David Storl © dpa Fotograf: Bernd Thissen

Geschichte

2011: Großer Wurf der deutschen Werfer in Daegu

Drei WM-Titel, dreimal die Werfer: In Daegu ließen Harting, Storl und de Zordo die DLV-Bilanz golden glänzen. Beim Laufen drückte der Schuh. Auch bei Bolt: Fehlstart-Aus über 100 m.

Deutschland ist eine Werfernation. Das zeigte sich einmal mehr bei den 13. Weltmeisterschaften in Daegu. Gleich dreimal gab es für den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in den Wurfdisziplinen Gold: durch den Diskusriesen Robert Harting, der seinen Titel von Berlin erfolgreich verteidigte, Speerwurf-Überraschungssieger Matthias de Zordo und David Storl. Der Triumph des Youngsters, der zum jüngsten Kugelstoß-Weltmeister aller Zeiten avancierte, war die wohl größte Sensation - und weist den Weg. Als in Südkorea etablierte Kräfte wie die Kugelstoßer Ralf Bartels und Nadine Kleinert, in der Vergangenheit verlässliche Medaillensammler, nicht ganz vorne mitmischen konnten, sprang eine neue Generation in die Bresche. De Zordo, "Jahrhunderttalent" (DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen) Storl und Harting haben - Gesundheit vorausgesetzt - noch einige aussichtsreiche Jahre vor sich; so wie Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler, die sich in Daegu allerdings überraschend mit der Silbermedaille begnügen musste. Zwar kam der DLV an die insgesamt neun Medaillen von Berlin 2009 in Südkorea nicht heran. Doch drei Titel gab es seit Edmonton 2001 nicht mehr.

Oeser und Strutz durchbrechen Phalanx der Werfer

Richtige Ausfälle gab es im deutschen Team wenige. Speerwerferin Christina Obergföll, die einmal mehr Gold vor Augen hatte, scheiterte zum sechsten Mal in Folge in einem großen Speerwurf-Wettkampf und wurde nur Vierte. Raul Spank stürzte als Neunter im Hochsprung ab, die Geherinnen Melanie Seeger und Sabine Krantz kamen nicht ins Ziel. Die Phalanx der Werfer konnten nur zwei Athletinnen durchbrechen: Siebenkämpferin Jennifer Oeser, die mit Bronze ihr drittes Edelmetall in Folge bei einem internationalen Großevent sammelte, und Stabhochspringerin Martin Strutz. Die Schwerinerin, die mit 4,80 m deutschen Rekord sprang, krönte ihr grandioses Jahr mit der überraschenden Vize-Weltmeisterschaft.

DLV-Achillesferse bleibt das Laufen

Achillesferse des DLV bleibt das Laufen. Die bis dato letzte Einzelmedaille im Sprint holte 400-m-Läufer Ingo Schultz, und das ist auch schon zehn Jahre her. "Das Laufen ist nun mal das Attraktivste, so wird es zumindest vom Zuschauer wahrgenommen. Deshalb ist es unsere Pflicht, alles zu tun, dass wir wieder Anschluss an die Weltspitze finden", sagte Helmut Digel, deutsches Council-Mitglied des Weltverbandes IAAF. In Daegu war 200-m-Mann Sebastian Ernst der einzige deutsche Sprinter im Feld der Weltelite - und lief abgeschlagen hinterher. Zu allem Überfluss kamen am Schlusstag beide Sprintstaffeln nach Wechselfehlern schon im Vorlauf nicht ins Ziel. Lichtblicke waren die beiden Hoffnungsträger Gesa Krause und Georg Fleischhauer. Krause, mit 19 Jahren jüngste DLV-Starterin, verbesserte über 3.000 m Hindernis ihre persönliche Bestzeit gleich zweimal und wurde im Finale starke Neunte. Der 22-jährige Fleischhauer war im Vorlauf über 400 m Hürden in 48,72 Sekunden so schnell wie kein anderer Deutscher seit zehn Jahren.

Bolts Fehlstart Thema Nummer eins

Ein enttäuschter Usain Bolt nach seinem Fehlstart-Aus über 100 m bei WM 2011 in Daegu. © dpa Fotograf: Diego Azubel

Ein enttäuschter Usain Bolt nach seinem Fehlstart-Aus über 100 m.

International gesehen war die WM im vorolympischen Jahr kein Meilenstein. Usain Bolt sorgte nach seinen Festspielen von Berlin (dreimal Gold mit zwei Weltrekorden) trotzdem wieder für die meisten Schlagzeilen. Das Fehlstart-Aus des Titelverteidigers über die 100 m war das Thema, auch wenn der Jamaikaner über die doppelte Distanz gewann und mit der 4x100-m-Staffel eine neue Weltbestmarke aufstellte. Die erfolgreichste Athletin von Daegu war Allyson Felix aus den USA mit zwei Goldmedaillen in Staffelwettbewerben (4x100 m und 4x400 m) sowie Silber über 400 m und Bronze über 200 m. Kenias Langstreckenläuferin Vivian Jepkemoi Cheruiyot glänzte mit Gold über 5.000 und 10.000 m.

Pistorius und Smyth schreiben Geschichte

Geschichte schrieben Oscar Pistorius und Jason Smyth, die ersten Behindertensportler, die bei einer Leichtathtleitk-WM starteten. Pistorius als beinamputierter und Smyth als sehbehinderter Sprinter über 400 m bzw. 100 m. Bitter für die südkoreanischen Gastgeber: Ihr Team heimste nicht eine Medaille ein. Das hatte bislang nur in Schweden (Göteborg, 1995) und Kanada (Edmonton, 2001) gegeben.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 17.08.15 08:00 Uhr