Gina Lückenkemper im Nationalstadion in Peking © NDR Fotograf: Bettina Lenner

Interview

Lückenkemper: "Es ist wahnsinnig geil!"

Gina Lückenkemper ist die jüngste Starterin im DLV-Team in Peking. Die 18-Jährige eroberte im Juli bei der U20-EM Gold über 200 m, am vergangenen Sonntag (23.8.15) gab sie ihr WM-Debüt bei den Erwachsenen. In einem starken 100-m-Vorlauf schied sie zwar aus, schlug sich in 11,34 Sekunden jedoch achtbar. Im Interview mit sportschau.de sprach die Schülerin, die immer gute Laune versprüht, über Aufeinandertreffen mit Bolt & Co, Glücksgefühle und die Staffel.

Gina Lückenkemper, Sie sind zum ersten Mal bei einer großen Meisterschaft dabei. Wie gefällt es Ihnen?

Lückenkemper: Wahnsinnig gut. Es ist alles größer als ich es bisher kannte, vom Stadion bis zum Mannschaftshotel, aber es ist wahnsinnig geil. Es macht Spaß, hier zu sein.

Welche Stars Ihrer Zunft haben Sie denn schon getroffen?

Lückenkemper: Ich hatte ja Veronica Campbell-Brown in meinen Vorlauf, das war schon stark. Im Aufwärmstadion lag Usain Bolt auf der Pritsche neben mir und hat sich auflockern lassen. Das ist schon cool, wenn da die ganzen Stars sind und man denkt sich 'Hi'. Aber die winken nicht zurück...

Noch nicht - aber das kann ja noch kommen.

Lückenkemper (lacht): Ja, das kann noch kommen, das hoffe ich.

Was lernt denn eine junge Athletin wie Sie hier?

Lückenkemper: Vor allem mit den Abläufen umzugehen. Wir müssen hier 40 Minuten vorher in den Callroom und trotzdem die Spannung aufrecht erhalten. Alles ist viel größer und es ist auch etwas anderes, vor so vielen Menschen zu laufen. Es ist wie eine Eingewöhnungsphase.

Waren Sie sehr nervös vor dem Start?

Lückenkemper: Fast gar nicht, weil ich mit keinen sonderlich hohen Erwartungen an mich hier reingegangen bin. Ich wollte einfach ein gutes Rennen abliefern und zeigen, was ich kann. Das ist mir gut gelungen, denke ich. Ich bin zufrieden mit meiner Vorstellung. Aber ich habe schon richtig Gänsehaut gehabt, als wir da unten reinkamen. Es war echt cool, hier zu laufen.

Sie erleben eine tolle Saison. Wo gibt's denn noch Luft nach oben?

Lückenkemper: Am Start ist noch deutlich Luft. Das hat man hier auch noch einmal gesehen. Gina und der Start, das ist ein bekanntes Thema.

Sie sind noch Schülerin, machen nächstes Jahr Abitur. Bekommen Sie beides gut unter einen Hut?

Lückenkemper: Manchmal ist es schon arg viel, aber die Schule zieht gut mit. In der Klausurenphase habe ich so Tage, an denen ich denke 'Lasst mich doch einfach alle in Ruhe.' Aber irgendwie passt es dann wieder.

Ist das der Plan im kommenden Jahr: erst Abitur, dann Olympische Spiele in Rio?

Lückenkemper: Wer weiß? Es wäre schon schön, wenn das klappen würde. Wenn nicht, wäre das schade. Aber ich bin noch jung und habe noch viele Chancen, denke ich. Ich will mir auch nicht zu viel Druck machen. Ich will erst einmal in der nächsten Saison die momentanen Zeiten so festigen, dass ich über 100 m im 11,20er-Bereich laufen kann und über 200 m dann auch mit gültigem Wind die 22 vor dem Komma steht.

Wie sind Sie im DLV-Team aufgenommen worden?

Lückenkemper: Die Unterstützung im Team ist megagut. In der Staffel sowieso, das ist eine supergute Truppe, aber auch in der kompletten Mannschaft findet man überall Rückhalt. Wenn ich eine Frage habe, sind alle ganz lieb und geduldig.

Spüren Sie so etwas wie Welpenschutz?

Lückenkemper: Nein, nicht unbedingt. Ich glaube, das liegt aber auch daran, dass ich nicht gerade der Typ bin, der immer nur schweigend danebensteht. Wenn ich dabei bin, dann erzähle ich auch. Ich habe einen Mund zum Reden und den nutze ich auch.

Sie sind auch für die Staffel nominiert. Rechnen Sie mit einem Einsatz?

Lückenkemper: Da steht noch nichts fest. Aber ich würde schon wahnsinnig gerne laufen; wenn ich es mir aussuchen dürfte, am liebsten an der Drei. Ich liebe es einfach, Kurve zu laufen. Deshalb laufe ich auch so gerne die 200 m. Es wäre schon cool, wenn ich hier noch einmal auf der Bahn stehen könnte. Aber wenn es nicht sein soll, dann soll es eben nicht sein. Wir haben eine echt hohe Leistungsdichte, es ist bei uns fast egal, wen man hinstellt.

Sie sind jetzt bei der WM über 100 m im Einzel gestartet. Bleiben die 200 m dennoch Ihr Favorit?

Lückenkemper: Ich laufe trotzdem die 200 lieber. Ich bin eben nicht so eine Koryphäe am Start und über 200 m kann ich hintenraus deutlich mehr gutmachen. Die 100 m sind mir zu kurz: Ich habe gerade Speed drauf, da ist die Ziellinie schon fast erreicht. Bei 200 m kann ich mich ein bisschen mehr austoben. Das macht wahnsinnig viel Spaß.

Das Interview führte Bettina Lenner in Peking

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 25.08.15 15:15 Uhr