03:39 min | 01.10.2019 | Das Erste | Autor/in: Sven Kaulbars

Stimmung verbessert, aber war Katar schon so weit?

Leichten Verbesserungen zum Trotz: Die Vergabe der Leichtathletik-WM in die Wüste nach Doha steht weiter in der Kritik. ARD-Experte Frank Busemann sagt: "Katar war noch nicht so weit."

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Asienspiele 2030 - Katar will das nächste Event

von Chaled Nahar

Katar will sich um die Ausrichtung der Asienspiele 2030 bewerben. Das Signal ist klar: Mit den Weltmeisterschaften im Fußball und in der Leichtathletik ist längst nicht Schluss. Die Sportgroßereignisse sind ein Teil der Sicherheitspolitik Katars. Und die könnte irgendwann Olympia nach Doha bringen.

Ob Leichtathletik-WM 2019, Handball-WM 2015, Straßenrad-WM 2016, Turn-WM 2018 oder natürlich die Fußball-WM 2022 - der Hunger nach sportlichen Großereignissen kennt in Katar derzeit offenbar keine Grenzen. Kaum ein Ereignis, das nicht für das kleine Emirat in Frage zu kommen scheint.

Die Meldung, dass sich Katar nun um die Asienspiele 2030 bewerben möchte, wirkt in diesem Zusammenhang fast schon klein. Doch es ist ein weiteres Zeichen, dass mit der Fußball-WM in drei Jahren längst nicht Schluss sein wird. Die Sportgroßereignisse sind ein Teil der Sicherheitspolitik des Landes.

Der Glanz des Sports als Schutz

Der Sport dient auch als Schutz gegen die Feindseligkeit, die Katar von seinen Nachbarn seit einigen Jahren entgegenschlägt. Saudi-Arabien hat gemeinsam mit Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten einen politischen Boykott Katars ausgerufen, die Länder werfen Katar die Unterstützung von Terrorismus vor. Es gibt keine diplomatischen Beziehungen mehr, keine direkten Flugverbindungen und zwischenzeitlich drohte fast ein Krieg.

Die Sportgroßereignisse halten Katar aber weltweit im Gespräch - wenn auch längst nicht immer positiv. Denn die Vergabe wird in der westlichen Welt meist von Berichten über Korruption, sklavenartige Ausbeutung von Gastarbeitern, eine allgemein schlechte Menschenrechtslage, fehlende Pressefreiheit und Unterdrückung von Homosexuellen begleitet.

Trotzdem etabliert sich Katar als Ausrichter von Großveranstaltungen - und mit dieser Rolle möchte das Land auch aus der Isolation. Der Glanz des professionellen Sports rückt Katar in eine Reihe mit anderen Gastgebern. Ein kriegerischer Angriff auf ein solches Land würde Saudi-Arabien selbst in ein negatives Licht stellen.

Bald kommt Liverpool zur Klub-WM

Zuschauer im Khalifa International Stadium in Doha © imago images / Inpho Photography

Bei der Leichtathletik-WM in Doha hält sich das Interesse der heimischen Zuschauer in Grenzen.

Und es geht weiter: Im Dezember 2019 kommt der Champions-League-Sieger FC Liverpool in Katar vorbei, um mit sechs anderen Mannschaften die Klub-WM im Fußball auszuspielen. Es wird ein Testlauf für die WM der Männer Ende 2022. Und 2023 steigt in Doha die Schwimm-WM. Auch vermeintlich kleinere Veranstaltungen haben Platz: Im März fand in Katar der Auftakt zur Motorrad-WM statt, im Oktober kommen die "World Beach Games", die von der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) ausgetragen werden.

Die Asienspiele, die es 2006 schon einmal in Doha gab, könnten 2030 nach der Fußball-WM die Fortsetzung der Strategie mit den Sportgroßereignissen sein. Rund 10.000 Sportlerinnen und Sportler wären dann zu Gast in Doha, das sind fünf Mal so viele wie bei der Leichtathletik-WM.

Olympia eine Frage der Zeit?

Und es bleibt fraglich, ob die Fußball-WM 2022 auf Dauer der Höhepunkt dieser Strategie gewesen sein wird. Katar ist eines der reichsten Länder der Erde und es gilt längst als Olympia-Bewerber in spe, zumal das IOC immer häufiger angestrengt nach brauchbaren Kandidaten suchen muss.

Für die Sommerspiele 2016 und 2020 wurde Dohas Bewerbung nicht zur Endauswahl zugelassen. 2024 und 2028 legte sich das IOC schnell auf Paris und Los Angeles fest. Doch danach könnte Katar den nächsten Versuch starten. Und sollte es an Bewerbern mangeln, reicht es dieses Mal vielleicht zur Teilnahme an der Endauswahl. Dann könnte es auf eine Terminfrage hinauslaufen: Denn das vordergründig größte Problem bei der Leichtathletik-WM - die schwüle Hitze - hat schließlich auch die FIFA bei der Fußball-WM, die in den kühleren Winter verlegt wurde, nicht aufgehalten.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 03.10.2019 | 18:50 Uhr

Stand: 03.10.19 11:10 Uhr