04:04 min | Das Erste

4x400 m Mixed-Staffel: Felix holt zwölftes WM-Gold

Bei der Weltmeisterschafts-Premiere über 4x400 m in der Mixed-Staffel gab es in Doha noch einmal eine Sternstunde für Allyson Felix: Die Amerikanerin gewann ihr insgesamt zwölftes WM-Gold.

Busemanns WM-Kolumne

Kolumne: Auf in die Leichtathletik-Zukunft

Endlich! Bei der WM in Doha gab's zum ersten Mal einen gemeinsamen Staffelwettbewerb für Männlein und Weiblein. Frank Busemann findet's super. Denn Neuerungen können der Leichtathletik gut tun.

Stiiimmuuuunng! Endlich! Dazu bedarf es eines wilden Mixes der Geschlechter. Und sofort zwei Weltrekorde. Geht doch. Die Wüste lebt. Okay, sportlich ist das nur bedingt aussagekräftig, da bisher noch nie eine Topstaffel volle Pulle gelaufen ist. Und wenn wir ehrlich sind, rennen bei den großen Nationen meist die Athleten der zweiten Reihe.

Traditionalisten kräuseln sich die Nackenhaare. Da laufen Frauen mit Männern zusammen. Und es ist kein Marathon. Das, was in anderen Sportarten schon lange Einzug gehalten hat, ist nun endlich bei den Leichtathleten angekommen. Ein und dieselbe Disziplin für das ein und das andere Geschlecht. Gemeinschaftlich. Die 4x400-Meter-Mixedstaffel - seit diesem Jahr weltmeisterlich. Was im ersten Moment wie ein Versuch klingt, hat Potenzial.

Mann - Frau - Frau - Mann?

Wer läuft wann, in welcher Besetzung? Die Geschwindigkeitsunterschiede sind enorm. Realistisch und taktisch kann es nur eine Antwort geben: Der Mann bringt die Staffel nach vorne, die erste Frau kommt ins Spiel, auf drei läuft Frau Nummer zwei und übergibt für den Endspurt an den letzten Mann. Soweit die Theorie. Die Japaner haben es im deutschen Vorlauf anders gemacht. In der Startliste konnte der europäische Laie anhand der Namen nicht sofort feststellen, welches Geschlecht denn nun auf welcher Position läuft. Bei nachlässigem Hinschauen ließ sich auch visuell anhand der Frisuren nicht abschätzen, wie sehr die Haare gleich flattern werden.

Wie Superman auf Speed

Als Frau mit Vorsprung mussten sie aufpassen, dass sie von der wilden Männerhorde nicht überrannt werden. Der japanische Mann sah gegen die restlichen Frauen wie Superman auf Speed aus. Im Finale hatten die Polen den Mut, erst die Männer laufen zu lassen. Der Unterhaltungsfaktor hatte was noch nicht Dagewesenes. Und am Ende zählt nur das Ergebnis. Das hat was. Auf den Rängen feuerten die Mannschaftskollegen lauter an, als bei den 100 Metern der Männer. Stimmung pur.

Offen sein für Neues - aber sinnvoll muss es sein

Diese revolutionäre Neuerung soll weitergesponnen werden, ohne die DNA der Leichtathletik zu sabotieren. Eine Mannschaftswertung im Marathon mit dem bloßen Zusammenzählen der Platzierungen ist nur bedingt zielführend. Die Präsentation der Sprintfinalisten gab einen ersten Vorgeschmack auf das, was möglich ist. Hollywood lässt grüßen. Auf den Rängen aber eher Vereinsversammlung des K.O. Hintertupfingen.

Kameras in den Startblöcken stören die Damen, nutzen sich aber schneller ab, als die Meisterschaften dauern. Qualität mit überzogenen Normen erzeugen zu wollen, scheint auch kontraproduktiv, da Startfelder hier aufgefüllt werden mussten.

An Stellschrauben muss gedreht werden

Auf Meeting-Ebene gibt es schon Versuche, die technischen Disziplinen auf vier Versuche zu beschränken. Es wird teilweise mit Ausscheidungsduellen Spannung geschürt. Disko-Feeling inklusive. Der Wunsch, mit der Zeit zu gehen, entzweit die Gemüter. Die einen sind dagegen, die anderen dafür. Wie so oft.

Doch was ist der richtige Weg? Fußballspielen? Geht auch nicht, Usain Bolt hat es probiert. Das Leichtathletik-Rad lässt sich nicht neu erfinden. Aber an Stellschrauben können wir drehen. Müssen wir drehen. Dürfen wir drehen. Als nächstes wäre ich für die Gundersen-Methode im Zehnkampf. Aber auf mich hört ja sowieso keiner ...

04:55 min | 30.09.2019 | Das Erste

Staffelläuferin Bulmahn: "Doha war eine super Erfahrung"

Erst 19 Jahre alt und schon bei einer WM dabei: Luna Bulmahn ist als Jüngste im DLV-Team für die deutsche Mixed-Staffel gelaufen. Frank Busemann hat sie in Doha für das Morgenmagazin getroffen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 29.09.2019 | 18:50 Uhr

Stand: 29.09.19 22:27 Uhr

Das ist Frank Busemann

Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 Punkte)
WM-Bronze 1997 (8.652 Punkte)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54 Sek.)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47 Sek.)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
(Morgenmagazin, Das Erste, sportschau.de)