Farah-Coach Salazar: Gefeiert und schwer belastet

Galen Rupp (l.) und Mo Farah (r.) mit ihrem Trainer Alberto Salazar 2012 bei den Olympischen Spielen in London © picture alliance / AP Photo Fotograf: Martin Rickett

Doping-Verdacht

Farah-Coach Salazar: Gefeiert und schwer belastet

Alberto Salazar ist einer der erfolgreichsten Leichtathletik-Trainer der Welt. Der US-Amerikaner mit kubanischen Wurzeln hat zum Beispiel Galen Rupp zu einem Weltklasse-Langstreckenläufer geformt. Immer nur mit erlaubten Methoden? Ehemalige Athleten und ein Ex-Mitarbeiter des 57-Jährigen glauben daran nicht mehr. Sie belasten den Coach, der seit 2011 auch Mohamed Farah betreut, schwer.

Am Samstag (22.8.15) fällt der Startschuss für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking. Zwei Goldmedaillen werden am ersten Tag der 15. Titelkämpfe vergeben - im Kugelstoßen der Frauen mit der deutschen Hoffnung Christina Schwanitz und zum krönenden Abschluss des Auftaktes über 10.000 m der Männer. Es gehört nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass der Brite Mohamed Farah und der US-Amerikaner Galen Rupp ganz vorne mitmischen werden, wenn im Pekinger Vogelnest über die längste Bahnstrecke die Medaillen vergeben werden. Alberto Salazar wird beiden die Daumen drücken, schließlich trainiert der US-Amerikaner sowohl den Olympiasieger von London 2012 über 10.000 m, Farah, als auch den damaligen Silbermedaillengewinner Rupp. Seit diesem Sommer läuft bei den Salazar-Schützlingen allerdings der Verdacht mit - vor allem bei Rupp. Gegenüber der BBC und ProPublica, einem durch Stiftungen finanzierten Zusammenschluss investigativer US-Journalisten, hatten ehemalige Mitarbeiter und Athleten Salazar schwer belastet. Demnach soll der gebürtige Kubaner, in den 80er-Jahren einer der besten Marathonläufer der Welt, bereits 2002 den damals 16-jährigen Rupp mit Testosteron versorgt haben.

Ex-Assistent Magness packt aus

Steve Magness, 2011 als Assistent und wissenschaftlicher Berater in Salazars Trainingsgruppe "Nike Oregon Project" beschäftigt, fiel ein interner Laborbericht über die Blutwerte Rupps in die Hände, in dem stand, dass der Langstreckenläufer mit den verbotenen Substanzen Testosteron und Prednison, einem Steroidhormon, behandelt wird - und das seit der High School. Magness, der mittlerweile an der Universität Houston arbeitet, machte ein Foto von dem Dokument und gab es der BBC. Salazar, der die Doping-Vorwürfe in einem offenen Brief zurückwies ("Ich glaube an einen sauberen Sport und an harte Arbeit und das tun auch meine Athleten"), hatte für Rupps Daten eine Erklärung parat. Das Dokument sei nicht korrekt, sagte er, dort hätte Testoboost (ein Nahrungsergänzungsmittel) statt Testosteron stehen müssen.

Eigenen Sohn für Doping-Experimente missbraucht?

Nach Magness' Angaben soll Salazar sogar seinen eigenen Sohn für Doping-Experimente missbraucht haben, um die Grenzen auszuloten. Magness will den damals 15-jährigen Alex Salazar im Büro seines Vaters bei der Behandlung überrascht haben. "Ich teste Testosteron-Gel, hat Alex gesagt. Ich reibe ein bisschen davon ein, gehe dann ins Labor für einen Dopingtest, reibe ein bisschen mehr ein, gehe wieder zum Dopingtest. So lange, bis im Labor der Betrug auffällt", gab Salazars Ex-Kollege die Konversation wieder. Zudem berichtete Magness, dass er einmal von Salazar ein Buch bekommen habe, das er an Rupp weitergeben sollte - es war ausgehöhlt und mit Tabletten gefüllt. Kara Goucher, eine ehemalige Athletin des "Oregon-Projekts" und Bronzemedaillengewinnerin über 10.000 m bei der WM 2007 in Osaka, gab an, dass sie von Salazar ein verschreibungspflichtiges Hormon bekommen habe.

Salazar und die eigenen Ausnahmeregelungen

Alberto Salazar © imago/ZUMA Press

Alberto Salazar war in den 1980er-Jahren selbst ein Weltklasse-Marathonläufer.

Interessant sind auch die Einlassungen von Don Catlin gegenüber dem "Daily Telegraph". Der inzwischen 77-Jährige, 25 Jahre lang Leiter des Anti-Doping-Labors an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, berichtete, dass ihm Anfang der 2000er-Jahre nach der Gründung der Salazar-Trainingsgruppe eine Liste von privaten Doping-Tests vorgelegt worden sei - Auftraggeber war Salazar. Testete der Coach damit Medikations-Grenzen aus? Catlin vermutet das, zumal sich seine und die Wege des Weltklasse-Marathonläufers Salazar in den 80er-Jahren bereits gekreuzt hatten. Catlin war damals vom Internationalen Olympischen Komitee mit der Vergabe oder Ablehnung von medizinischen Ausnahmeregelungen für Athleten beauftragt. Sehr viele Anfragen kamen zu dieser Zeit von Salazar, "für alle möglichen Sachen", erinnerte sich Catlin. "Ich dachte, dass dies eine Person sei, die sich auf die eine oder andere Art einen Vorteil zu verschaffen sucht. Deshalb sagte ich nein."

Nike: "Keinerlei Beweise für Doping gefunden"

Farah, der in den Enthüllungen der BBC und ProPublica nicht belastet wird, hat sich hinter seinen Coach gestellt und seine Blutwerte, ebenso wie sieben weitere britische Athleten, offengelegt. "Ich habe immer gesagt, dass ich glücklich bin, wenn ich beweisen kann, dass ich ein sauberer Athlet bin", sagte der Doppel-Weltmeister von 2013 über 5.000 und 10.000 Meter. Der britische Leichtathletik-Verband hatte Farah und Salazar in einer ersten Stellungnahme Ende Juli "keine Anzeichen von Fehlverhalten" attestiert. Einen ausführlichen Bericht in dieser Sache will der Verband nach der WM in Peking veröffentlichen. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA hat sich ebenfalls in den Fall eingeschaltet und soll nach Medienberichten bereits mehr als ein Dutzend Zeugen befragt haben. Sponsor Nike ist mit der Aufarbeitung des Falls derweil schon fertig: "Alberto und Galen haben die gegen sie erhobenen Anschuldigungen widerlegt. Wir haben zudem unsere eigenen internen Nachprüfungen durchgeführt und keinerlei Beweise für Doping gefunden", teilte das Unternehmen mit.

Stand: 19.08.15 09:00 Uhr