100 m

Bolt-Show endet mit Paukenschlag: Platz drei

Usain Bolt hat sich in seinem letzten Einzelrennen mit Bronze begnügen müssen. Der schnellste Mensch der Welt zog im 100-m-Finale von London gegen die US-Amerikaner Justin Gatlin und Christian Coleman den Kürzeren.

Der Leichtathletik-Superstar wurde ausgerechnet zum Abschied seiner Karriere vom Sprintthron gestoßen. Der Jamaikaner verlor am Samstag (05.08.17) bei der WM erstmals ein großes Finale über 100 m im direkten Duell und musste sich nach 9,95 Sekunden mit Bronze begnügen. Gold gewann der mehrfach überführte Dopingsünder Justin Gatlin (9,92) vor seinem Landsmann Christian Coleman (9,94). "Mein Start hat mich gekillt. Normalerweise wird er von Runde zu Runde besser, diesmal habe ich es nicht auf die Reihe bekommen. Aber ich habe mein Bestes gegeben", sagte Bolt, der noch eine Stunde nach dem Rennen von den letzten Fans im Stadion gefeiert wurde: "Dieser Ort ist wundervoll, ich weiß diese Zuneigung sehr zu schätzen. Diese Liebe, diese Unterstützung hier bedeutet mir so viel. Es tut mir leid, dass ich diesem Publikum keine bessere Leistung bieten konnte."

Gatlin weint - und geht auf die Knie

Justin Gatlin (l.) und Usain Bolt © dpa - Bildfunk Foto: Tim Ireland/AP/dpa

Weltmeister Justin Gatlin (l.) huldigt Usain Bolt.

Es war Bolts letzter Einzelstart, der 30-Jährige verzichtet bei der WM auf die 200 m ("Da würde ich noch schlimmer aussehen") und tritt am Schlusswochenende nur noch einmal mit der Sprintstaffel an. Danach beendet der achtfache Olympiasieger und elfmalige Weltmeister seine einzigartige Karriere. "Usain Bolt, Usain Bolt" intonierten die 60.000 Zuschauer. Gatlin dagegen wurde erneut ausgebuht, der 35-Jährige richtete mehrfach den Zeigefinger auf den Mund in Richtung des Publikums. "Usain hat mir gratuliert und dann gesagt: 'Du hast hart dafür gearbeitet, und all diese Buh-Rufe hast du nicht verdient'", berichtete der Amerikaner später. "Ich denke, ich habe gegen einen großartigen Wettkämpfer verloren und gegen einen Jungen, der nach oben drängt. Ich bedaure nichts", sagte Bolt.

Vor zwölf Jahren war Gatlin schon einmal Weltmeister, seither hatte er Bolt vergeblich gejagt. Nun weinte Gatlin hemmungslos vor Glück, ging aber auch vor dem Jamaikaner auf die Knie und huldigte dem Supermann der vergangenen Jahre. "Es ist absolut surreal, jetzt gewonnen zu haben. Obwohl ich gewonnen habe, ist dass der große Moment von Usain Bolt", sagte Gatlin: "Er ist der größte Champion aller Zeiten. Ich danke Usain dafür, dass er zu Zeiten meiner eigenen Karriere gelaufen ist."

Schlussspurt deutlich weniger kraftvoll

Bolt, der nichts mehr hasst als Niederlagen, wollte mit aller Macht ungeschlagen in Rente gehen. Doch es hat nicht sollen sein: Mit mittlerweile 30 Jahren fiel sein sonst so unwiderstehlicher Schlussspurt diesmal deutlich weniger kraftvoll aus. Dabei hatte sich der Weltrekordler über 100, 200 und 4x100 m trotz einer holprigen Vorbereitung zuletzt gesteigert und äußerst selbstbewusst präsentiert. Doch wie schon im Vorlauf und Halbfinale erwischte Bolt einen schwachen Start - trotzdem ließ er sich ausgiebig feiern. "Ich habe für den Sport alles getan, was ich konnte. Ich habe bewiesen, dass ich einer der Größten bin. Es ist Zeit zu gehen", sagte er.

Holzdeppe: "Er hat der gesamten Sportart gut getan"

Ein letztes Mal hob sich der Vorhang für die Bolt-Show, die auch Menschen begeistert hat, die sich nicht sehr für die Leichtathletik interessieren. Was kommt jetzt? "Natürlich wird er der Leichtathletik fehlen. Die einen mögen ihn, die anderen mögen ihn nicht, aber keiner kann verneinen, dass er der gesamten Sportart gut getan hat. Im Moment sehe ich noch keinen, der in seine Fußstapfen treten kann", sagte Raphael Holzdeppe, Stabhochsprung-Weltmeister 2013, der ARD.

Keine Träne weint der schnellste Deutsche Julian Reus, der in London in 10,25 Sekunden als Sechster seines Vorlaufs frühzeitig ausgeschieden war, seinem jahrelang auf allen Ebenen dominierenden Disziplin-Kollegen nach: "Ich finde diese Fokussierung in den letzten Jahren auf Usain Bolt schade, weil die Leichtathletik einfach mehr zu bieten hat. Es gab teilweise Duelle, die interessanter waren. Ich bin gespannt, ob diese Duelle etwas mehr in den Vordergrund rücken und nicht mehr dieses Streben nach Fabelzeiten."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 05.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 06.08.17 00:19 Uhr