Cindy Roleder gewinnt WM-Silber. © dpa Fotograf: Christian Charisius

100 m Hürden

Gänsehaut-Moment: Roleder holt Hürden-Silber

Cindy Roleder hat für die bislang größte Überraschung im deutschen WM-Team gesorgt. Die Leipzigerin musste in ihrem ersten WM-Finale nur Danielle Williams aus Jamaika den Vortritt lassen.

Äußerlich gelassen und mit einem unwiderstehlichen Zielspurt ließ Roleder in der letzten Entscheidung am Freitag (28.8.15) hochgehandelte Läuferinnen wie Titelverteidigerin Brianna Rollins aus den USA hinter sich. In kaum für möglich gehaltenen 12,59 Sekunden sprintete die 27-Jährige vom SC DHfK Leipzig hinter der Jamaikanerin Danielle Williams (12,57) und vor der Weißrussin Alina Talay (12,66) ins Ziel. Roleder steigerte ihre persönliche Bestleistung, die sie erst im Halbfinale verbessert hatte, noch einmal um zwei Zehntelsekunden. Im Ziel schlug sie fassungslos die Hände vors Gesicht und wurde noch im Innenraum von anderen Athleten wie Siebenkämpferin Jennifer Oeser umarmt und beglückwünscht. "Es war ein perfektes Rennen mit einem Hammerstart", sagte Roleder, die im vergangenen Jahr in Zürich EM-Bronze gewonnen hatte, im ARD-Interview. "Dass ich in solche Dimensionen laufen kann, habe ich nicht gedacht. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper, das war echt krass."

Für den Deutschen Leichtathletik-Verband war es die sechste Medaille in Peking - und eine, die wohl niemand erwartet hatte. Die letzten deutschen Medaillen im Hürdensprint der Frauen hatten 1987 in Rom die DDR-Athletinnen Gloria Uibel (Silber) und Cornelia Oschkenat (Bronze) geholt.

Nervenspiel im Halbfinale

Im "Vogelnest" von Peking hatte Roleder wenige Stunden zuvor schon Nerven wie Stahlseile gezeigt. In ihrem Halbfinale wurde die aussichtsreiche Amerikanerin Kendra Harrison nach einem Fehlstart disqualifiziert, allerdings dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis die Nummer vier der Welt ihre Bahn verließ, weil sich Kampfrichter offenbar uneins waren. Roleder blieb ruhg - fast zu ruhig, denn sie kam nicht richtig aus dem Startblock. Dann legte sie aber einen unwiderstehlichen Schlussspurt hin und stürmte in 12,79 Sekunden hinter der Britin Tiffany Porter (12,62) über die Ziellinie. Roleder, die sich seit dem vergangenen Jahr auch auf den Siebenkampf konzentriert, will mit Blick auf die Olympischen Spiele in Rio weiter zweigleisig fahren. "Mehrkampf tut mir supergut. Ich werde weiterhin hin und her switchen", sagte sie.

Harper-Nelson stürzt im Halbfinale

Die Weltjahresbeste Sharika Nelvis aus den USA wurde in 13,06 Sekunden überraschend Letzte im Endlauf. Eine Mitfavoritin hatte zuvor schon im ersten Halbfinale die Segel streichen müssen. Peking-Olympiasiegerin Dawn Harper-Nelson aus den USA strauchelte an der zweiten Hürde und riss im Fallen auf der benachbarten Bahn auch noch die dritte Hürde um. Olympiasiegerin Sally Pearson aus Australien ist in Peking nicht am Start. Sie hatte sich beim Diamond-League-Meeting im Juni in Rom den Arm gebrochen.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 28.08.15 15:52 Uhr