04:28 min | 28.09.2019 | Das Erste

100 m Finale: Coleman rennt allen davon

Christian Coleman ist bei der Leichtathletik-WM in Doha mit Abstand zum 100-m-Titel gesprintet. Der Amerikaner, der in einem Jahr drei Dopingtests verpasste, lief unter anderem Justin Gatlin davon.

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100-Meter-Finale - und kaum Zuschauer

von Chaled Nahar

Nur rund 10.000 Zuschauer wollten das 100-Meter-Finale der Männer bei der Leichtathletik-WM in Doha sehen, und auch sonst ist das Interesse bisher gering - die Gründe sind vielfältig.

Die Preise: völlig im Rahmen

Am Geld wird es kaum liegen: Die Preise für die Eintrittskarten beginnen bei 14 Euro, Katar gilt als eines der reichsten Länder der Welt. Auch beim von vielen Ausfällen geprägten, nächtlichen Marathonlauf der Frauen waren vor allem ab der zweiten Rennhälfte kaum mehr Zuschauer an der Strecke - und der Besuch war sogar kostenlos.

Die Touristen: Kaum jemand kommt nach Katar

Aus dem Ausland reisen nur wenige Fans an. Berichte über die Korruption bei der Vergabe von sportlichen Großereignissen und die gnadenlose, menschenverachtende Ausbeutung von Arbeitern haben Katar in der Welt bekannt gemacht - aber nicht beliebt. Die WM hat einen negativen Kontext bekommen. Hinzu kommen einige andere Gründe, die Sporttouristen aus dem Ausland abschrecken: beispielsweise die schwierige Reise, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben, das ökologische Desaster beim Herunterkühlen des Stadions oder das grundsätzliche Alkoholverbot.

Auch aus den Nachbarländern und der Region kommen kaum Menschen zu den Wettbewerben: Saudi-Arabien, Bahrain und die Emirate haben im Kampf um Macht und Einfluss in der Region einen diplomatischen und politischen Boykott gegen Katar ausgerufen. Der WM-Gastgeber ist auf der arabischen Halbinsel isoliert.

Das Stadion: angenehm, aber leer

Das Khalifa International Stadium bietet jeglichen Komfort und hat theoretisch Platz für 40.000 Zuschauer. Die Organisatoren haben wohl von vornherein mit überschaubarem Interesse gerechnet und die Kapazität auf die Hälfte reduziert. Seit dem ersten Tag sind die oberen Ränge mit Bannern abgehängt, die mit bunten Aufschriften zumindest optisch die gähnende Leere verkleinern sollen. Auf 25 bis 26 Grad wird das Stadion mit Klimaanlagen heruntergekühlt - doch auch die Aussicht auf kühle Stunden im heißen Katar lockt kaum jemanden an.

01:10 min | 27.09.2019 | Das Erste

Der Weg vom Warmmachen ins Stadion

Der Weg vom Aufwärmstadion zum Wettkampf ist lang - Frank Busemann durchläuft ihn und kommt bei der WM in Doha durch einige klimatisierte Zonen.

Die Leichtathletik: in Katar mit wenig Relevanz

Katar hat keine große Tradition in der Leichtathletik. Im ewigen WM-Medaillenspiegel liegt das noch junge Emirat mit sieben Mal Edelmetall klar hinter Trinidad und Tobago, Neuseeland und Algerien. Was die Menschen verpassen, ist allerdings großer Sport. Einen der Höhepunkte jeder WM, das 100-Meter-Finale der Männer, wollten nur rund 10.000 Zuschauer sehen - trostlos.

Zumindest bei den Mixed-Staffeln kam etwas Stimmung auf. Wie auch bei den 10.000 Metern der Frauen, als in Doha arbeitende afrikanische Gastarbeiter dank der guten Stadion-Akustik für WM-Atmosphäre sorgten. Als ihre Landsleute im Ziel waren, verabschiedeten sie sich aber auch direkt - 100-Meter-Finale? Egal.

Auch die Radsport-WM 2016 oder die Handball-WM 2015 haben in Katar nicht viel mehr Begeisterung ausgelöst. Die Fußball-WM Ende 2022 zieht dagegen wohl mehr Touristen und auch mehr Einheimische an. Ob das aber reicht, um in allen 64 Spielen der FIFA die gewünschte Hochglanzkulisse mit vollen Stadien zu bieten, bleibt vorerst offen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 29.09.2019 | 18:50 Uhr

Stand: 29.09.19 17:09 Uhr