Christina Schwanitz jubelt über Gold bei der Leichtathletik-WM 2015 in Peking © dpa - Bildfunk Fotograf: Franck Robichon

Kugelstoßen

Gold! Kugelstoßerin Schwanitz nervenstark

Kugelstoßerin Christina Schwanitz hat dem großen Druck standgehalten: Die Dresdnerin setzte sich im WM-Finale in Peking gegen die Chinesin Lijiao Gong durch - und holte Gold. Dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) bescherte die 29-Jährige damit einen Auftakt nach Maß in die 15. Weltmeisterschaften.

"Das ist unglaublich. Ich kann es noch gar nicht fassen. Ich bin einfach nur glücklich!" Der Jubel von Christina Schwanitz kannte nach dem größten Erfolg in ihrer Karriere auch im ARD-Interview im Pekinger "Vogelnest" keine Grenzen. Bei der WM in Moskau 2013 hatte die Athletin des LV 90 Erzgebirge sich noch mit der Silbermedaille begnügen müssen. Damals hatte die Neuseeländerin Valerie Adams zum vierten Mal in Folge gewonnen. Nach einer Verletzung verzichtete die Titelverteidigerin und Olympiasiegerin in diesem Jahr außer Form auf einen WM-Start. Und so war es nun die Deutsche, die eine Athletin auf den zweiten Platz verwies. Die Dresdnerin setzte sich nicht nur als erst zweite DLV-Kugelstoßerin - Astrid Kumbernuss siegte 1995, 1997 und 1999 - die Kugel-Krone auf. Sie ist auch die erste Athletin in ihrer Disziplin, die als amtierende Welt- und Europameisterin grüßt.

Schwanitz: "Wer will schon Zweiter werden?"

Um den ersehnten WM-Titel zu gewinnen, musste die Weltjahresbeste (20,77 m) im Finale aber alles geben. Im ersten Versuch kam sie nur auf 19,80 m, während Gong die Kugel gleich auf starke 20,30 m wuchtete. Doch Schwanitz schlug zurück: Nach 20,00 m im zweiten Versuch stieß sie im dritten Versuch 20,37 m. Gong zeigte sich vom Konter der Deutschen beeindruckt - und konnte bis zum Ende des Wetkampfes nicht mehr zurückschlagen: Auch in ihrem sechsten und letzten Versuch (19,91 m) blieb die Chinesin hinter Schwanitz' Siegesweite zurück. "Am Anfang war es echt ein Nervenkrieg: langsam in den Wettkampf reinkommen, sich peu a peu steigern", schilderte die nervenstarke DLV-Athletin im ARD-Interview die entscheidenden Minuten im Kampf um Gold. Im ZDF fügte die strahlende Weltmeisterin noch hinzu: "Wer will schon Zweiter werden?"

Schwanitz' Trainer Sven Lang hat der spannende Wettkampf einige Nerven gekostet. "Dass es ein Zweikampf mit Gong werden würde, das war klar. Ich hatte es mir ein bisschen einfacher vorgestellt, aber Weltmeisterin ist Weltmeisterin", sagte der glückliche Coach im ZDF. Die Bronzemedaille in Peking ging an die US-Amerikanerin Michelle Carter (19,76 m).

Radioaktive Flüssigkeit ins Knie gespritzt

Mit ihrem WM-Triumph in Peking belohnte sich Schwanitz auch für das Ertragen und Aushalten vieler Schmerzen. Im vergangenen Jahr schien ihre Karriere fast beendet, als eine Patellasehnen-Operation nach eigenen Worten "suboptimal" verlaufen war. Das linke Knie schwoll nach dem Eingriff immer wieder an und entzündete sich. "Ich hatte Angst, dass ich nie mehr Kugelstoßen kann. Da gehst du als Leistungssportler durch die Hölle, aber Gott sein Dank hat sich alles zum Guten gewendet." Besserung brachte eine Behandlung mit einer radioaktiven Flüssigkeit. Das in einem Reaktor hergestellte Mittel wurde Schwanitz ins Knie gespritzt. Es soll Entzündungen entgegenwirken. "Aber das ist nur wenig, ich bin nicht Tschernobyl", sagte sie.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 22.08.15 17:39 Uhr