Khalifa International Stadium in Doha © Imago Foto: Schreyer

WM-Stadion

Khalifa International Stadium: Sport im Kühlschrank

von Bettina Lenner

Die 17. Leichtathletik-Weltmeisterschaften finden im Khalifa International Stadium statt. Die Fußball-Arena mit einer Leichtathletikanlage ist 2022 Austragungsort von Gruppen- und K.o.-Spielen der FIFA-WM und vollständig klimatisiert. Doch nicht nur wenn es um Ökologie geht, gibt es Kritik.

Klimaanlage Khalifa International Stadium in Doha © Imago Foto: Imago

Über große Öffnungen wird das Stadion heruntergekühlt.

Sport in der Wüste - das klingt wie ein Widerspruch in sich. Doch Katar, gerade einmal halb so groß wie Hessen und 2022 Gastgeber der Fußball-WM sowie drei Jahre zuvor der Leichtathletik-WM, setzt Zweifeln und Zweiflern technische Innovationen entgegen: Ein Kühlsystem im Khalifa International Stadium soll dafür sorgen, dass es auf den Rängen und auf der Bahn nicht wärmer als 26 Grad wird und die Athleten Leistungssport betreiben können, auch wenn die Außentemperaturen die 40-Grad-Marke übersteigen. Eine fraglos beeindruckende Technik, aber auch Grund zur Kritik, wenn es um Ökologie geht. Die Kataris betonen allerdings, dass ein Großteil der verwandten Energie erneuerbar sein wird.

Bis auf die beiden Marathons und die Wettkämpfe der Geher, die wegen der Hitze nachts ausgetragen werden, finden alle Wettbewerbe im Nationalstadion Khalifa statt, das 40.000 Menschen Platz bietet - das Minimum dessen, was der Fußball-Weltverband FIFA von einer WM-Arena fordert. Nach der Fußball-WM soll der Oberrang abgebaut und damit die Kapazität auf 20.000 Zuschauer gesenkt werden.

Facelifting für die FIFA-WM

Eckdaten

Name: Khalifa International Stadium
Eröffnung: 1976; mehrere Umbauten, zuletzt 2017 neueröffnet
Kapazität: 40.000 Plätze

1976 eröffnet und bereits Schauplatz der Asienspiele (2006) sowie aller wichtigen Begegnungen der katarischen Fußball-Nationalmannschaft, hat das Stadion im Laufe seiner Geschichte mehrere Faceliftings erhalten - zuletzt für die WM 2022. Im Mai 2017 wurde es nach aufwändigen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet, im April dieses Jahres fanden hier die Leichtathletik-Asienmeisterschaften statt. Das Stadion bekam eine neue LED-Beleuchtung sowie eine 44.000 Quadratmeter große Dachmembran, die 70 Prozent der Arena überdeckt - darunter die kompletten Zuschauertribünen. Sie soll die Kühlung des Stadions unterstützen.

Alles für den Sport in der "Aspire Zone"

Die Arena ist Teil eines 250 Hektar großen Sport-Areals namens "Aspire Zone", zu dem neben dem Nationalstadion unter anderem die größte überdachte Sportstätte der Welt, ein Schwimmstadion, eine Nachwuchsakademie und eine Klinik für Sportmedizin und Sportorthopädie zählen. In fußläufiger Entfernung befindet sich ein Sportmuseum.

Kritik am Umgang mit Menschenrechten

Athleten und Zuschauer erwartet im und rund um das Stadion, das in Al Rayyan westlich von Doha liegt, Luxus pur. Die Voraussetzungen, unter denen die Arenen für die Fußball-WM entstehen, sorgen allerdings trotz Verbesserungen nach erschütternden Berichten zu Beginn der Bauarbeiten immer wieder für scharfe Kritik.

Arbeiten am Dach des Khalifa International Stadium © imago images / MIS

Laut Amnesty leben in dem Emirat rund zwei Millionen Arbeitsmigranten.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft dem WM-Gastgeber ganz aktuell vor, trotz Reformversprechen eine "Spielwiese" für "skrupellose" Arbeitgeber von Migranten zu bleiben. So müssten in dem Emirat Hunderte ausländische Arbeiter seit Monaten auf ihre Löhne warten, ohne vom Staat Hilfe zu bekommen. Schlichtungskomitees würden mit Beschwerden überflutet, hätten aber so wenige Richter, sodass die Arbeiter Monate warten müssten, bis ihre Fälle behandelt würden. Die Migranten müssten ohne Einkommen in ihren Unterkünften leben oder nach Hause zurückgehen. "Viele Menschen kehren mittellos in ihre Heimat zurück, nachdem sie monatelang ihren Löhnen hinterhergejagt sind, mit zu wenig Hilfe des Systems, das sie eigentlich beschützen soll", so Amnesty. Selbst wenn ihren Beschwerden stattgegeben werden, erhielten sie oft kein Geld.

"Unter unmenschlichen Bedingungen beschäftigt"

In dem Emirat leben laut Amnesty rund zwei Millionen Arbeitsmigranten. Sie kommen aus armen Ländern wie Bangladesch oder Nepal. Die Internationalen Arbeitsorganisation der UN (ILO) hatte Katar im vergangenen Jahr Fortschritte bei der Lage von ausländischen Arbeitern bestätigt. "Viele Millionen sind immer noch unter unmenschlichen Bedingungen beschäftigt", sagte allerdings Katar-Expertin Regina Spöttl von Amnesty International im Mai dem SWR.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 19.09.19 16:00 Uhr