11:43 min | 05.10.2019 | Das Erste

Konstanze Klosterhalfens Weg in die Weltspitze

Konstanze Klosterhalfen will vor allem eins: erfolgreich laufen. Dafür zog sie sogar in die USA. In diesem Jahr hat sie sich in der Weltelite etabliert.

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Klosterhalfen-Coach Julian: "Koko ist großartig"

Ausnahmeläuferin Konstanze Klosterhalfen trainiert seit April 2019 beim Nike Oregon Project unter Pete Julian. Vor der WM in Doha sprach der Coach im ARD-Interview über Ehrgeiz, Dopingvorwürfe und die Zukunft.

Pete Julian ist seit 2008 einer der Trainer bei der umstrittenen Leichtathletikgruppe Nike Oregon Project (NOP). In diese Position war er auch durch seine Verbindung zu Alberto Salazar gelangt, wie er 2013 in einem Interview erklärte. Salazar ist vor wenigen Tagen von der Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) nach jahrelangen Untersuchungen wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt worden. Es geht dabei um die mögliche Verwendung von synthetischem Testosteron. Sowohl das Nike Oregon Project als auch Salazar bestreiten die Vorwürfe.

Das deutsche Lauftalent Konstanze Klosterhalfen wechselte im November 2018 von Bayer 04 Leverkusen zum NOP, dem sie seit April fest angehört. Doping-Vorwürfe gegen ihren Trainer Julian oder gegen Klosterhalfen gibt es keine. Vor der WM und vor dem Bekanntwerden der Sperre Salazars führte ARD-Reporter Ralf Scholt ein Interview mit Julian. Der Coach über ...

... Dopingvorwürfe gegen das Nike Oregon Project:

"Die erfolgreichsten Teams haben immer Kritiker. Wenn Du gewinnst, werden dich immer Leute kritisieren. Oder Zweifel haben. Es gibt Menschen, die betrügen - in allen Sportarten. Bei außergewöhnlichen Leistungen frage auch ich mich: 'Geht das mit rechten Dingen zu?' Ich kann nur meine Athleten kontrollieren und 'Koko' (Klosterhalfen, d. Red.) kann nur sich kontrollieren. Wir wissen, dass wir alles korrekt machen. Koko kann keine Wassermelone kaufen, ohne dass wir wissen, dass damit alles in Ordnung ist. Also kann sie dieses Bewusstsein und dieses Vertrauen mit ins Stadion nehmen.

18:58 min | 05.10.2019 | Das Erste

Pete Julian: "Müssen sie bremsen, weil sie alles will"

Pete Julian trainiert Konstanze Klosterhalfen beim Nike Oregon Project. ARD-Reporter Ralf Scholt hat den Coach vor der WM in Doha getroffen. Das Interview in voller Länge auf Englisch.

Wer Zweifel hat, kann vorbeikommen, ich zeige alles. In Regen und Kälte ist sie gelaufen, bis sie in Tränen ausbrach. Sie ist immer wieder aufgestanden. Wenn die Menschen das gesehen hätten, würden sie es verstehen. Wenn Koko für Deutschland oder das Nike Oregon Project startet, können Deutschland und Europa hinter ihr stehen - denn sie ist großartig."

... Klosterhalfens Renntaktik:

"Es geht nicht nur um das Körperliche. Es geht auch darum, ein Rennen schlau zu bestreiten. Als sie noch jünger war, ist Koko einfach nach vorne gelaufen. Aber auf Weltniveau kannst Du so nicht laufen. Wir haben ihr das in kleinen Schritten bei kleinen Rennen gezeigt. Trotzdem gebe ihr vor jedem Rennen einen klaren Plan. Ich möchte keine Roboter als Athleten haben, sie sollen ihre Entscheidungen schnell treffen können, weil sich Dinge im Rennen ändern können. Koko weiß jetzt, an welcher Stelle sie sein muss, um Erfolg zu haben. Und dann musst du dir keine Sorgen um das Tempo oder die Position machen - so einfach ist das."

... die sportliche Entwicklung:

"Ich habe ihr vorhergesagt, dass sie bereit sei, die 5.000 m unter 14:30 Minuten zu laufen und die 3.000 m unter 8:30 Minuten. Jedes mal sagte sie Nein, jedes Mal schaffte sie es. Ich habe ihr erklärt: 'Ich will Dir kein gutes Gefühl geben - ich sage Dir, was ich sehe.' Sie fängt jetzt erst an zu verstehen, zu was sie in der Lage ist. Sie steht jetzt am Start neben Genzebe Dibaba oder Sifan Hassan und es geht nicht mehr darum: Wie nah komme ich heran? Sondern: Wie kann ich sie schlagen?"

... Klosterhalfens Ehrgeiz:

"Wir müsssen sie bremsen, weil sie alles will. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, ihr zu sagen, dass sie sich erholen muss. Natürlich versuchen wir alles, um in Doha eine Medaille zu holen. Aber sie hat noch viele Jahre vor sich - kein Stress, keine Sorge. Wenn sie es richtig macht und ihren Körper pflegt, kann sie noch nach Olympia 2028 laufen. Lasst uns alles ein bisschen langsamer angehen."

... die Medaillenchancen in Doha:

"Ob sie in Doha eine Medaille holt oder nicht - sie wird schlauer nach Tokio (zu den Olympischen Spielen 2020, d. Red.) reisen, so dass sie dort eine Medaille holen kann. Und wenn sie dort eine Medaille gewinnt, kann sie in Paris 2024 vielleicht Gold holen. Sie ist 22, fast noch ein Kind. Wir sollten ihr Zeit geben. Wenn ich sie um eine Medaille kämpfen sehe, ist es ein guter Tag für mich. Was rauskommt? Mir egal. Wenn sie Fünfte wird, aber ihr bestes Rennen läuft, bin ich froh."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 05.10.2019 | 17:00 Uhr

Stand: 05.10.19 17:50 Uhr