10:29 min | 03.10.2019 | Das Erste

FIFA-Sicherheitschef Spahn über die WM 2022

FIFA-Sicherheitschef Helmut Spahn spricht über die Fußball-WM 2022: Er sieht Chancen für eine Öffnung Katars Richtung Westen, für eine kulturelle Begegnung - und für bezahlbare Bierpreise.

Hintergrund

FIFA-Sicherheitschef: "WM 2022 ist eine historische Chance"

FIFA-Sicherheitschef Helmut Spahn hat die Fußball-WM 2022 in Katar als "historische Chance" bezeichnet. Auch wenn nicht alles Gold sei, was glänze: Die WM könne helfen, die Region Richtung Westen zu öffnen, sagte er in der ARD.

Helmut Spahn

Helmut Spahn, geboren am 19. März 1961 in Seligenstadt (Hessen), war früher Polizeibeamter und von 2015 bis September 2018 Präsident des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach. Als Sicherheitschef hat er für den Deutschen Fußball-Bund gearbeitet, für die UEFA organisierte er die Sicherheitsfragen bei der EM 2012 und bei mehreren Saisons des Europapokals. seit 2017 trägt er die Funktion des Sicherheitschefs bei der FIFA.

Spahn nannte als Beispiel Zugeständnisse beim Kafala-System, bei dem der Pass beispielsweise eines Bauarbeiters durch den Arbeitgeber eingezogen wird und Arbeitnehmern sehr wenig Rechte einräumt. "Die Kataris sind schon auf einem Weg sich zu öffnen", sagte er.

Auch in der Frage, ob Frauen Zugang zu den Stadien bekämen, herrsche Klarheit, so Spahn. "Jeder der hier ist, muss Zugang zum Stadion haben. Das werden wir durchsetzen. Und die Kataris haben uns auch zugesichert, dass das so sein wird", sagte Spahn. Das gelte auch für einheimische Frauen, es werde keine Restriktionen in dieser Hinsicht geben. Gleichzeitig brauche es "Zeit, damit sich hier ein Wandel vollzieht". Katar steht seit der WM-Vergabe 2010 gemeinsam mit der FIFA in der Kritik.

Der Zuschlag soll mit Korruption begünstigt worden sein, außerdem gibt es immer wieder Berichte über die sklavenartigen Arbeitsbedingungen für viele Gastarbeiter, die Strafbarkeit von Homosexualität und fehlende Pressefreiheit.

Logistik als Fluch und Segen zugleich

Die große Mehrheit der Fans wird bei der WM über den Flughafen einreisen. Das gilt insbesondere, wenn Katars Nachbarländer ihre derzeitige Blockadepolitik aufrechterhalten. Für Spahn ist das Fluch und Segen zugleich. "Dadurch ist dieses Land besser zu kontrollieren als zum Beispiel ein Riesenland wie Russland 2018", sagte er. Gleichzeitig kämen auf die Fans weniger Kosten zu, da die größte Distanz zwischen zwei Stadien 70 Kilometer betrage. "Du musst einen Flug buchen, dann bist du hier. Und du brauchst ein Hotelzimmer, von dort aus kannst du alle Spiele besuchen", sagte Spahn. Von der Organisation und der Infrastruktur her mache er sich überhaupt keine Sorgen.

Zuschauer im Khalifa International Stadium in Doha © imago images / Inpho Photography

Zuschauer im Khalifa International Stadium in Doha.

Eine Herausforderung werde dagegen die Fantrennung. Es sei das erste Mal, dass man alle Mannschaften und alle Fans praktisch in einer Stadt habe. Diese Enge werde auch eine Herausforderung in Sachen Sicherheit. Gleichzeitig müssten FIFA und Katar diese Chance nutzen, "um den Leuten die Kultur zu zeigen". Die Begegnung zwischen den zahlreichen Fangruppen auf so engem Raum sei etwas Neues. "Als Sicherheitsexperten ist es unsere Aufgabe, das zu organisieren, dass nichts passiert. Die internationale Zusammenarbeit wird hier eine große Rolle spielen."

Sitten des Landes akzeptieren

Ein Thema wird der in Katar eigentlich verbotene Ausschank von Alkohol werden. Zumal die FIFA auch einen Bierbrauer als Sponsor hat. Spahn sagte, dass die FIFA in Zusammenarbeit mit den Organisatoren sicherstellen wolle, "dass Fußballfans, die gerne ein Bier trinken", dies auch tun könnten. Gleichzeitig mahnt er, dass man die Sitten des Landes akzeptieren müsse. "Wir können nicht immer unsere Kultur überstülpen und sagen: Okay, Alkohol gehört zum Sport. Man könnte eigentlich ein gegenteiliges Argument aufmachen", sagte Spahn.

Bei der Umsetzung sprach Spahn von Fanzonen, in denen Alkohol konsumiert werden könne. "Und man wird auch beim Preis noch mal nachjustieren", sagte er. Derzeit kostet ein halber Liter Bier in den wenigen lizenzierten Bars umgerechnet etwa 14 Euro.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 04.10.19 21:40 Uhr