Weitsprung-Weltmeisterin Heike Drechsler bei der WM 1993 in Stuttgart © Picture-Alliance/dpa

01:00 min | 16.08.1993 | Das Erste

Stuttgart 1993: Gänsehautmomente mit Heike Drechsler

Die Leichtathletik-WM 1993 in Stuttgart war eine besondere. Das außergewöhnliche Publikum erhielt den Fairplay-Preis der UNESCO. Auch Verlierer wurden gefeiert. Sieger wie Heike Drechsler erst recht.

WM-Geschichte

1993: Große Stimmung in Stuttgart

Fairplay-Preis für das Publikum - darüber waren sich die 1.689 Athleten aus 187 Nationen einig. Auch die Verlierer wurden gefeiert. Sieger wie Heike Drechsler und Colin Jackson erst recht.

"Ihr seid die Besten" - darüber waren sich die Athleten unabhängig von Hautfarbe, Nationalität und Geschlecht einig: Das Stuttgarter Publikum hatte den Fairplay-Preis, den die UNESCO 1993 vergab, auch wirklich verdient. Die 576.918 Zuschauer - ebenfalls Weltrekord - hatten jeden einzelnen Gewinner oder Verlierer, Helden oder Unglücklichen nicht ohne ein riesiges Kompliment aus dem Stadion verabschiedet. Unvergessen die La-Ola-Wellen, die die Siebenkämpferinnen um Sabine Braun und die Zehnkämpfer um "Paule" Meier an ihren schweren Arbeitstagen in der schwülen Hitze des Sommers begleiteten; ohne Beispiel die minutenlangen Ovationen für die traurige "Gold-Verliererin" Merlene Ottey; unerreicht die fröhlich-weltmeisterliche Atmosphäre in der ganzen Stadt. 1.689 Athleten aus der Rekordzahl von 187 Nationen feierten dieses Fest in der Schwaben-Metropole.

Neue Perspektiven für die Leichtathletik

Stuttgart, so formulierte es der damalige IAAF-Präsident Primo Nebiolo, habe der Leichtathletik neue Perspektiven eröffnet. Auch deshalb, weil das Prinzip der "sauberen Leistung" umfassende Anerkennung erfuhr - von Zuschauern, Medien, der Wirtschaft und dem Staat. Athleten, die das Beste gegeben hatten und trotzdem das Finale oder den Endlauf verpasst hatten - sie wurden nicht länger als WM-Touristen verspottet.

Sotomayor beendet Durststrecke

Gebührend gefeiert wurden aber auch: Heike Drechsler, die zehn Jahre nach Helsinki zu ihrem zweiten WM-Gold sprang. Lars Riedel, der seinen zweiten Diskus-Titel gewann. Colin Jackson, der in Weltrekordzeit über die 110 m Hürden glitt. Javier Sotomayor, dem eine Weltmeisterschaft bis dahin noch in seiner Titelsammlung fehlte. Gail Devers, die über 100 m flach äußerst knapp und über die gleichlange Hürdenstrecke deutlich sichtbar Gold gewann. "Es gab bei dieser WM keine Verlierer", bilanzierte der Präsident des Organisations-Komitees, Prof. Dr. August Kirsch. Das deutsche Team umfasste mit 93 zwei Athleten mehr als in Tokio; Medaillen gab es mit insgesamt acht nur halb so viele wie zwei Jahre zuvor.

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Sportschau live | 13.08.2017 | 21:45 Uhr

Stand: 26.06.17 10:42 Uhr