Raphael Holzdeppe © dpa - Bildfunk Fotograf: Michael Kappeler

Stabhochsprung

Barber und Holzdeppe stehlen Lavillenie die Show

DLV-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat einmal mehr seine Nervenstärke unter Beweis gestellt: Hinter Überraschungsweltmeister Shawnacy Barber aus Kanada sicherte er sich im WM-Finale in Peking mit übersprungenen 5,90 m Silber. Top-Favorit Renaud Lavillenie musste sich mit Bronze begnügen. Mit einer Jahresbestleistung von 6,05 m angereist, überwand der Franzose nur 5,80 m.

"Weltmeister werden ist nicht schwer, den Titel zu verteidigen dagegen sehr" - Raphael Holzdeppe weiß seit Montag (24.8.15) ein Lied davon zu singen. Der 25 Jahre alte Stabhochspringer vom LAZ Zweibrücken, Goldgewinner von Moskau 2013, musste sich in einem erneut hochspannenden WM-Finale im Pekinger "Vogelnest" dem höhengleichen Barber geschlagen geben. Am Ende aber dürfte sich die Silbermedaille fast golden anfühlen. Nach zwei Fehlversuchen bei 5,90 m drohte bereits Platz fünf, doch Holzdeppes Nervenstärke brachte ihn doch noch aufs Treppchen. "Ich war wirklich extrem nervös heute, es war ein Auf und Ab der Gefühle. Nun bin ich froh, dass ich noch Silber geholt habe und einfach nur glücklich", sagte der DLV-Springer im ZDF. "Überflieger" und Weltrekordler Renaud Lavillenie aus Frankreich musste sich mit 5,80 m am Ende mit Bronze begnügen - den dritten Platz teilt sich der Sechs-Meter-Springer mit Ex-Weltmeister Pawel Wojciechowski und Piotr Lisek aus Polen. Damit muss der Olympiasieger von 2012 weiter auf seinen ersten WM-Titel warten.

Raphael Holzdeppe © dpa - Bildfunk Fotograf: Michael Kappeler

06:32 min | 24.08.2015 | Das Erste

Silber für Holzdeppe - Youngster Barber siegt

Stabhochspringer Raphael Holzdeppe hat in einem nervenaufreibenden Finale Silber gewonnen. Gold ging überraschend an Shawnacy Barber. Topfavorit Lavillenie wurde nur Dritter.

Zunächst gibt sich niemand eine Blöße

Der kanadische Stabhochspringer Shawnacy Barber © dpa - Bildfunk Fotograf: Michael Kappeler

Shawnacy Barber aus Kanada sicherte sich überraschend WM-Gold in Peking.

Raphael Holzdeppe ging das Finale durchaus selbstbewusst an: Im Wettkampf der 16 Teilnehmer ließ er - wie bei seinem Titelgewinn vor zwei Jahren in Moskau - die erste Höhe aus, stieg bei 5,65 m ein. Hatte er in der Qualifikation zwei Tage zuvor noch drei Versuche für seine Anfangshöhe (5,70 m) benötigt, schonte er nun nicht nur die eigenen Nerven: Im ersten Versuch ging's fehlerfrei über die Latte. "Das sah sehr gut aus", kommentierte sein Trainer Andrei Tiwontschik den Auftakt in den wichtigen Wettbewerb. DLV-Teamkollege Tobias Scherbarth (Leverkusen) war bereits bei 5,50 m eingestiegen - diese Höhe und auch 5,65 m meisterte der für Leverkusen startende Leipziger. Lavillenie ließ sich Zeit: Der Franzose nahm erst bei 5,80 m zum ersten Mal Anlauf. Mit ihm waren zu diesem Zeitpunkt noch zwölf Stabhochspringer im Wettbewerb um Gold, Silber und Bronze.

Holzdeppe im zweiten Versuch über 5,80 m

Der französische Weltrekordhalter (6,16 m) setzte mit seinem ersten Sprung im Wettbewerb ein Ausrufezeichen: Mit viel, viel Luft zwischen Körper und Latte meisterte der 28-Jährige die 5,80 m. Für Holzdeppe und Scherbarth lief es dagegen nicht rund: Beide leisteten sich bei 5,80 m ihren ersten Fehlversuch im Wettbewerb. Was tun, angesichts einer starken Konkurrenz? Schließlich hatten neben Lavillenie mit Pawel Wojciechowski und Piotr Lisek aus Polen und dem Kanadier Shawnacy Barber insgesamt vier Springer die 5,80 m fehlerfrei gemeistert. Scherbarth riss auch die beiden weiteren Versuche und schied aus, aber Holzdeppe zeigte sich weiter nervenstark: Im zweiten Anlauf meisterte der Springer vom LAZ Zweibrücken die 5,80 sicher. "Jetzt fängt der Wettkampf an, jetzt geht es um die Wurst", atmete Trainer Tiwontschik erleichtert auf.

"Ein fabelhafter Wettkampf von Barber"

Der französische Stabhochspringer Ranaud Lavillenie © dpa - Bildfunk Fotograf: Michael Kappeler

Weltrekordler Renaud Lavillenie hatte im WM-Finale nichts zu lachen.

Und damit lag der Coach goldrichtig: Barber meisterte auch die 5,90 im ersten Versuch, während Lavillenie und Holzdeppe zweimal scheiterten. Der dritte Versuch brachte schließlich die Entscheidung: Der Franzose holte die Latte erneut von der Halterung, verspielte so den erträumten Titelgewinn. Wenig später überwand der 25-jährige DLV-Springer die Latte ohne Berührung: Holzdeppe hatte damit Silber bereits sicher - und sogar die Titelverteidigung war plötzlich wieder möglich. Bei ihren drei Versuchen über sechs Meter scheiterten am Ende des gut zweistündigen Wettkampfes dann sowohl Barber als auch Holzdeppe jeweils deutlich. "Er hat es verdient. Es war ein fabelhafter Wettkampf von ihm", gratulierte der Deutsche seinem kanadischen Kontrahenten zum Gewinn der Goldmedaille. Lavillenie dagegen suchte nach dem für ihn enttäuschenden Wettkampf-Verlauf nach einer Erklärung: "Ich verstehe immer noch nicht, warum es nicht geklappt hat. Aber so ist Stabhochsprung." Für DLV-Springer Scherbarth sprang der geteilte Platz sieben heraus. Mit Carlo Paech war ein dritter deutscher "Stabi" bereits in der Qualifikation ausgeschieden.

Barber springt in Leverkusen zur WM-Form

Der neue Weltmeister Barber war als Dritter der Weltjahresbestenliste mit einer Vorleistung von 5,93 m zur WM nach Peking gereist. Seit Anfang August hatte der 21-Jährige sich in Leverkusen mit seinem Trainer und Vater George Barber, selbst ehemaliger Stabhochspringer, auf den Titelkampf vorbereitet - und dort bereits nachhaltig Eindruck bei den DLV-Springern Scherbarth und Paech hinterlassen. Der Grund: Während Scherbarth etwa 5,10 m hoch greift am Stab, sind es bei Barber den Aussagen der Deutschen zufolge 5,30 m. Außerdem springe er mit längeren Stäben (5,38 m) als die Konkurrenz. "Das muss man erstmal können", zog Scherbarth nach dem WM-Finale seinen Hut vor dem neuen Titelträger. Barber selbst konnte unmittlber nach dem Wettkampf "nicht glauben, was ich da geschafft habe. Aber ich denke, das wird kommen heute Abend, wenn wir anfangen zu feiern".

Stand: 24.08.15 17:26 Uhr