Deutschlands Gesa Felicitas Krause im Finale über 3000 m Hindernis © dpa - Bildfunk Fotograf: Rainer Jensen

14:18 min | 11.08.2017 | Das Erste

Drama um Krause im 3.000-m-Hindernis-Finale

Gesa Felicitas Krause hatte nach einem Sturz im WM-Finale über 3.000 m Hindernis keine Chance auf eine Medaille. Am Ende wurde sie nach großer Aufholjagd Neunte. Der Lauf und das Interview im Video.

Busemanns WM-Kolumne

Krause: Größe im Moment der größten Niederlage

von Frank Busemann

Ich war traurig. Und ich glaube, es ging nicht nur mir allein so. Sport ist so schön, weil er emotional ist, weil wir mitfiebern können, wir uns Hoffnungen machen und manchmal staunen. Doch gestern Abend zeigte er auch ... genau das!

Das Finale 3.000 m Hindernis stand an und aus deutscher Sicht war klar, das Gesa Felicitas Krause eine gute Figur abgeben wird. So einen seltsamen Lauf habe ich lange nicht gesehen. Erst verläuft sich eine Konkurrentin (man sollte meinen, der Weg ist ausgeschildert) und dann kommt es zu einem folgenschweren Sturz, in den Krause verwickelt ist. Sie wird von einer strauchelnden Läuferin zu Fall gebracht und bekommt einen Schlag vor den Kopf, einen Tritt auf den Fuß und Schürfwunden und ein Hämatom am Knie.

Aufrappeln, weiterlaufen, kämpfen

Es gibt zwei Arten, auf dieses Ereignis zu reagieren. Erstens: liegen bleiben, aufgeben, Wunden lecken. Zweitens: aufrappeln, weiterlaufen, kämpfen. Gesa entschied für Letzteres. Alle Hoffnungen waren zu diesem Zeitpunkt zerschlagen. Das, wofür sie Monate trainiert, gelebt, geatmet hat, ist mit der Unachtsamkeit einer anderen Person zunichte gemacht. Trotzdem kämpft sie sich wieder heran und wird Neunte. Ein paar Sekunden über dem deutschen Rekord. Dem Adrenalin sei Dank. Im Ziel war sie vom Sturz gezeichnet.

Sie war gut und durfte es nicht zeigen

Sie war am Boden zerstört und unfassbar gefasst. 25 Jahre ist sie jung. Aber sie tritt auf wie eine weise Frau. Verschafft der Sport einem Menschen Lebenserfahrung? Prägen die Höhen und Tiefen, die Siege und Niederlagen? Ich glaube schon. Anders kann ich mir nicht erklären, wie eine Athletin mit dieser vermeintlichen Ungerechtigkeit, diesem unfairen Schicksal umgehen kann. Sie war gut und durfte es nicht zeigen. Das hat doch keiner verdient.

Stärke im Moment der größten Niederlage

Sie berichtet mit einigen Tränen in den Augen von den Geschehnissen, ist noch in einer gewissen Schockstarre und doch vollkommen reflektiert. "Das kann beim Hindernislauf passieren" - "Ich hoffte immer, dass es nicht mir passiert" - "Ich merke die Schmerzen nicht" - "Ich bin trotzdem stolz auf mich, weil ich nicht aufgegeben habe" - "Ich wollte meinem Trainer mit meiner Leistung Danke sagen". Das waren starke Worte, die so glaubhaft waren, dass sie ein jeder verstand. Da steht eine junge Dame, die im Moment ihrer größten Niederlage Stärke demonstriert. Und genau dieser reflektierte Charakterzug ist ein Grund, weshalb sie da oben angekommen ist. Es wird keine Ausrede gesucht, das Schicksal wird akzeptiert und trotzdem ist sie kein Spielball dessen.

Und deswegen ist Sport so schön. Weil er auch grausam sein kann. Er ist emotional, wir können mitfiebern und wir machen uns Hoffnungen. Und wir staunen. Wie gestern Abend. Bei einem neunten Platz. Jetzt bin ich gar nicht mehr so traurig. Und ich glaube, es geht nicht nur mir allein so ...

Gesa Felicitas Krause © imago/Sebastian Wells

02:43 min | 11.08.2017 | Das Erste

Krause tapfer, aber untröstlich

Gesa Felicitas Krause hat ein bitteres WM-Finale über 3.000 m Hindernis erlebt. Nach einem Sturz kam sie als Neunte ins Ziel. Im Interview schilderte sie das Rennen aus ihrer Sicht.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 11.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 12.08.17 10:48 Uhr

Das ist Frank Busemann

Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 Punkte)
WM-Bronze 1997 (8.652 Punkte)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54 Sek.)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47 Sek.)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
(Morgenmagazin, Das Erste, sportschau.de)