Riese im Ring: Storl wiederholt den Gold-Coup

Kugelstoßen

Riese im Ring: Storl wiederholt den Gold-Coup

Kugelstoßer David Storl jubelt. © dpa - Bildfunk Fotograf: Bernd Thissen

Auf David Storl ist Verlass. Der Sachse holte zum zweiten Mal Gold.

Kugelstoßer David Storl hat etwas überraschend seinen Titel von Daegu verteidigt. Um seine Siegerweite musste der Chemnitzer lange kämpfen - der Stoß war zunächst ungültig gegeben worden.

David Storl ist ein Riese im Kugelstoß-Ring. Der Titelverteidiger aus Chemnitz hat nach einer durchwachsenen Saison das Unmögliche möglich gemacht und seine zweite Goldmedaille nach Daegu gewonnen. Bis zur Weltmeisterschaft hatte der 23-Jährige nur einen Stoß über 21 Meter zustande gebracht - im WM-Finale flog die Kugel dann gleich dreimal über diese Marke. Mit seiner Siegerweite von 21,73 Metern zog Storl im vierten Versuch am bis dahin führenden Amerikaner Ryan Whiting vorbei. Der Drehstoßtechniker, der mit 22,28 Metern die Weltjahresbestenliste anführt, wurde mit 21,57 Metern Zweiter. Bronze holte der Kanadier Dylan Armstrong mit 21,34 Metern. "Ich habe schon damit geliebäugelt, hier eine hohe 21 oder vielleicht sogar 22 zu stoßen", sagte der Goldjunge aus Sachsen im Ersten, nachdem er mit Deutschland-Fahne und einem schwarz-rot-goldenen Zylinder auf die Ehrenrunde gegangen war. Storl ist der erste Kugelstoßer seit dem Amerikaner John Godina (1995 und 1997), der seinen Titel verteidigen konnte. Für die deutsche Mannschaft war es nach den Siegen von Diskuswerfer Robert Harting und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe die dritte Goldmedaille in Moskau

Lange Diskussion um Siegerweite

Kugelstoßer David Storl (r.) diskutiert mit Kampfrichter und Fotograf. © dpa - Bildfunk Fotograf: Kerim Okten

Der Reuters-Fotograf liefert den Beweis: Storls vierter Versuch war gültig.

Um seine Siegerweite gab es eine erbitterte Diskussion. Storl - der schnellste aller Athleten im Ring - war im vierten Versuch regelrecht explodiert. Siegesgewiss riss er die Arme nach oben, ballte die Faust und traute dann seinen Augen nicht, als der Kampfrichter die rote Fahne hob. Angeblich war er auf die Ringkante getreten. Das ließ der Sachse nicht auf sich sitzen. "Mit den Kampfrichtern war es etwas schwierig. Ich hatte zwar Russisch in der Schule, aber so fließend kann ich es doch nicht", sagte Storl später über diese Situation. "Ich wusste, dass der nicht ungültig sein kann." Er schaute auf die Kamera des neben ihm postierten Reuters-Fotografen Kai Oliver Pfaffenbach und zitierte dann die Kampfrichter heran. Die Bilder ließen keinen Zweifel zu: Der Stoß des Europameisters und Olympia-Zweiten war blitzsauber. Schließlich ging Storls Daumen nach oben, erleichtert umarmte er den Fotografen, der ihm die Gold-Fotos geliefert hatte.

Saison-Bestleistung im WM-Finale

Storl präsentierte sich nach durchwachsenen Vorleistungen auf den Punkt topfit. Der 120-Kilo-Koloss, der vor zwei Jahren in Daegu als jüngster Kugelstoß-Weltmeister der Leichtathletik-Geschichte gekürt worden war, war nach Verletzungen in dieser Saison erst spät in Tritt gekommen. Sein einziger 21-Meter-Stoß gelang ihm bei der deutschen Meisterschaften in Ulm. Auch in der Qualifikation im Luschniki-Stadion hatte er die geforderte Weite mit 20,70 Meter erst im dritten Versuch geschafft. Offensichtlich hatte er sich seine Reserven für den wichtigsten Moment des Jahres aufgespart. Gleich im ersten Versuch im Finale wuchtete er die Kugel auf 21,19 Meter, im zweiten Durchgang legte er noch fünf Zentimeter drauf. Der dritte war ungültig - und um den goldenen vierten musste er lange kämpfen.

Stand: 16.08.13 19:44 Uhr