02:13 min | 06.10.2019 | Das Erste | Autor/in: Sven Kaulbars

WM-Bilanz: Viel Jubel in, aber auch Kritik an Doha

Die 17. Leichtathletik-Weltmeisterschaften sind vorbei. Was bleibt? Viel deutscher Jubel in, aber auch unüberhörbare Kritik an Doha. Sven Kaulbars zieht Bilanz.

Bilanz

DLV-Athleten überzeugen bei WM der Extreme

von Bettina Lenner aus Doha

Triste Kulisse zu Beginn

Wer folgt auf Lichtgestalt Usain Bolt? Der freie Posten blieb unbesetzt - wie auch in den ersten Tagen etliche Plätze im Khalifa International Stadium. Nur gut 11.000 Zuschauer nach offiziellen Angaben am zweiten Wettkampftag - eine triste Kulisse beim 100-m-Finale der Männer, das US-Sprinter Christian Coleman gewann, der trotz verpasster Dopingtests teilnehmen durfte - anders als das russische Team, das weiter gesperrt bleibt.

Immerhin: Die Veranstalter lernten schnell und halfen nach, verteilten Freikarten und lotsten Bauarbeiter und Militär in die Arena. Mit Erfolg: Die Stimmung stieg und wurde einmal sogar weltmeisterlich, als Mutaz Essa Barshim in der vollbesetzten Arena für die Gastgeber zum Hochsprung-Gold schwebte und damit sogar den Emir glücklich machte.

Extreme Bedingungen außerhalb des Stadions

Perfekt organisiert und von Tausenden Helfern vorbildlich betreut, gab es dennoch viel Kritik an der ersten Leichtathletik-WM in einem arabischen Land, die von Korruptionsvorwürfen überschattet wurde. Während die Bedingungen für die Sportler im allerdings aufwändig klimatisierten Khalifa-Stadion hervorragend waren, trieb die schwüle Hitze die Marathonläufer und Geher bei den Nacht-Entscheidungen in der City an und oft auch über die Grenzen. "Man muss sich darauf einstellen, man kann sich darauf einstellen. Ich habe mich hier draußen jeden Tag besser gefühlt", sagte Christopher Linke, der über 20 km Gehen hervorragender Vierter wurde. Die Ausfallquote von 41 Prozent beim Frauen-Marathon ist dennoch ein trauriger WM-Rekord.

02:36 min | 05.10.2019 | Das Erste

Doha und die Hitze: "Eis ist die einzige Überlebenschance"

Die Hitze hat den Athletinnen und Athleten zugesetzt, die bei den Ausdauerwettbewerben bei der Leichtathletik-WM in Doha teilgenommen haben. Mediziner warnen auch mit Blick auf Tokio 2020.

Coe lobt die Wüsten-WM

Weltverbands-Präsident Sebastian Coe ließ trotz allem nichts auf die WM kommen, die noch sein skandalumwitterter Vorgänger Lamine Diack in die Wüste geschickt hatte. "Wir sehen hier, dass Katar ein tolles Land für die Leichtathletik ist", sagte der Brite im Ersten. "Es ist wichtig, dass wir die Leichtathletik beliebter und bekannter machen. Und zwar weltweit." Tatsächlich sprechen rund 2.000 Athleten aus mehr als 200 Ländern und Medaillengewinner aus 43 Nationen eine deutliche Sprache. In Katar hat die Leichtathletik allerdings keine Tradition und es im Gegensatz zum Fußball schwer. "Wir bringen diese Sportart überall da hin, wo sie gut ankommen kann", sagte Coe dennoch. Dass das nicht mehr nur über ihren Kopf geschieht, wünschen sich viele Athleten.

Startblockkameras stoßen auf wenig Gegenliebe

Auch die zahlreichen Innovationen, die in Doha ihre Premiere feierten und der Leichtathletik neuen Schwung verleihen sollen, stießen bei den Sportlern nicht nur auf Gegenliebe. Wie zum Beispiel die Startblockkameras, über die sich auch einige deutsche Läuferinnen heftig beschwerten. "In den knappen Sachen über diese Kamera zu steigen, um in den Block zu gehen, finde ich sehr unangenehm", sagte DLV-Sprinterin Gina Lückenkemper. "Ob eine Frau an dieser Entwicklung beteiligt war mit diesen Kameras? Das wage ich zu bezweifeln." Nach erfolgreichem Protest wurden die Kameras erst kurz vor dem Start eingeschaltet, um Aufnahmen von unten beim Einsteigen in den Block zu vermeiden.

Spektakulär, aber für die Athleten zu lang, war die Lasershow vor den Starts der Sprinter, die gefühlt in den Hintergrund gerieten. Wie auch bei den Siegerehrungen im oberen Winkel der Stadionkurve. Als Stimmungsgarant entpuppten sich die Mixed-Staffeln über 4x400 m. Die USA siegten in Weltrekordzeit bei der WM-Premiere der jungen Disziplin, die im kommenden Jahr auch bei Olympia debütiert.

Noch zehn Monate bis Tokio

Zehn Monate haben die Athleten nun nach einer außergewöhnlich langen Saison Zeit, sich auf Tokio vorzubereiten. Dort werden die Bedingungen ähnlich, vielleicht sogar extremer sein - auch für die Athleten, deren Wettkämpfe im Stadion stattfinden, das in Japan nicht gekühlt ist. Das Thema "Hitzemanagement", das in Doha zum Dauerbrenner wurde, steht bei Betreuern und Medizinern ganz oben auf der Agenda.

Die etablierten Spitzenathleten, die in Katar fehlten, werden im kommenden Jahr zurückkehren, die Hoffnungsträger für die Zukunft haben ihre Generalprobe mit Bravour bestanden und werden erst bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris oder 2028 in Los Angeles auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sein. Den deutschen Leichtathleten muss trotz gestiegener Leistungsdichte vor der Zukunft nicht bange sein.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 06.10.19 22:43 Uhr