Geher Andre Höhne (l.) © dpa - Bildfunk Fotograf: Jochen Luebke

50 km Gehen

Die längste Leichtathletik-Distanz

Die 50 km Gehen sind die längste Distanz in der Leichtathletik. Eines der Phänomene in dieser Disziplin ist der Pole Robert Korzeniowski, der dreimal in Folge Olympiasieger wurde.

Die 50 km Gehen sind die längste Distanz in der Leichtathletik und werden nur von den Männern bestritten. Immer wieder hängt das Damoklesschwert der drohenden Streichung aus dem Wettkampf-Programm bei Olympischen Spielen oder internationalen Meisterschaften über der Disziplin. Zum einen erfordert die Organisation des Wettbewerbs erhebliche verkehrstechnische Aufwände, zum anderen sind die 50 km wegen ihrer Dauer von mehr als dreieinhalb Stunden wenig zuschauergerecht. Wie die 20 km werden auch die 50 km bei Weltmeisterschaften auf einer Pendelstrecke absolviert.

Strenges Regelwerk

Die oft belächelte, eigenartig wirkende Koordination der Geher ist auf das strenge Regelwerk zurückzuführen: Ein Teil des Fußes muss ständig Bodenkontakt haben, zudem darf das vorschwingende Bein ab dem Moment des Bodenkontaktes nicht mehr gebeugt werden. So kommt es zu Hüftschwung und Oberkörperdrehung bei den Athleten, deren Ausdauer-, Energie- und Willensleistung aber nicht hoch genug geschätzt werden kann. Über die Einhaltung der Regeln wachen Gehrichter, die einen Aktiven nach vorheriger Verwarnung mit der dritten Roten Karte disqualifizieren können.

Korzeniowski dreimal in Folge Olympiasieger

Robert Korzeniowski © Picture Alliance/dpa

Dreimal Olympiasieger in Folge über 50 km Gehen: Der Pole Robert Korzeniowski.

Zu den Phänomenen in dieser Disziplin zählt Robert Korzeniowski. Doch auch der überragende Pole musste bereits den Widrigkeiten der längsten Leichtathletik-Distanz Tribut zollen, bei der zum Teil umstrittene Disqualifikationen immer wieder für Wirbel sorgen. Korzeniowski war bei den Olympischen Spielen 1992 bereits auf der Schlussrunde im Stadion, als er aus dem Rennen genommen wurde.

Vier Jahre später in Atlanta holte er sich dann das entgangene Olympia-Gold und wiederholte den Sieg bei den Jahrtausend-Spielen in Sydney 2000. Downunder gewann der Pole zudem über 20 km und holte damit als erster Athlet das "Double" aus Siegen in beiden Geher-Wettkämpfen bei derselben Meisterschaft. Im Jahr darauf wurde der Diplom-Sportlehrer in Edmonton ebenso Weltmeister wie 2003 in Paris - dort in damaliger Weltbestzeit von 3:36:03 Stunden. 2004 in Athen bestieg Korzeniowski mit seinem dritten Olympia-Sieg in Folge endgültig den Geher-Olymp - und trat als einer der populärsten Sport-Stars seines Heimatlandes zurück.

Erfolgreiche deutsche Geher-Tradition

Deutsche Geher gehörten Jahrzehnte der Weltspitze an. Paul Sievert erzielte bei den deutschen Meisterschaften 1924 mit 4:34:03 Stunden einen Weltrekord, der 26 Jahre und neun Monate bestand hatte. Keine andere Bestmarke hielt länger. Der Sachse Christoph Höhne leitet 1968 in Mexico-City die "goldene Ära" der drei deutschen Olympiasieger ein. Bernd Kannenberg (Fürth) bestieg 1972 in München den Olympia-Thron. Nachdem 1976 der 50-km-Wettbewerb aus dem olympischen Programm genommen worden war, setzte Hartwig Gauder 1980 in Moskau die goldene Geher-Tradition bei den Spielen fort. Dem Erfurter gelang in seinem erst vierten 50-km-Wettkampf der Olympiasieg; acht Jahre später sicherte er sich er in Seoul noch einmal Bronze.

WM-Bronze für Erm

Ronald Weigel ist der Premieren-Weltmeister über die lange Geher-Distanz. Der Potsdamer holte sich neben dem WM-Gold von 1983 in Helsinki auch eine Silbermedaille 1987 in Rom - mit 37 Sekunden Rückstand auf seinen Nachfolger Gauder. Die dann folgende Durststrecke des DLV beendete der Potsdamer Andreas Erm 2003 in Paris mit WM-Bronze.

Dopingskandal um russische Geher

Den Weltrekord hält seit der EM 2014 in Zürich der Franzose Yohann Diniz (3:32:33). In der jüngeren Vergangenheit sorgten auch russische Athleten für Furore - doch offenbar aus schlechtem Grund. Das russische Gehen wird aktuell von einem Dopingskandal erschüttert, gut einen Monat vor den Weltmeisterschaften in Peking zog der nationale Verband WFLA seine Athleten vorerst von allen internationalen Wettkämpfen zurück und suspendierte zudem Erfolgstrainer Wiktor Tschegin, der zahlreiche Geher zu internationalen Erfolgen geführt hatte. Mindestens 20 seiner Athleten wurden in den vergangenen Jahren allerdings wegen Dopings gesperrt, darunter 2012-Olympiasieger Sergej Kirdjapkin.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 20.07.15 10:24 Uhr

Titelverteidiger

Robert Heffernan (Irland) 3:37:56 Std.

Rekorde

WR: Yohann Diniz (Frankreich) 3:32:33 Std.
ER: Yohann Diniz (Frankreich) 3:32:33 Std.
DR: Andreas Erm (Potsdam) 3:37:46 Std.

Termine und Teilnehmer

Männer - 50 km Gehen
Datum Zeit Runde
29.08. 01:30 Uhr Finale