Die sportbegeisterten Zuschauer machen eine Laola © dpa - Bildfunk Foto: Rainer Jensen

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"Atemberaubend": London feiert die Leichtathletik

von Bettina Lenner, sportschau.de

Die WM in London ist das erwartet gigantische Leichtathletik-Fest. Fünf Jahre nach den Sommerspielen sorgen die ebenso fachkundigen wie enthusiastischen britischen Zuschauer im Olympiastadion erneut für volle Ränge und eine einzigartige Atmosphäre. Die Sportler sind begeistert.

Als die olympischen Medaillen 2012 an der Themse vergeben wurde, startete Gina Lückenkemper noch bei den Juniorinnen. Viel hatte Deutschlands aktuell schnellste Sprinterin von ihren etwas erfahreneren Teamkollegen über die Stimmung während der Spiele gehört, doch die Realität übertraf alle ihre Erwartungen. "Die Leute im Stadion gehen alle mit und feuern jeden an. Das macht das Londoner Publikum aus: Sie feiern einfach den Sport und das ist etwas ganz besonders Schönes", sagte sie 20-Jährige, die im 100-m-Vorlauf als erste deutsche Sprinterin seit 26 Jahren unter elf Sekunden geblieben war.

Coe: Das beste Publikum aller Zeiten

Der britische Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes Sebastian Coe spricht vom besten Publikum aller Zeiten. Das klingt nicht gerade bescheiden, ist aber nicht von der Hand zu weisen. Die Organisatoren erwarten an den zehn Wettkampftagen insgesamt 700.000 Zuschauer, mehr als je zuvor bei den seit 1983 ausgetragenen Welt-Titelkämpfen. Schon bei der vorangegangenen Para-WM hatte London mit 330.000 Besuchern alle Rekorde gebrochen, und wie bei den Olympischen Spielen strömen die Fans auch jetzt wieder sogar zu den Vormittagsveranstaltungen scharenweise ins Stadion.

Nur Gatlin ausgebuht

"Das Stadion ist immer atemberaubend. Wenn 60.000 Zuschauer dort sitzen, da sieht man mal, was die Leichtathletik für einen Stellenwert in Großbritannien hat", schwärmt der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl. "Das ist das beste Stadion der Welt", bringt es Hammerwerferin Kathrin Klaas auf den Punkt. Nur einmal kannten die fachkundigen Londoner Zuschauer keine Gnade: Als der zweimal des Dopings überführte Justin Gatlin zu 100-m-Gold stürmte, wollten sie ihn nicht bejubeln, sondern taten das Gegenteil; noch nie gab es bei einer Leichtathletik-Veranstaltung so viele Buhrufe.

Hoffen auf eine ähnliche Stimmung in Berlin

Bei den Weltmeisterschaften 2011 im südkoreanischen Daegu und 2013 in Moskau waren die Wellen der Begeisterung nur selten hochgeschlagen. Keine große Fangemeinde, dazu die Hitze - auch die nächste WM 2019 in Doha dürfte nicht annähernd den Stellenwert erfahren wie die Titelkämpfe in London. Dazwischen findet im kommenden Jahr die EM im Berliner Olympiastadion statt, wo zur WM 2009 mehr als 450.000 Besucher gekommen waren. Diese bisherige Bestmarke wird in der britischen Metropole getoppt werden. "Ich hoffe, dass nächstes Jahr bei uns in Berlin genau so eine Stimmung herrschen wird", sagte Stabhochspringerin Lisa Ryzih: "Das ist das Größte, was wir in der Leichtathletik erleben können."

Holzdeppe: "Leute sitzen freiwillig hier"

Findet auch Raphael Holzdeppe. Die Erwartungen des Stabhochspringers, der sich 2012 die olympische Bronzemedaille im Stabhochsprung gesichert hatte, haben sich in London zumindest im Hinblick auf die Atmosphäre erfüllt: "Ich hatte diese Stimmung noch im Kopf, daher hat mich auch nicht überrascht, dass zu einem Vorkampf das Stadion ausverkauft ist. Es ist fast wie vor zwei Jahren in Peking. Du hast in London nur das Gefühl, dass die Leute freiwillig hier sitzen."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 07.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 08.08.17 10:05 Uhr