Geher im Wettbewerb © Picture Alliance/dpa

20 km Gehen

Kein Spaziergang

Geher werden wegen ihres "Watschelganges" oft belächelt - allerdings verdienen sie als extreme Ausdauersportler jeden Respekt. Zwei goldene Regeln gilt es für sie zu beachten.

Die drohende Streichung des Gehens aus dem Programm der Olympischen Spiele oder internationaler Meisterschaften hängt immer wieder wie ein Damoklesschwert über den Gehern. Oft werden sie wegen ihres "Watschelganges" belächelt - allerdings verdienen sie als extreme Ausdauersportler jeden Respekt. Seit 1956 in Melbourne entsprechen die 20 und 50 km auf der Straße dem olympischen Standard der Männer. Die Geh-Wettbewerbe der Frauen werden erst seit 1992 bei Olympia ausgetragen - in Barcelona und 1996 in Atlanta noch über eine Streckenlänge von zehn Kilometern. Seit der WM 1999 gehen die Frauen im Straßen-Wettbewerb 20 km.

Strenge Regeln

Zwei goldene Regeln gilt es für die Wettkämpfer zu beherzigen: Ein Teil des Fußes muss ständig Bodenkontakt haben, zum anderen darf das vorschwingende Bein ab dem Moment des Bodenkontaktes nicht mehr gebeugt werden. Das führt zu dem ausgeprägten Hüftschwung sowie einer Oberkörperdrehung, die aber nur Kennzeichen rationeller Technik sind. Über die Einhaltung der Regeln wachen die Gehrichter. Sie verwarnen zunächst mit einer gelben Kelle, wenn die Athleten durch die Art ihrer Fortbewegung Gefahr laufen, gegen die Bestimmungen zu verstoßen.

Russe Golubnitschi mit vier Olympia-Medaillen

Wladimir Golubnitschi © picture-alliance / dpa

Mit vier olympischen Medaillen der erfolgreichste 20-km-Geher: Wladimir Golubnitschi.

Tatsächliche Regelverstöße werden mit der Roten Karte geahndet. Die dritte Rote Karte - von drei verschiedenen Gehrichtern - bedeutet Disqualifikation. Wenn es zum Aus kommt, ist es häufig zumindest im Lager des betroffenen Athleten umstritten, immer aber bitter. So feierte das Publikum bei den Spielen in Sydney 2000 die Australierin Jane Saville schon als kommende Olympiasiegerin - doch im Stadiontunnel, den Triumph schon vor Augen, sah sie "Rot". Erfolgreichster Athlet bei Olympischen Spielen ist der Russe Wladimir Golubnitschi, der insgesamt vier Medaillen gewann. 1960 und 1968 holte er Gold, in Tokio 1964 Bronze, 1972 in München noch einmal Silber.

Auch deutsche Geher in der Weltklasse

Auch die deutschen Geher konnten sich zahlreich in den Siegerlisten verewigen. Der Potsdamer Peter Frenkel leitete 1972 in München mit seinem Olympiasieg die glorreiche Zeit der DDR-Geher ein, die bis 1988 sechsmal olympisches Edelmetall errangen. Mit der Silbermedaille von Ronald Weigel ging 1988 in Seoul die Ära der "Blauhemden" im DDR-Trikot zu Ende. Knapp an Edelmetall vorbei ging bei der WM 2007 in Osaka Andre Höhne (Berlin). Mit Bronze vor Augen kollabierte der damals 29-Jährige kurz vor dem Ziel.

WM-Hattrick für Perez

Einer der erfolgreichsten Geher ist Jefferson Perez. 1996 wurde der Ekuadorianer Olympiasieger und avancierte damit zum umjubelten Nationalhelden in seiner Heimat. Zwölf Jahre nach seinem Gold von Atlanta holte er noch einmal Olympia-Silber in Peking. Nachdem er schon 2003 und 2005 Weltmeister geworden war, schrieb Perez - inzwischen 35-jährig - zudem mit seinem dritten Titelgewinn 2007 in Osaka endgültig Geschichte.

Dopingskandal um russische Geher

Vor allem bei den Frauen dominierte zuletzt Russland - doch offenbar aus schlechtem Grund. Das russische Gehen wird aktuell von einem Dopingskandal erschüttert, gut einen Monat vor den Weltmeisterschaften in Peking zog der nationale Verband WFLA seine Athleten vorerst von allen internationalen Wettkämpfen zurück und suspendierte zudem Erfolgstrainer Wiktor Tschegin, der zahlreiche Geher zu internationalen Erfolgen geführt hatte. Mindestens 20 seiner Athleten wurden in den vergangenen Jahren allerdings wegen Dopings gesperrt, darunter die Olympiasieger Waleri Bortschin, Sergej Kirdjapkin und Olga Kaniskina.

Durch die nachträgliche Disqualifikation von Kaniskina rückte Melanie Seeger Jahre nach der EM 2010 von Platz vier auf den Bronzerang auf. Ein später Lohn für einen großartigen Wettkampf. Die Potsdamerin ist damit die erste deutsche Geherin, die bei einem internationalen Großereignis eine Medaille gewann.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 17.07.15 15:50 Uhr

Titelverteidiger

Männer:
Alexander Iwanow (Russland) 1:20:58 Std.
Frauen:
Jelena Laschmanowa (Russland) 1:27:08 Std.

Rekorde

Männer:
WR: Yusuke Suzuki (Japan) 1:16:36 Std.
ER: Sergei Morosow (Russland) 1:16:43 Std.
DR: Andreas Erm (Halensee Berlin) 1:18:42 Std.
Frauen:
WR: Hong Liu (China) 1:24:38 Std.
ER: Elmira Alembekowa (Russland) 1:24:47 Std.
DR: Sabine Zimmer (Potsdam) 1:27:56 Std.

Termine und Teilnehmer

Frauen - 20 km Gehen
Datum Zeit Runde
28.08. 02:30 Uhr Finale
Männer - 20 km Gehen
Datum Zeit Runde
23.08. 02:30 Uhr Finale