord von Raymond Hecht aus. Die Bestmarke des Olympiasiegers hielt allerdings nur 67 Tage. Dann jagte ihm sein Kumpel Johannes Vetter den deutschen Rekord mit 94,44 m ab. Auch bei den nationalen Titelkämpfen in Erfurt hieß der deutsche Meister erstmals seit 2012 nicht Röhler, sondern Vetter. Beide belegen in der ewigen Weltbestenliste die Plätze zwei und drei hinter Zelezny - und gelten in London als heiße Anwärter auf Gold. "Wir schreiben gerade weltweit Geschichte. Das ist eine tolle Sache, wie wir uns hochpushen", sagt Röhler, der einer der Initiatoren des Internationalen Speerwurf-Meetings in Jena ist.

Schwuchow und Röhler - zwei kreative Köpfe

Im Gegensatz zu Vetter, der viel über die Kraft macht, verfügt der 25-Jährige über die beste Technik und das beste Stemmbein im deutschen Speerwerfer-Team. Gemeinsam mit Trainer Harro Schwuchow tüftelt der Perfektionist, der bekannt ist für seine innovativen Trainingsmethoden und seine Experimentierfreudigkeit, an der Präzision. "90-m-Würfe machen süchtig", unterstreicht er - und peilt mittlerweile längst einen Wurf auf 100 m an: "Lange Zeit waren 90 m mein Traumziel, doch es ist menschlich möglich, auch 100 m zu werfen. Es treibt mich unheimlich an, auszuprobieren, wo mein Limit liegt. Ich bewege mich schon im Innovationsbereich dessen, wo ich mich hin entwickeln muss, um das eines Tages zu schaffen."

Auf der Jagd nach den 100 m

Im Training setzt der besonnene, freundliche Sympathieträger, der trotz seines Olympia-Triumphes auf dem Teppich geblieben ist, auf der Jagd nach der Traummarke neuerdings auch auf den Einsatz einer Drohne. Mit den besonderen Luftaufnahmen will er seine Technik weiter verbessern und den Bewegungsablauf optimieren. Als bisher einziger Werfer der Geschichte übertraf Uwe Hohn 1984 die Schallmauer von 100 m, nach seinen 104,80 m wurde der Schwerpunkt des 800 Gramm schweren Speeres aus Sicherheitsgründen leicht nach vorne verlagert. Der frühere Weltrekordler traut Röhler die 100 m zu, "wenn er gesund bleibt".

Stand: 20.07.17 17:30 Uhr

Termine und Teilnehmer

Speerwurf
Datum Zeit Runde
10.08. 20:05 Uhr Qualifikation, Gruppe A
10.08. 21:35 Uhr Qualifikation, Gruppe B
12.08. 21:15 Uhr Finale