Katharina Bauer

Katharina Bauer - Die erste Stabhochspringerin mit Defibrillator

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Stabhochsprung
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 12.06.1990
in Wiesbaden
Größe: 180 cm
Verein: TSV Bayer 04 Leverkusen
Trainer: Leszek Klima
Beruf: Marketing und Speakerin

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
4,65 m (2015)
4,60 m (2015/Halle)
Größte Erfolge
Hallen-EM:
14. Platz 2019

Deutsche Meisterschaften:
4. Platz 2015

Deutsche Hallen-Meisterschaften:
Silber 2019, Gold 2018, Silber 2015


Dass Stabhochspringerin Katharina Bauer in Doha startet, ist ein kleines Wunder. Nach einer Herzoperation im April 2018 schien die Karriere der Leverkusenerin beendet. Eineinhalb Jahre später ist sie zum ersten Mal bei einer WM dabei, mit einem implantierten Defibrillator.

"Katharina Bauer: Die erste Stabhochspringerin mit Defibrillator". Die Leverkusenerin fällt auf ihrer Homepage gleich mit der Tür ins Haus. Warum auch nicht, schließlich ist Bauers Geschichte eine einmalige. Am 17. April 2018 unterzog sich die Leichtathletin einer für sie lebensverändernden Operation. "Mir wurde ein subkutaner Defibrillator implantiert, der mich vor einem plötzlichen Herztod schützt", berichtete die Bauer bei Facebook. "Da ich seit meiner Kindheit an Extraherzschlägen leide und diese über die Jahre zunehmend gefährlicher geworden sind, war dies die einzige Option."

"Die erste Stabhochspringerin mit 'Defi' bei Olympia"

Ihr kleiner Lebensretter unter der Haut, der so groß wie eine Hand-Innenfläche ist, würde bei gefährlich anhaltenden Extraherzschlägen eingreifen. "Es führt eine Elektrode unter der Brust bis zum Brustbein entlang, die aber nicht mit dem Herzen verbunden ist. Das ermöglicht es mir, weiter Spitzensport auszuüben", erklärte Bauer. Ihre Ärzte waren aufgrund mangelnder Erfahrungswerte anderer Meinung. "Die haben gesagt: 'Wir wissen es nicht, wie es weitergeht. Aber eigentlich kannst du mit so einem Teil keinen Leistungssport machen'", berichtete die Team-Europameisterin von 2014. "Aber von sowas habe ich mich noch nie unterkriegen lassen, irgendjemand muss es ja mal machen." Zwei Monate vor der OP hatte Bauer bei den deutschen Hallenmeisterschaften mit 4,51 m ihren ersten "großen" Titel errungen.

Die gebürtige Wiesbadenerin legte die Latte für Comeback so hoch wie möglich: "Mein Ziel ist Olympia 2020. Wenn es jemand schafft, dann ich. Ich wäre dann die erste Stabhochspringerin mit 'Defi' bei Olympia."

Schwere Handverletzung vor Rio

Den Kampfgeist, nach Rückschlägen immer wieder zurückzukommen, hatte die frühere Kunstturnerin schon vor jenem 17. April bewiesen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele 2016 in Rio zog sich Bauer eine schwere Handverletzung zu, mehrere Operationen und weitere Rückschläge folgten. "Ich war verletzt, habe mich zurückgekämpft, dann kam die nächste OP. Also habe ich mich wieder zurückgekämpft, dann kam wieder eine OP."

Sechs Wochen nach OP über 4,20 m

Nach ihrer Herzoperation hielt sie es genauso. Die Skepsis der Ärzte ignorierte Bauer. Drei Wochen nach dem Eingriff ging sie bereits wieder joggen, sechs Wochen später stand sie bei einem Wettkampf an der Stabhochsprunganlage - und übersprang 4,20 m. Im Februar 2019 meisterte sie 4,55 m und holte sich bei den deutschen Hallenmeisterschaften Silber. Kurz darauf, nicht mal ein Jahr nach dem Eingriff, meldete sich Bauer mit ihrem Auftritt bei der Hallen-EM in Glasgow auch international zurück. Mit 4,40 m verpasste sie als 14. zwar das Finale, war aber trotzdem glücklich: "Für mich bedeutet das sehr viel. Es ist ganz, ganz groß, dass sich das ganze Training und der ganze Kampf gelohnt haben."

Bandscheibenvorfall im Frühjahr 2019

Doch bei Bauer scheint es keinen Höhepunkt ohne Rückschlag zu geben. Kurz nach der EM bemerkte sie ein Ziehen im Rücken, das bis in das linke Bein ausstrahlte, selbst "bei einfachen Läufen". Diagnose: Bandscheibenvorfall. Bauer tat das, was sie mittlerweile ganz gut kann: kämpfen. Zudem hängte sie die Verletzung nicht an die große Glocke ("Ich wollte meine Selbstheilung nicht stören"). Zwei Monate lang konnte die Leverkusenerin keinen Sprung absolvieren, doch ab Mai ging es bergauf.

"WAAAHHNNSSSIINN"

Kein Wunder, dass die gebeutelte Stabhochspringerin aus dem Häuschen war, als sie von ihrem Ticket für Doha erfuhr. Aufgrund ihrer Jahresbestleistung erhielt sie eine Einladung des Weltverbands IAAF. "Ich bin gerade fassungslos. Mein großer Traum geht in Erfüllung - meine erste Weltmeisterschaft in meiner Karriere! WAAAHHNNSSSIINN", schrieb Bauer danach auf den sozialen Kanälen, vier Tage vor der offiziellen Verkündung des DLV. Die Freude musste wohl einfach sofort raus.

"Vielleicht kann ich andere Leute motivieren oder inspirieren"

Bauer ist sich bewusst, dass sie mit ihrer Geschichte nun nicht mehr nur für sich oder Deutschland springt, sondern auch ein Art Vorbildfunktion ausfüllt: "In der Hinsicht, dass ich zeigen kann: Es ist alles möglich. Vielleicht kann ich andere Leute motivieren oder inspirieren, immer an sich zu glauben."

Inzwischen nimmt der "Defi" in ihrem alltäglichen Leben weniger Platz ein. "Es gerät jetzt schon immer mehr in Vergessenheit. Natürlich weiß ich, dass er da ist. Aber ich widme ihm nicht mehr so viel Aufmerksamkeit." Und, das betonte sie: "Wenn ich an der Anlage stehe, bin ich eine ganz normale Stabhochspringerin." Eben eine mit Defibrillator.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau | Leichtathletik-WM 2019 in Doha | 27.09.2019 | 16:10 Uhr

Stand: 16.09.19 13:57 Uhr