Desi Jisa Mokonin aus Bahrain © imago images / Bildbyran

Marathon

Merkwürdige Erklärungsversuche der IAAF zum Frauen-Marathon

von Chaled Nahar

Die beiden Rennen über 50 km Gehen bei der Leichtathletik-WM in Doha werden trotz der vielen Abbrüche beim Frauen-Marathon wie geplant gestartet. Die IAAF versuchte, die Ereignisse beim Marathon herunterzuspielen.

Nachdem zahlreiche Läuferinnen beim Marathon der Frauen aufgegeben hatten, standen die IAAF und die Veranstalter in Katar erneut in der Kritik, die WM in Doha angesichts der Temperaturen zu dieser Jahreszeit auszutragen. Mehr als 30 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit sorgten für elende Bedingungen. Zahlreiche Läuferinnen waren im Rollstuhl oder auf Tragen zu sehen.

IAAF beruft sich auf frühere Rennen

Am Samstag (28.09.2019) reagierte die IAAF - und zwar mit der klaren Ansage, dass die Rennen der Männer und Frauen über 50 km Gehen wie geplant ausgetragen werden, die Startschüsse für die beiden nächsten Ausdauerwettbewerbe auf den Straßen Dohas fallen um 22.30 Uhr. Gleichzeitig kommentierte der Weltverband die Ereignisse vom Marathon der Frauen.

"Keine einzige Aufgabe ist auf einen Hitzschlag zurückzuführen", teilte die IAAF mit. Der Verband verteidigte die groteske Szenerie, bei der 28 von 68 Läuferinnen die Ziellinie nicht überquert hatten, mit einem Verweis auf andere Wettbewerbe: Auch 1991 in Tokio und 2013 in Moskau habe es "vergleichbare" Quoten an Aufgaben gegeben. Was Normalität suggerieren soll, ist bei genauer Betrachtung jedoch ein merkwürdiger Vergleich.

41 Prozent kamen nicht an - WM-Rekord

In Tokio 1991 waren 15 von 39 Läuferinnen nicht angekommen (38 Prozent), in Moskau 2013 hatten 25 von 72 Athletinnen nicht das Ziel (35 Prozent) erreicht. Dass die Quote in Katar mit 41 Prozent trotzdem höher als in den Beispielen war und damit weit über allen anderen WM-Marathonläufen liegt, verschwieg der Verband. Der Vergleich bezieht sich ohnehin auf die beiden bisherigen Spitzenwerte.

Die Quote der nicht im Ziel angekommenen Läuferinnen blieb in der WM-Geschichte ansonsten immer unter 30 Prozent, 2017 betrug sie sogar nur 14 Prozent. Beides blieb unerwähnt. Fest steht eines: Die Quote war bei einer Leichtathletik-WM noch nie so hoch wie bei der in Doha 2019.

WM-Marathon der Frauen
WMOrtStarterinnenNicht im ZielQuote
2019Doha682841%
2017London911314%
2015Peking651320%
2013Moskau702333%
2011Daegu54713%
2009Berlin711014%
2007Osaka66914%
2005Helsinki57611%
2003Paris6869%
2001Edmonton52612%
1999Sevilla51918%
1997Athen742027%
1995Göteborg431126%
1993Stuttgart32928%
1991Tokio391538%
1987Rom42921%
1983Helsinki59814%

In der Statistik sind nicht angetretene Läuferinnen nicht mit einberechnet, disqualifizierte Läuferinnen zählen zu den Starterinnen, nicht aber zur Kategorie "Nicht im Ziel".

Klimaanlage im Stadion - auf der Straße nicht

Das Khalifa International Stadium wird mit einer Klimaanlage heruntergekühlt. Draußen gibt es das nicht. "Es war schrecklich. Mein Herz hat gerast, ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt", sagte Sara Dossena aus Italien. Gewonnen hatte den Marathon am Ende die Topfavoritin Ruth Chepngetich aus Kenia. "Das Rennen war hart, sehr hart. Aber ich habe nicht aufgegeben", sagte sie. Um 2.32 Uhr Ortszeit war sie nach 2:32:43 Stunden im Ziel angekommen. Es war die schlechteste Zeit einer Siegerin bei einem WM-Marathon aller Zeiten.

Man habe alles getan, um die Risiken zu minimieren, schreibt die IAAF: Später Beginn in der Nacht, mehr Erfrischungsstände, Kommunikation mit den Teamärzten und das Engagement führender medizinischer Experten.

154:14 min | 27.09.2019 | Das Erste

Der WM-Marathon der Frauen in voller Länge

Was für eine Strapaze! Mehr als 20 Läuferinnen sind beim WM-Marathon von Doha ausgestiegen. Am Ende gewann Ruth Chepngetich aus Kenia. Das ganze Nacht-Rennen zum Nachschauen im Video.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 28.09.19 17:14 Uhr