Der US-amerikanische Sprinter Christian Coleman © imago images / Bildbyran

04:28 min | 28.09.2019 | Das Erste

100 m Finale: Coleman rennt allen davon

Christian Coleman ist bei der Leichtathletik-WM in Doha mit Abstand zum 100-m-Titel gesprintet. Der Amerikaner, der in einem Jahr drei Dopingtests verpasste, lief unter anderem Justin Gatlin davon.

100 m

100 m - Umstrittener Coleman sprintet überlegen zu Gold

Christian Coleman aus den USA hat bei der Leichtathletik-WM in Doha mit einem überlegenen Rennen Gold über 100 m gewonnen. Der Amerikaner Justin Gatlin holte Silber, der Kanadier Andre De Grasse Bronze.

Coleman lief schon auf den ersten 60 Metern einen klaren Vorsprung heraus und kam in 9,76 Sekunden ins Ziel. "Ich wusste, ich muss es nur abrufen, ein gutes Rennen hinlegen. Ich war mir ziemlich sicher", sagte Coleman im ZDF. "Wie man sich nachher fühlt, das kann ich gar nicht beschreiben."

Coleman legte im Anschluss an eine gewöhnungsbedürftige Lichtershow im Khalifa International Stadium in Doha die zweitschnellste Siegerzeit der Geschichte hin. Nur Usain Bolt war bei seinem Weltrekord (9,58) in Berlin 2009 schneller als der Mann aus Atlanta bei einer Weltmeisterschaft. Coleman steigerte seine Bestleistung um drei Hundertstelsekunden und ist jetzt die Nummer sechs der ewigen Weltbestenliste. Titelverteidiger Gatlin folgte in 9,89 Sekunden, De Grasse blieb in 9,90 Sekunden knapp der Bronzeplatz. Akani Simbine aus Südafrika holte in 9,93 Sekunden Rang vier.

Ergebnisse

Leichtathletik, 100 m, Männer, Finale

Gold Flagge USA USA Christian Coleman
Silber Flagge USA USA Justin Gatlin
Bronze Flagge Kanada CAN Andre De Grasse
4. Flagge Südafrika RSA Akani Simbine
5. Flagge Jamaika JAM Yohan Blake

Coleman: "Unterstellungen hindern mich nicht"

Coleman hatte vor der WM wegen drei verpasster Dopingtests innerhalb eines Jahres für Schlagzeilen gesorgt. Aus formalen Gründen entging er jedoch einer Sperre. Coleman beteuerte seine Unschuld: Zweimal habe er es versäumt, seine Meldedaten zu aktualisieren, einmal sei der Anruf der Kontrolleurin ausgeblieben. Sein Landsmann und Sprintlegende Michael Johnson kritisierte ihn dennoch scharf für die Affäre. Coleman sei seiner "Verantwortung" als potenzieller Superstar der Leichtathletik nicht nachgekommen, sagte Johnson der BBC: "Er hat sich keinen Gefallen getan, wie er mit dieser Situation umgegangen ist."

"Die Leute reden darüber", sagte Coleman im ZDF. "Und es ist schwierig, darüber hinwegzusehen oder daran vorbeizuhören. Aber die Vorwürfe und Unterstellungen hindern mich nicht daran, weiter nach vorn zu schreiten."

Seitdem die Affäre hochkochte, hatte Coleman bis zur WM kein Rennen mehr bestritten, kämpfte vielmehr um seinen Ruf - zuletzt mit einem 22 Minuten langen Video bei Youtube. "Die Menschen verstehen nicht, wie leicht es passieren kann, einen Test zu verpassen", sagte er darin: "Manchmal vergisst du, die App zu aktualisieren, aber das hat nichts mit Doping zu tun oder dem Versuch, einem Test auszuweichen."

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 28.09.19 21:28 Uhr