Tobias Lange © picture alliance Foto: Gladys Chai von der Laage

4x400 m Mixed

Mixed-Staffeln feiern in Doha WM-Premiere

Mixed-Wettbewerbe sind alles andere als eine Seltenheit und bei Sportarten wie Tennis und Biathlon schon längst etabliert. In der Leichtathletik gibt nun die 4x400-m-Mixed-Staffel ihr WM-Debüt.

Bereits am zweiten Wettkampftag (28.09.2019) greifen die Mixed-Staffeln erstmals auf der großen WM-Bühne ins Geschehen ein, nachdem der Wettkampf bei den U18-Weltmeisterschaften 2015 in Cali (Kolumbien) als Pilot ins Programm genommen worden war. Einen Tag später (21.35 Uhr im Livestream bei Sportschau.de/doha) geht es nicht nur um Gold, Silber und Bronze, sondern auch um das Ticket für Tokio: Wer unter den besten Acht landet, qualifiziert sich direkt für die Olympia-Premiere im kommenden Jahr - es ist das erklärte Ziel des deutschen Quartetts. Und keine leichte Aufgabe, zudem es für alle sechs deutschen Läufer die erste WM-Teilnahme ist.

Wechsel eine besondere Herausforderung

Frauen im direkten Duell mit Männern: Bei den World Relays im japanischen Yokohama im Mai war der Mixed-Wettkampf über die Stadionrunde zum ersten Mal in den Fokus gerückt, Deutschland hatte sich mit Platz sieben für Doha qualifiziert. Der Wechsel des Staffelstabs bedeute eine besondere Herausforderung, berichtete Tobias Lange, der auch bei der Wüsten-WM zum deutschen Aufgebot zählt. "Die ersten Wechsel Mann auf Frau waren sehr problematisch, weil da zwei Renngeschwindigkeiten aufeinandergetroffen sind", sagte der 26-Jährige dem "Leichtathletik"-Magazin: "Der Wechsel Mann auf Frau war mit Abstand am schwierigsten, weil die Frauen nicht so einschätzen konnten, mit welchen Geschwindigkeiten die Männer beim Wechsel ankommen und wie schnell sie loslaufen müssen." Deutsche Top-Sprinter benötigen für die 400 m rund 46, Frauen etwa 52 Sekunden.

Reihenfolge frei wählbar

Die Reihenfolge ist für die Nationen frei wählbar, vieles spricht jedoch dafür, dass sich am Ende die Aufstellung "Mann-Frau-Frau-Mann" durchsetzen wird. Auch die deutsche Staffel wird in Doha diese Variante wählen. "Der schnellere Jäger hat es in der Schlussrunde einfacher als die Gejagte mit Vorsprung", so Lange. Zu sehen war dies im Vorlauf der World Relays: Die italienische Schlussläuferin schien für ihre Verfolger uneinholbar weit weg zu sein. Doch dann schmolz der Vorsprung zusehends, bis der US-amerikanische und der polnische Athlet sie kurz vor dem Ziel noch überholten. Für die Zuschauer bedeuten die unterschiedlichen Renngeschwindigkeiten und die daraus resultierenden Besonderheiten der Mixed-Staffeln so oder so ein Spektakel.

"Es ist die einzige Disziplin, in der Mann und Frau zusammen ein und dasselbe Ziel verfolgen. Man lernt eine ganz andere Art des Wir-Gefühls und des Teamspirits kennen." Luna Bulmahn

Künftiger Stellenwert hängt auch vom DLV ab

Auch wenn die Mixed-Staffeln im kommenden Jahr auf der großen olympischen Bühne stattfinden, stecken sie noch in den Kinderschuhen. Auf regionaler Ebene fehlen entsprechende Rennen. Der künftige Stellenwert des Staffel-Formats in Deutschland hänge auch von den Rahmenbedingungen im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) ab, sagte Langes Trainer Tobias Kofferschläger: "Im Raum steht eine deutsche Staffelmeisterschaft." Für Vereine könnte es sogar leichter sein, gemischte Teams aufzustellen als reine Männer- oder Frauenstaffeln, wo jeweils vier Athleten nötig sind.

Bundestrainer Edgar Eisenkolb ist überzeugt, dass die Mixed-Staffeln zukunftsfähig sind: "Die Leichtathletik ist in Bewegung geraten, es gibt Veränderungen, neue Wettbewerbe kommen dazu. Ich bin fest davon überzeugt, dass die 4x400-m-Mixed-Staffel sich in unserem Sport auf lange Sicht etablieren wird."

Allyson Felix für die USA nominiert

Problematisch ist für viele Teams eine mögliche Doppel- oder Dreifachbelastung ihrer Atheten, weil im Anschluss an die Mixed-Staffel noch Einzelstarts und die klassischen Staffeln anstehen. Die deutschen Langsprinter haben diese Sorge nicht: Sie können sich ganz auf ihren Einsatz in der Mixed-Staffel konzentrieren. Großer Favorit sind die USA, bei denen Rekord-Weltmeisterin Allyson Felix bei ihrer neunten Teilnahme an einer Leichtathletik-WM auf Starts in der Frauen- sowie in der Mixed-Staffel über 400 m hoffen darf.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 26.09.19 09:25 Uhr