Mutaz Essa Barshim aus Katar © imago images / Bildbyran

05:17 min | 04.10.2019 | Das Erste

Barshim holt erstes Gold für den WM-Gastgeber

Lokalmatador Mutaz Essa Barshim hat bei der Leichtathletik-WM in Doha unter dem Jubel der Fans seinen Titel im Hochsprung verteidigt.

Hochsprung

Katar feiert Barshim - Panne bei der Siegerehrung

Hochspringer Mutaz Essa Barshim hat seinen Titel erfolgreich verteidigt und das Khalifa-Stadion erstmals richtig zum Kochen gebracht. Der Lokalmatador gewann die erhoffte Goldmedaille für die Gastgeber der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha. Zur geplanten Siegerehrung kam es am Freitagabend aber kurioserweise nicht mehr. Sie wurde am Samstag (05.10.19) nachgeholt.

Als die Goldmedaille feststand, flippte die Arena aus, feierten die Zuschauer ihren Helden frenetisch mit Sprechchören. Am achten WM-Tag in Doha war dank des Auftritts von Barshim, dessen Bewegungen von einer eigenen Stadion-Kamera ("Mutaz-Cam") verfolgt wurden und der im permanenten Dialog mit seinen Fans stand, zum ersten Mal auch die Stimmung im fast vollbesetzten Khalifa International Stadium weltmeisterlich.

Zuschauer im Khalifa Stadium feiern Barshim-Sieg. © Thomas Luerweg Foto: Thomas Luerweg

Viele katarische Familien kamen, um Barshim zu sehen.

Die WM-Macher, die wie schon am Vortag freien Eintritt gewährten, öffneten am Freitag (04.10.2019) - und damit am katarischen Wochenende - die bisher abgehängten oberen Tribünen, sogar der Emir, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, gab sich die Ehre. Viele Familien füllten die Ränge, die Katarer waren im Hochsprung-Fieber, während die afrikanischen Gastarbeiter ihre Hindernisläufer lautstark nach vorne peitschten - es war schwer was los beim Triumph des zierlichen Zöglings der benachbarten Sport-Akademie.

"Für mich ist das einfach nur ein Traum"

Der in jüngster Vergangenheit von Verletzungen gebremste Barshim war zum Saisonhöhepunkt nicht nur körperlich, sondern auch nervlich auf der Höhe: Als nur noch vier Springer im Wettbewerb waren und ihm das Ausscheiden drohte, meisterte der Weltmeister von London 2017 die 2,33 m im dritten Versuch. Danach drehte er auf: 2,35 m und 2,37 m übersprang der 28-jährige Sohn sudanesischer Einwanderer, der beim Springen zu schweben scheint, im ersten Anlauf - und setzte sich so an die Spitze des Klassements.

"Für mich ist das einfach nur ein Traum", sagte Barshim. "Es war fantastisch. Alle waren hier: meine Familie, Freunde, sogar der Emir. Sie haben mich beflügelt." Der Emir sei "sehr aufgeregt und sehr glücklich", gewesen, berichtete der Weltmeister: "Er sagte: 'Gut gemacht'. Er ist wirklich glücklich und stolz, weil ich geliefert habe, was er wollte."

Silber für Akimenko, Bronze an Iwanjuk

Die Konkurrenz - Michail Akimenko und Ilja Iwanjuk aus Russland sowie der Weltjahresbeste und Vize-Europameister Maksim Nedasekau aus Weißrussland - konnte bei der letzten Höhe nicht mehr kontern. Silber ging an Akimenko, Bronze an Iwanjuk - beide starten als neutrale Athleten und sprangen mit 2,35 m je persönliche Bestleistung.

Lautsprecheransage im Stadion offenbar defekt

Als die drei Medaillengewinner am späten Abend nach dem Ende des letzten Wettkampfs zur geplanten Siegerehrung auf der Tribüne erschienen, hatten fast alle Zuschauer das Stadion bereits verlassen. Laut Weltverband IAAF war schon eine halbe Stunde zuvor - vor dem Start des 400-m-Finals - die Lautsprecheranlage im Khalifa International Stadium defekt, sodass keine An- und Durchsagen mehr gemacht werden konnten. Wussten die Zuschauer deshalb nicht, dass die Siegerehrung noch auf dem Programm stand?

Auf jeden Fall wurde die Zeremonie abgebrochen, unmittelbar bevor die drei Hochspringer ihre Podeste betreten sollten. Sie wurde am Samstagabend nachgeholt, mit Zuschauern im Stadion, die Barshim lautstark feierten und der Goldemdaillenvergabe doch noch einen würdigen Rahmen verliehen.

Nur einer war je besser als Barshim

Barshim ist mit einer Bestleistung von 2,43 m der zweitbeste Hochspringer der Geschichte: Nur der Kubaner Javier Sotomayor sprang im Sommer 1993 im spanischen Salamanca zwei Zentimeter höher. Mit Sotomayor teilt sich der Katarer nun die Ehre, Gold bei zwei Weltmeisterschaften gewonnen zu haben. Dem Kubaner gelang das 1993 und 1997. Nach Bronze in London und Silber in Rio träumt der 28-Jährige nun vom Olympia-Gold in Tokio nächstes Jahr. Aber zuerst wolle er jetzt "fett" werden, so "viel wie möglich essen und Urlaub machen".

Der einzige deutsche WM-Teilnehmer in Doha im Hochsprung, Europameister Mateusz Przybylko aus Leverkusen, hatte in der Qualifikation das Finale verpasst.

Ergebnisse

Leichtathletik, Hochsprung, Männer, Finale

Gold Flagge Katar QAT Mutaz Essa Barshim
Silber Flagge Neutrales Team ANA Michail Akimenko
Bronze Flagge Neutrales Team ANA Ilja Iwanyuk
4. Flagge Weißrussland BLR Maxim Nedasekau
5. Flagge Kuba CUB Luis Enrique Zayas

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 05.10.2019 | 17:00 Uhr

Stand: 05.10.19 19:52 Uhr