04:21 min | 04.10.2019 | Das Erste

Schwanitz: "Die Bronzemedaille war schwer erarbeitet"

Kugelstoßerin Christina Schwanitz ist happy über WM-Bronze in Doha: "Das ist ein kleines Gold für mich", sagte sie im Gespräch mit ARD-WM-Experte Frank Busemann während einer Taxifahrt durch Doha.

Kugelstoßen

Schwanitz: "Ich finde es toll, ein Vorbild zu sein"

von Bettina Lenner aus Doha

Seit Jahren ist sie das deutsche Gesicht des Kugelstoßens: Christina Schwanitz. Bei der Leichtathletik-WM in Doha sicherte sich die fast 34-Jährige ihr zehntes Edelmetall bei einer großen internationalen Meisterschaft. Ein Ende ihrer erfolgreichen Karriere ist nicht in Sicht. Auch, weil die Zwillingsmutter ein Vorbild sein will.

Christina Schwanitz muss kurz überlegen. Auf Anhieb weiß sie selbst nicht genau, an wievielen Weltmeisterschaften sie teilgenommen hat. 2005 das Debüt in Helsinki, vor zwei Jahren die Babypause, nun Doha. Macht sieben, eine ganze Menge also, und auch die Erfolge sprechen für sich. 2013 wurde sie Vize-Weltmeisterin, zwei Jahre später Weltmeisterin, außerdem 2014 und 2016 Europameisterin und im vergangenen Jahr bei der Heim-EM in Berlin Zweite.

"Glücklich, stolz und zufrieden"

In Doha sicherte sie sich mit Bronze ihr zehntes Edelmetall bei einem internationalen Großereignis. Ein Erfolg, der sie emotional berührt wie kein anderer. "Ich bin stolz auf jede meiner Medaillen. Aber es ist für mich ein kleines Gold. Weil das die Medaille ist, die ich mir am Schwersten erarbeitet habe", sagt sie sportschau.de. Nach Verletzungsproblemen und der Geburt ihrer Zwillinge vor zwei Jahren hatte so mach einer Zweifel, ob die 33-Jährige wieder Anschluss an die Weltspitze finden könnte. Dass es gelang, macht sie "glücklich, stolz, zufrieden, in mir ruhend - alles zugleich. Dieses Jahr war so schwer, mit Kindern, mit Studium, mit Leistungssport, ich bin auch keine 18 mehr."

Tokio fest eingeplant

Familie, Leistungssport, dazu seit diesem Jahr ein Studentin für Sozialpädagogik. "Das war ein bisschen viel. Ich muss auch Zeit für mich haben, um geistig zu regenerieren", schildert die Sächsin. "Das nächste Jahr wird viel einfacher für mich, weil die Zwillinge dann länger im Kindergarten sind. Da kann ich noch härter trainieren."

Die Sommerspiele in Tokio sind fest eingeplant, eine olympische Medaille fehlt noch in Schwanitz' imposanter Erfolgsbilanz. Die Dresdnerin macht sich keinen Druck, auch nicht bei der Entscheidung, wie lange sie ihre Karriere noch fortsetzen will. "Es macht mir noch Spaß. Ich trainiere immer noch gern und es reizt mich immer noch zu wissen, wo ich Grenzen verschieben kann." Gut möglich also, dass eine achte WM folgt.

"Ich will vorangehen"

Christina Schwanitz (l.) im Sportschau-Interview. © Thomas Luerweg Foto: Thomas Luerweg

Christina Schwanitz (l.) im Sportschau-Interview.

Medaillen sind dabei mittlerweile mehr Bestätigung denn Antrieb: "Ich will vorangehen und anderen Frauen zeigen, dass man auch mit Kindern in der Weltspitze arbeiten kann. Das ist für mich ein ziemlich starkes Ziel geworden, weil ich diese Vorbildfunktion toll finde. Und man kann nur Vorbild sein, wenn man etwas dafür tut", betont die WM-Dritte, ohne die das Kugelstoßen ohnehin nur schwer vorstellbar scheint: "Ich denke, solange das läuft und meine Kinder sich nicht beklagen, dass ich schon wieder weg bin, mache ich auch Sport."

WM-Vergabe: "Es ging nur um die Kohle"

Trotz ihres emotionalsten Karriereerfolgs erneuerte die siebenmalige deutsche Meisterin ihre Kritik an der WM-Vergabe nach Katar. "Dabei ging es nicht pro Athleten oder pro die Zuschauer oder pro ein Land, sondern einfach nur um die Kohle. Und hier werden Athleten dafür verheizt, denn sie sind austauschbar. Der beste Weg wäre, wenn die Korruption aufhören würde. Und wenn man versuchen würde, fair miteinander umzugehen, wie wir im Sport."

Hintergrund

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Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 05.10.19 14:45 Uhr