Eine russische Leichtathletin liegt auf dem Boden © picture alliance / AA

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IAAF hält Sperre des russischen Verbandes aufrecht

Russlands Leichtathleten bleiben aus dem Weltverband IAAF ausgeschlossen und dürfen damit nicht als eigenes Team an den am Freitag beginnenden Weltmeisterschaften in Doha (27. September bis 6. Oktober) teilnehmen.

Wie die IAAF nach ihrer Council-Sitzung am Montag (23.09.2019) mitteilte, wird der wegen des Dopingskandals seit November 2015 suspendierte russische Verband RUSAF vorerst nicht wieder aufgenommen. "Es kann ganz klar gesagt werden, dass Russland die Bedingungen für eine Wiederzulassung nicht erfüllt hat", erklärte Rune Andersen, Chef des IAAF-Inspektionsteams. Weltverbands-Präsident Sebastian Coe sagte: "Das hat mich nicht überrascht. Wir hatten eine lange Diskussion im Council heute darüber." Die Entscheidung sei schließlich einstimmig gefallen. Die Sperre wurde damit bereits zum zwölften Mal verlängert.

30 Russen starten in Doha unter neutraler Flagge

Russische Leichtathleten dürfen derzeit nur nach eingehender Prüfung durch die IAAF als sogenannte "Neutrale Athleten" bei internationalen Wettbewerben starten. Die bisher letzte russische Mannschaft hatte bei der WM 2015 in Peking an einem internationalen Großereignis teilgenommen. Für Doha sind 30 "Neutrale Athleten" aus Russland gemeldet. Zum Team der "Authorised Neutral Athletes (ANA)" gehören zum Beispiel die Welt- und Europameisterin im Hochsprung, Mariya Lasitskene, und der frühere Hürdensprint-Weltmeister Sergej Schubenkow.

WADA gibt Russland drei Wochen

Die Entscheidung stütze sich auch auf die Daten, die der Weltverband von der Welt-Anti-Doping- Agentur WADA bekommen habe, sagte Andersen. "Wir haben die Fakten noch nicht, aber wir vertrauen den Informationen." Wenige Stunden vor der IAAF-Entscheidung hatte die WADA bekannt gegeben, dass sie ein offizielles Verfahren gegen Russland eingeleitet hat, da Daten aus dem Moskauer Dopinglabor manipuliert sein könnten. "Experten haben sich die Daten angesehen, die wir von Whistleblowern bekommen haben, und die Daten, die wir von Russland erhalten haben. Es gibt Fragen, die gestellt werden müssen", sagte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli nach einer Sitzung der WADA-Exekutive in Tokio. Moskau bekam drei Wochen Zeit, um auf die Unregelmäßigkeiten zu reagieren.

298 besonders verdächtige Fälle

Die WADA hatte im Vorfeld gewarnt, "strengste Sanktionen" zu ergreifen, falls sich herausstellt, dass die Daten manipuliert seien. Nicht nur die erneute Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA könnte ein Thema werden, auch müssen sich russische Athleten auf Konsequenzen einstellen.

Nach einer dreijährigen Sperre hatte die WADA den Bann am 20. September 2018 aufgehoben - mit der Auflage, dass Russland die Doping-Daten und -Proben aus den Jahren 2012 bis 2015 an die WADA übergibt. Dies geschah aber erst nach einigem Zögern. In diesem Zeitraum sollen im Moskauer Labor systematisch positive Tests vertuscht worden sein. Bisher wurden aus den Daten 298 besonders verdächtige Fälle bekannt.

Zusammenarbeit mit gesperrten Trainern

Innerhalb des russischen Leichtathletik-Verbandes (RUSAF) gibt es immer noch große Probleme. So sollen russische Verbandsoffizielle versucht haben, einen Dopingverstoß des Weltklasse-Hochspringers Danil Lyssenko zu vertuschen. Diese Untersuchung läuft noch. Auch sollen belastete und gesperrte Trainer und Mediziner weiter russische Athleten betreuen. "Es gibt wiederkehrende Probleme damit, dass Sportler immer noch mit gesperrten Trainern arbeiten. Dies untergräbt die Schaffung eine starken Anti-Doping-Mentalität", sagte Andersen.

"Gibt Personen, die meine Arbeit behindern"

Der Generaldirektor der RUSADA, Juri Ganus, hatte die Verhältnisse in der russischen Leichtathletik zuletzt scharf kritisiert. "Ich habe den Rücktritt aller führenden Vertreter dieses Verbandes gefordert. Das Maß der Verfehlungen ist verrückt. Es ist ein Problem des Systems, weil es das Eingreifen einer übergeordneten Behörde gibt", sagte Ganus. "Es gibt Personen, die meine Arbeit behindern."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 23.09.19 17:57 Uhr