Niklas Kaul © imago images / Beautiful Sports

13:42 min | 03.10.2019 | Das Erste

Weltmeister! Kaul holt sensationell Gold im Zehnkampf

Niklas Kaul hat im abschließenden 1.500-m-Rennen die Konkurrenz klar geschlagen und sensationell die erste deutsche Goldmedaille bei der Leichtathletik-WM in Doha gewonnen.

Zehnkampf

Gold für Supertalent Kaul - Jüngster "König der Athleten"

Zehnkämpfer Niklas Kaul hat mit Gold in Doha für eine Sensation gesorgt. Der 21-Jährige Mainzer ist der jüngste Weltmeister der Geschichte und erst der zweite deutsche nach Torsten Voss.

Supertalent Niklas Kaul hat Geschichte geschrieben. Der Zehnkämpfer vom USC Mainz krönte sich bei der Leichtathletik-WM in Doha zum "König der Athleten" - als jüngster Zehnkämpfer überhaupt und als zweiter Deutscher nach Torsten Voss 1987. Der U23-Europameister startete als Elfter nach dem ersten Tag eine unfassbare Aufholjagd und brachte sich mit einer Serie von drei persönlichen Bestleistungen vor dem 1.500-m-Lauf als Dritter in eine nahezu perfekte Ausgangsposition. Drei Sekunden Rückstand auf Gold waren wettzumachen, und das gelang ihm scheinbar spielend leicht. Als bester Läufer ließ er in 4:15,71 Minuten - auch das eine neue Bestleistung - sowohl den bis dahin führenden Esten Maicel Uibo hinter sich, der Silber holte, als auch Damian Warner aus Kanada, der Bronze gewann.

"Nicht der beste Zehnkämpfer, aber der konstanteste"

Kaul stellte mit 8.691 Punkten eine persönliche Bestleistung auf. Er beerbt den Franzosen Kevin Mayer. Der Weltrekordler aus Frankreich musste im Stabhochsprung - in Führung liegend - aufgeben. Er hatte sich zum Auftakt des zweiten Wettkampftages an der linken Wade verletzt. "Ganz verstanden habe ich es noch nicht", sagte Kaul am ARD-Mikrofon. "Dass es das am Ende wird - keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich bin nicht der beste Zehnkämpfer, der hier angetreten ist, aber vielleicht der konstanteste."

Wahnsinnsweite im Speerwerfen

"Ich bin leergeschwitzt. Das hätte ich heute Morgen nicht erwartet, denn der Tag gestern lief für ihn so lala", sagte ARD-Experte Frank Busemann nach dem Herzschlagfinale, während Kaul mit einer deutschen Fahne um die Schultern und Tränen in den Augen auf die Ehrenrunde ging. Auf der Tribüne waren Teamkollegen, Fans und seine Eltern, von denen er trainiert wird, außer Rand und Band. Ausschlaggebend für das Sensationsgold war Kauls Auftritt im Speerwerfen, in dem er die Konkurrenz deklassierte. Im zweiten Versuch schleuderte der WM-Debütant den Speer auf unfassbare 79,05 m - nie zuvor hat ein Athlet in einem WM-Zehnkampf eine solche Weite erzielt. Kaul hatte bereits im Diskuswerfen seine Bestleistung um 1,85 auf 49,20 m gesteigert, im Stabhochsprung stellte er mit 5,00 m seine Bestmarke ein.

Kazmirek beweist Kampfgeist

Kai Kazmirek © imago images / Beautiful Sports

Nach Tiefschlag hoch hinaus: Kai Kazmirek.

Was wäre gewesen, wenn? Diese Frage hat sich Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied) möglicherweise gestellt. Sein Ausscheiden beim Hürdensprint brachte ihn um alle Medaillenchancen. Dennoch machte der WM-Dritte von 2017 unverdrossen weiter und warf den Diskus auf 44,85 m - Saisonbestleistung. Im Stabhochsprung legte er noch einen drauf, stellte mit 5,20 m seine persönliche Bestleistung ein und lieferte das drittbeste Ergebnis im Feld ab. Den Speer warf er auf 60,08 m - ebenfalls Saisonbestwert. Schließlich brachte er die 1.500 m in 4:49,16 Minuten als Gesamt-17. (7.414) ins Ziel. Allein für seinen Kampfgeist hätte er eine Medaille verdient gehabt. "Aufgeben gilt nicht. Das stand für mich nie zur Debatte", sagte Kazmirek. Für Kaul hatte er nur Bewunderung übrig: "Er ist jetzt schon weiter als ich mit 28."

Nowak: "Seine Punktzahl ist krass"

Auch Tim Nowak (SSV Ulm 1846) freute sich für seinen Teamkollegen: "Ich wusste, dass er es schaffen kann. Seine Punktzahl ist krass." Nowak absolvierte die verhasste Schlussdisziplin der Zehnkämpfer in sehr starken 4:22,18 Minuten Minuten und belegte mit 8.122 Punkten am Ende Rang zehn. Mit 56,76 m im Speerwerfen konnte er genauso wenig zufrieden sein wie mit seinen 45,02 m im Diskusring. Im Stabhochsprung hatte er 4,90 m überquert.

Desaster im Hürdenwald

Der zweite Wettkampftag hatte für die deutschen Zehnkämpfer denkbar schlecht begonnen. Kazmirek beraubte sich mit null Punkten aller Chancen, wie vor zwei Jahren noch Bronze zu holen. Er touchierte die dritte Hürde, trat die vierte um und war danach aus dem Rhythmus. Kopfschüttelnd zog er den Reißverschluss seines Trikots auf und ging neben der Bahn in Richtung Ziel. Den Wettkampf beenden wollte er dennoch nicht. Auf die Frage nach dem Warum antwortete sein Trainer Jörg Roos am ARD-Mikrofon: "Er ist Zehnkämpfer!"

Kazmirek nach Tag eins noch Siebter

Nach dem ersten Tag hatte Kazmirek als aussichtsreichster Deutscher noch auf dem siebten Platz gelegen. Über die abschließenden 400 m hatte er gemeinsam mit dem Kanadier Pierce Lepage in 47,35 Sekunden die schnellste Zeit auf die Bahn gebracht. Kaul war Elfter (4.164), Nowak rangierte auf Platz 16 (4.090). "Superanstrengend" fand Nowak die Hatz durch die Disziplinen, die bei diesen Weltmeisterschaften anders als gewohnt ohne größere Pause absolviert werden.

Blessuren und eine falsche Weite

Während Mayer am ersten Tag zwei persönliche Bestleistungen ausstellte (100 m: 10,50 / Kugelstoßen 16,82), blieben die deutschen Athleten durchgehend unter bereits gezeigten Leistungen. Dafür gab es Gründe. Kazmirek plagt sich schon die gesamte Saison mit Achillessehnenproblemen, Nowak hatte sich im Mai an der Schulter verletzt, und Kaul fasste sich zwischendurch immer wieder an sein rechtes Knie. "Er hat ein bisschen Probleme mit dem Sprungbein. Das ist schon nach den 100 Metern aufgetreten", klärte Bundestrainer Christopher Hallmann auf. Kaul hatte zudem Ärger mit der Weitenmessung beim Weitsprung. Für seinen ersten Versuch, der für alle gut sichtbar deutlich weiter war, wurden 6,32 m angezeigt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband legte erfolgreich Protest gegen die Wertung dieses Sprungs ein: Er wurde im Nachgang auf 7,19 m korrigiert.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 03.10.2019 | 15:40 Uhr

Stand: 03.10.19 23:41 Uhr