Alberto Salazar © imago/ZUMA Press

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Leichtathletik-Trainer Salazar für vier Jahre gesperrt

Der umstrittene Leichtathletik-Coach Alberto Salazar ist wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Regeln für vier Jahre gesperrt worden. Das teilte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) am Montag (30.09.2019, Ortszeit) mit. Salazar ist der Chefcoach des Nike Oregon Projects, dem auch die deutsche WM-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen angehört. Die 22-Jährige aus Leverkusen, die in Doha über 5.000 m antritt, wird in den USA allerdings von Pete Julian trainiert.

Ebenso für vier Jahre wurde der Endokrinologe Jeffrey Brown, der zahlreiche Athleten Salazars behandelt hatte, von einem amerikanischen Schiedsgericht aus dem Verkehr gezogen. "Bei ihrer Arbeit für das Nike Oregon Project haben Herr Salazar und Dr. Brown demonstriert, dass Gewinnen wichtiger war als die Gesundheit und das Wohlergehen der Athleten, denen sie ihren Schutz versprochen hatten", sagte USADA-Chef Travis Tygart in einer Mitteilung. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF teilte mit, dass Salazars WM-Akkreditierung auf Bitte des US-Verbandes USATF "deaktiviert" worden sei.

Salazar will in Berufung gehen

Salazar reagierte mit einem Statement auf der Homepage des Projekts auf die Entscheidung. Er sei geschockt. "Das Oregon Project hat und wird Doping nie erlauben." Er werde gegen die Entscheidung in Berufung gehen, kündigte der 61-jährige Amerikaner an. Der amerikanische Sportartikelhersteller Nike will den Coach dabei unterstützen. Das teilte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag mit. "Nike dulde die Anwendung verbotener Substanzen in keiner Weise", hieß es weiter.

USADA lobt Mitarbeit von Sportlern

Die Sperre des gebürtigen Kubaners ist das Ergebnis vierjähriger Untersuchungen. Die USADA lobte bei der Verkündung der Sperre die Mitarbeit von Sportlern. "Sie hatten die Courage, auszupacken und die ultimative Wahrheit zu enthüllen", so Tygart. US-Läuferin Kara Goucher warf Salazar vor, sie zur Einnahme des Schilddrüsenhormons Thyroxin gedrängt zu haben, das nicht auf der Doping-Liste steht. Und nach Angaben von Trainer Steve Magness soll Salazar im Besitz von Testosteron gewesen sein.

Klosterhalfen wird von Pete Julian trainiert

2017 hatte die russische Hacker-Organisation Fancy Bears verschiedenen Medien einen USADA-Untersuchungsbericht über das Nike Oregon Project zugespielt. Der ehemalige Coach des viermaligen britischen Olympiasiegers Mo Farah wird in dem Bericht beschuldigt, auf gefährliche Weise die Leistung seiner Athleten gesteigert zu haben. Demnach sei es "nahezu sicher", dass der frühere Marathon-Star gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen habe. Sowohl Farah, der seit 2017 nicht mehr von Salazar betreut wird, als auch der Coach hatten jegliche Vorwürfe zurückgewiesen. Aktuell trainiert unter anderem die Niederländerin Sifan Hassan, die bei der WM in Doha Gold über 10.000 m gewann, bei Salazar. Die Hauptvorwürfe der Behörde gegen ihn sind: Anwendung von verbotenen Infusionen, Besitz und illegale Verbreitung von Testosteron und die Vertuschung von Daten im Zusammenhang mit Doping-Kontrollen.

Klosterhalfen gehört dem Nike Oregon Project offiziell seit April an und trainiert seit November 2018 in den USA. Seit ihrem Wechsel wird sie mit dem zweifelhaften Ruf Salazars konfrontiert, obwohl sie von Pete Julian betreut wird. Dem aufkommenden Misstrauen begegnet die 22-Jährige offensiv-verständnisvoll. "Wer negativ darüber redet, soll sich vor Ort ein eigenes Bild machen", sagte Klosterhalfen. Sie verweist auf optimales und innovatives Training und beste Bedingungen für die Athleten: "Oregon war ein wichtiger Schritt, ein Glücksfall für mich."

DLV: "Konstanze lehnt jede unerlaubte Methode ab"

Klosterhalfens Management sieht keine direkten Auswirkungen für den deutschen Leichtathletik-Shootingstar. "Natürlich waren wir von der Meldung auch überrascht und schockiert. Für Konstanze ändert sich aber nichts, weil sie bei Pete Julian trainiert", teilte das Management mit: "Sie hat sich nichts zuschulden kommen lassen und wird es auch nicht tun. Sie lehnt Doping komplett ab. Nach der Saison werden wir uns aber zusammensetzen und das aufarbeiten."

Präsident Kessing: "Werden sicher das Gespräch suchen"

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat keinen Zweifel an der Integrität seiner Topläuferin. "Konstanze ist eine mündige Athletin. Schon im Vorfeld der WM in Doha hat sie sich mehrfach zu kritischen Fragen positioniert und dabei verdeutlicht, dass sie dem deutschen und internationalen Anti-Doping-Kontroll-System unterliegt. Trotz intensiver Kontrollen gab es bei ihr keine Beanstandungen und sie lehnt jede unerlaubte Methode ab", teilte der DLV mit. Gesprächsbedarf besteht für den Verband trotzdem. "Wenn man die genaue Faktenlage kennt, werden wir sicher das Gespräch mit der Athletin und ihrem Betreuerteam suchen, um abzustimmen, wie zukünftig das Trainingsumfeld sein wird", sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 01.10.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 01.10.19 16:28 Uhr