Konstanze Klosterhalfen (2.v.l.) © imago images / Beautiful Sports

Busemanns WM-Orakel

Busemanns WM-Orakel: Hier kommt "Koko", der weiße Blitz

Zwei neue alte Sterne am deutschen Ausdauerfirmament, eine Doppelstarterin, die alles re(h)nnen kann und ein Geher, der liefert: Davon weiß Frank Busemann in seinem Lauf-Orakel für die Leichtathletik-WM in Doha zu berichten.

Der Block Lauf hat es aufgrund übermächtiger Konkurrenz aus Afrika schwer, dennoch haben es im Ausdauerbereich insgesamt 20 deutsche Athletinnen und Athleten geschafft. Allen voran zwei neue alte Sterne am Ausdauerfirmament, die momentan alles überstrahlen. Die eine eilt von Rekord zu Rekord und die andere auch. Konstanze Klosterhalfens Entwicklung zeigt seit Jahren steil nach oben. Sie ist nicht nur konkurrenzfähig, sondern einige der wenigen Nicht-afrikanischen Läuferinnen, die ganz oben mitmischt.

Klosterhalfen: mutig und schnell, mehr geht nicht

Für die WM hat sie die Qual der Wahl, ob sie nun über die 1.500 m oder die 5.000 m antritt. So ergeht es nicht nur ihr, sondern beispielsweise auch Sifan Hassan. Letztlich scheinen die Aussichten auf den 5.000 m besser. In der Vergangenheit war sie meist ein klein wenig ungeduldig und setzte Akzente manchmal ungestüm. Aber sie ist gereift, sie ist mutig, sie hat Lust und sie ist schnell. Mehr geht nicht. Alles, was im Kreis läuft, muss sich in Acht nehmen, hier kommt "Koko", der weiße Blitz.

Nichts ist unmöglich für Gesa Krause

Der andere extrem helle Stern am deutschen Läuferhimmel ist die Weltrekordlerin über 2.000 m Hindernis, Gesa Felicitas Krause. Immer, wenn es um die ganz großen Dinger geht, ist sie zur Stelle. Kaum jemand kann sich so auf den Punkt konzentrieren, alles andere dem großen Ziel unterordnen und liefern. Der deutsche Rekord über die 3.000 m Hindernis hat wieder gezeigt, dass die Konkurrenz Gesa immer im Blick haben muss. Mit ausgefeilter Technik spart sie an jedem Hindernis doppelt Kraft und damit wertvolle Körner. In der Meldeliste liegt sie nur ein paar Sekündchen hinter dem Bronzeplatz. Nichts ist unmöglich.

Über 800 m haben es die beiden Münchnerinnen Christina Hering und Katharina Trostgeschafft. Für die beiden geht es darum, den Vorlauf gut und taktisch vernünftig zu gestalten und das Beste aus sich herauszuholen. Caster Semenya wird aufgrund der Querelen um die Senkung ihres Testosteron-Spiegels nicht antreten und vertreibt sich währenddessen die Zeit beim Fußball.

Ob 5, ob 10, Alina kann alles re(h)nn

Mit Hanna Klein hat eine weitere Athletin aus dem deutschen Team zwei Nominierungen in der Tasche. Über 1.500 m und 5.000 m hat sie aber das gleiche Problem wie zahlreiche andere Ausdauerläuferinnen. Caterina Granz hingegen kann sich vollends auf die 1.500 m stürzen und mit voller Kraft die erste Runde angehen. Nicht minder talentiert ist die nächste Doppelnormerfüllerin: Alina Reh. Ob 5, ob 10, Alina kann alles re(h)nn. Über die 10.000 m ist sie stärker und kann in die Top-Ten einlaufen. Allerdings wird der 25 Rundenritt bei über 30 Grad in der abendlichen Wüste von Katar kein leichtes Läufchen.

Milchsäure, die aus den Ohren kommt, ist auch nicht lecker

Frank Busemann blickt in eine Glaskugel (Montage) © picture alliance, fotolia.com Foto: Sascha Baumann, Klaus Eppele

Frank Busemann blickt in seinem Orakel auf die WM in Doha voraus.

Bei den Männern stürzen sich Richard Ringer und Sam Parsons über 5.000 m in den heißen Kampf um die besten Plätze. Allerdings wird es im Klima von Doha und dem normalen Positionsgeschacher um die beste Ausgangsposition im Turniermodus mit guten Zeiten schwer. Für die beiden geht es darum, sich teuer zu verkaufen.

Etwas angenehmer sollten es da die Zwei-Runden-Läufer mit Marc Reuther haben, der sich in diesem Jahr mit einer kleinen 1:45 angeboten hat. Angenehm? Okay, er muss nicht 13 Minuten in der Brutkiste Dohas laufen, aber Milchsäure, die aus den Ohren kommt, ist auch nicht lecker. Vielleicht bekommt er einen guten Vorlauf und kann seine Stärken ausspielen.

Deutschlands Dauer(b)renner Tesfaye fehlt

Über die 1.500 m fehlt in diesem Jahr Deutschlands Dauer(b)renner Homiyu Tesfaye, der würdig von Amos Bartelsmeyer vertreten werden soll. Barteslmeyer verbessert sich seit Jahren kontinuierlich und will zeigen, dass er auch außerhalb der USA gute Zeiten auf Lager hat. Die 3.000 m Hindernis der Männer sind gleich doppelt besetzt. Karl Bebendorf und Martin Grau werden sich aus hektischem Getümmel rund um den (Erfrischung bringenden) Wassergraben heraushalten und ihr Ding durchziehen müssen.

Linke liefert

Das Gehen hingegen ist aus deutscher Sicht personell bestens bestückt. Mit Christopher Linke ist zudem ein Mann am Start, der seit Jahren immer gute Resultate schafft und auch bei den großen Meisterschaften liefert. Die neue japanische Gehergeneration steht in der Breite vor einer goldigen Zukunft und auch für unsere Geher um Linke, Nils Brembach und Hagen Pohle tun sich Möglichkeiten auf, weiter nach vorn zu kommen, da immer noch ein paar russische Geher von der Anti-Doping-Behörde nicht zugelassen sind.

Interessant und bisher so noch nicht dagewesen ist die Tatsache, dass der Start in Doha um 23:30 Uhr erfolgt und der Zieleinlauf dementsprechend am nächsten Tag ist.

Nachtschicht für die Geher

Gleichermaßen nachts müssen die 50-km-Jungs ans Werk. Carl Dohmann, der im vergangenen Jahr bei der EM hervorragender Fünfter war, Jonathan Hilbert und Nathaniel Seiler müssen sich überaus starker Konkurrenz erwehren und unbeschadet das Ziel erreichen. Für die junge Saskia Feige geht es die letzten drei Jahre immer schneller, allerdings wird sie in der Konkurrenz von Katar den Fokus auf sich selbst legen müssen und sich in der Hektik des Gefechts nicht zu unsauberen Gangart hinreißen lassen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 24.09.19 09:00 Uhr

Das ist Frank Busemann

Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 Punkte)
WM-Bronze 1997 (8.652 Punkte)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54 Sek.)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47 Sek.)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
(Morgenmagazin, Das Erste, sportschau.de)