Drei Männer sitzen in einem Garten.

02:16 min | 09.08.2017 | Das Erste | Autor/in: Sven Kaulbars

Die drei "Könige": Coole Typen, heiß auf die WM

Die deutschen Zehnkämpfer sind bei der WM in London als Trio dabei. Vor dem Start strotzen Kai Kazmirek, Rico Freimuth und Mathias Brugger vor Selbstbewusstsein.

Zehnkampf

Freimuth: "Weltmeister? Klingt richtig geil"

von Bettina Lenner, sportschau.de

Nach dem Rücktritt von Weltrekordler und Weltmeister Ashton Eaton wird ein Nachfolger gesucht. Auch zwei deutsche Zehnkämpfer dürfen sich in London etwas ausrechnen: Rico Freimuth und Kai Kazmirek.

Zurückhaltung ist die Sache von Rico Freimuth nicht. Der Hallenser sagt, was er denkt, und was er denkt, ist manchmal ganz erstaunlich. "Das ist einfach nur ein bescheuerter Wettkampf, der als WM deklariert wird", sagt der 29-Jährige zumindest scheinbar cool. Der Sportsoldat startet am Freitag (11.08.17, ab 10.45 Uhr live im Ersten und bei sportschau.de) als Nummer eins der Welt in den Zehnkampf von London - und ist mit seiner Bestleistung von Ratingen (8.663 Punkte) auch zwei Jahre nach seinem Bronze-Coup in Peking ein heißer Medaillenanwärter.

"Eaton war ein mentales Monster"

Zumal Weltrekordler, Olympiasieger und Titelverteidiger Ashton Eaton (USA) seine Karriere beendet hat. "Er war ein mentales Monster. Ihm war keiner gewachsen", sagt Freimuth. Über mangelndes Selbstbewusstsein kann aber auch der WM-Dritte nicht klagen, der mit seinem Erfolg in Peking aus dem Schatten seines Vaters Uwe Freimuth getreten ist. Der ehemalige DDR-Mehrkämpfer war 1983 WM-Vierter und erkämpfte einst 8.792 Punkte. "Mein Vater hat mich ganz schön unter Druck gesetzt. Er ist so ein Typ für die Superlative, das hat er auch mir rübergebracht. Aber seit 2015 ist das kein Thema mehr, ich gehe meinen eigenen Weg", schildert der 29-Jährige, der seine innere Ruhe gefunden hat - und dadurch stärker denn je ist: "Es ist schon cool, ihn jetzt hinter mir zu haben. Er würde sich sicher sehr freuen, wenn ich irgendwann auch seine Punktzahl schlagen könnte."

Gonschinska sieht Chance auf Bronze

In London ist die Konkurrenz allerdings auch ohne Eaton gewaltig. Der Olympia-Zweite Kevin Mayer (Frankreich) hat in diesem Jahr noch keinen Zehnkampf bestritten, aber einige Testwettkämpfe und gilt als Favorit. Auch Vizeweltmeister Damian Warner (Kanada) wird wieder hoch gehandelt. "Wir sehen den Franzosen als absoluten Top-Favoriten und Warner auf Position zwei. Dahinter gibt es acht bis zehn Athleten im Level von 8.500 Punkten und mehr mit der Chance auf den dritten Platz. Zwei davon sind in unserem Team", sagte DLV-Chefcoach Idriss Gonschinska sportschau.de.

Freimuth, der in seinem Seuchenjahr 2016 keinen Zehnkampf beenden konnte und auch in Rio verletzungsbedingt aufgeben musste, orakelt: "Ich kann mir gut vorstellen, dass man 8.600 Punkte für eine Medaille braucht." Er kann das, ebenso wie Kai Kazmirek. Der Olympia-Vierte verbuchte in Ratingen 8.478 Zähler, obwohl er davor nach seinem kurzfristigen Ausfall in Götzis nur Alternativtraining absolvieren konnte. "Die Medaille soll kommen", betont der nervenstarke 26-Jährige. Für Mathias Brugger (8.294) ist das dagegen noch zu hoch gegriffen. Der WM-Novize peilt eine persönliche Bestleistung an.

"Alles ist möglich"

Freimuth ("Ich bin ein Besessener") träumt freilich von mehr. Ein Weltmeister aus Deutschland? "Klingt richtig geil", findet er: "Alles ist möglich." Als bislang letzter Deutscher hatte Torsten Voss vor 30 Jahren den Titel für die DDR geholt. Auf seine Vorleistungen will sich der 29-Jährige nicht verlassen ("Weltjahresbester heißt überhaupt nix"), aber auf seine Chuzpe: "Es geht darum, dass du dich im Kopf für den Geilsten hältst. Es geht um diesen extremen Zustand", sagt er: "Man braucht Eier, und die hatte ich schon immer." Was aber, wenn es nicht klappt mit der Medaille? "Wenn ich mit einer guten Punktzahl Fünfter werde, ist das in Ordnung. Ich will mir nur nicht vorwerfen, dass ich irgendwas hätte besser machen können", erläutert Freimuth - der allerdings ein Problem hat, sollte es bei der WM ganz "bescheuert" laufen: Sonst nicht um Worte verlegen, ist er bei der Hymne "nicht so textsicher".

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 11.08.2017 | 10:45 Uhr

Stand: 10.08.17 15:15 Uhr