Otmane Nait Hammou vor dem Start des Vorlaufs über 3.000 m Hindernis

Hintergrund

Geflüchteter Athlet: "Laufen macht mich glücklich"

Bei der Leichtathletik-WM sind sechs Sportlerinnen und Sportler am Start, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. In Doha bilden sie ein eigenes Team.

Die Freude, sie stand ihm ins Gesicht geschrieben. Otmane Nait Hammou ballte die Fäuste und lachte in die Kamera, als der dritte Vorlauf über 3.000 m Hindernis kurz vor dem Startschuss stand. Hammou musste einst seine Heimat Marokko verlassen, über Frankreich kam er nach Schweden. Am Dienstag (01.10.2019) erfüllte sich ein Traum für den 24-Jährigen: Bei der Leichtathletik-WM startete er für das Team der Geflüchteten.

Sechs geflüchtete Menschen in Doha dabei

"Auch wenn es schwer ist, auch wenn man sich mal verletzt - Laufen macht mich glücklich", sagte Hammou in einem Artikel auf der Homepage der UN-Flüchtlingsagentur. Sportlich gut lief es in Doha allerdings nicht für Hammou. Zu Beginn des Rennens war er unverschuldet in einen Sturz verwickelt, in 9:30,17 Minuten lief er mehr als eine Minute nach dem Sieger ins Ziel.

Takele Nigate scheitert am ersten Hindernis beim 3000 m Hindernislauf während der Leichathletik-WM 2019 in Doha. Er selbst ist am Boden, alle anderen Läufer überholen ihn.

02:48 min | 01.10.2019 | Das Erste

3.000 m Hindernis: Doppeltes Pech für Nigate

Ein Unglück kommt selten allein: Der Äthiopier Takele Nigate geriet im Vorlauf über 3.000 m Hindernis bei der Leichtathletik-WM in Doha gleich zweimal ins Straucheln - mit schmerzhaften Folgen.

Als "Athlete Refugee Team" unterwegs

Hammou ist einer von sechs Geflüchteten, die in Doha dabei sind. Fouad Idbafdil startete ebenfalls über 3.000 m Hindernis, kam aber nicht ins Ziel. Jamal Eisa Mohammad aus dem Sudan und Tachlowini Gabriyesos aus Eritrea leben beide in Israel, bei der WM starteten sie über die 5.000 m - und scheiterten in ihren Vorläufen deutlich.

Aber das sportliche Ergebnis ist - bei allem Ehrgeiz - vielleicht auch nicht das Wichtigste für die Menschen, die unter dem Kürzel ART (Athlete Refugee Team) starten. "Ich bin stolz, dass unser Sport ein positiver Einfluss auf das Leben von jungen Athleten sein kann, die gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen", sagte Hammou im April mit Blick auf einen anderen Wettbewerb. Der Sportsgeist der Geflüchteten ist ungebrochen.

Tokio 2020 als Ziel

Rose Lokonyen trug die Fahne des olympischen Flüchtlingsteams während der Eröffnungs-Zeremonie 2016 in Rio. © picture alliance / AP Photo Foto: David J. Phillip

Rose Lokonyen trug die Fahne des olympischen Flüchtlingsteams während der Eröffnungs-Zeremonie 2016 in Rio.

Als einzige Frau befand sich Rose Nathike Lokonyen im Team, sie schied im Vorlauf über 200 m aus. Wie Paulo Amotun Lokoro, dessen Start über die 1.500 m am Donnerstag (03.10.2019) ansteht, flüchtete sie aus dem Südsudan nach Kenia. Beide waren 2016 in Rio de Janeiro schon bei den Olympischen Spielen dabei, Lokonyen trug bei der Eröffnungsfeier die Fahne. Damals war das Team aus Solidarität zu geflüchteten Menschen vom IOC ins Leben gerufen worden. Auch bei der WM 2017 startete eine solche Mannschaft.

Ein Ziel für alle ist deshalb wohl auch Tokio 2020. Das IOC entschied bereits vor einem Jahr, dass es bei den kommenden Sommerspielen nach Rio zum zweiten Mal ein Team aus Geflüchteten geben wird.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 01.10.19 18:48 Uhr