Der türkische Sprinter Ramil Guliyev nach seinem Sieg über 200m © picture alliance / empics Foto: Adam Davy

200 m

Guliyev gewinnt als "lachender Dritter" Gold

400-m-Weltmeister Wayde van Niekerk aus Südafrika hat seine zweite Goldmedaille in London knapp verpasst. Im Finale über 200 m stahl ihm der Türke Ramil Guliyev auf der Ziellinie die Show.

Die Entscheidung zugunsten des als Außenseiters in den Endlauf gegangenen 27-Jährigen fiel denkbar knapp aus: Van Niekerk lag wenige Meter vor dem Ziel vorne, doch Guliyev gelang es im Finish, sich noch nach vorne zu schieben. Am Ende wiesen die elektronischen Uhren für den Vize-Europameister von Amsterdam 20,09 Sek. als Siegerzeit aus. "Ich habe es für möglich gehalten und habe es gemacht", jubelte der bisher unbekannte, in Aserbaidschan geborene Guliyev, der der erste männliche Leichtathletik-Weltmeister aus der Türkei ist. "Ein Traum wird wahr." Noch in den Katakomben erhielt er einen Anruf des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der ihm zum historischen Triumph gratulierte. Guliyev wurde über die 200-m-Strecke Nachfolger von Titelverteidiger Usain Bolt aus Jamaika, der bei seiner letzten WM-Teilnahme auf einen Start über die halbe Stadionrunde verzichtet hatte.

Van Niekerk (20,106) kam hauchdünn als Zweiter vor Jereem Richards aus Trinidad und Tobago (20,107) ins Ziel. Der Weltjahresschnellste Isaac Makwala aus Botswana, der in dieser Saison schon 19,77 Sek. schnell gewesen war, verpasste die Medaillenränge als Sechster klar (20,44).

Kein Happy End für van Niekerk

Ergebnisse

Leichtathletik, 200 m, Männer, Finale

Gold Flagge Türkei TUR Ramil Guliyev
Silber Flagge Südafrika RSA Wayde van Niekerk
Bronze Flagge Trinidad und Tobago TRI Jereem Richards
4. Flagge Großbritannien GBR Nethaneel Mitchell-Blake
5. Flagge USA USA Ameer Webb

Van Niekerks Ziel war es gewesen, sich mit Doppel-Gold zum neuen Sprint-König der Leichtathletik zu küren. Doch 48 Stunden nach seinem Sieg über 400 m fehlten ihm am Ende winzige zwei Hundertstelsekunden zum erneuten Triumph. "Ich habe viel mehr drauf, und das will ich in Zukunft zeigen", sagte der Südafrikaner nach dem Lauf. Bis dahin bleibt Michael Johnson aus den USA der bislang letzte Sprinter, der Gold über 200 und 400 m bei einer Weltmeisterschaft gewonnen hat - 1995 war das im schwedischen Göteborg.

Makwala im Finale nicht in Topform

Isaac Makwala © picture alliance / empics Foto: Yui Mok

Nach dem Halbfinale hatte Isaac Makwala noch Grund zum Jubeln.

Auch für Makwala gab es kein Happy End: Weil er eine 48-stündige Quarantäne-Sperre wegen einer Magen-Darm-Erkrankung abwarten musste, verpasste der 200- und 400-m-Medaillenkandidat das Finale über die ganze Stadionrunde am Dienstag (08.08.17). Den bereits am Montag verpassten Vorlauf über 200 m durfte er am Mittwoch als "Solo-Entscheidung" nachholen. So zog er verspätet doch noch ins Halbfinale ein, in dem er dann einen Platz für den Endlauf buchte. Hier aber reichten seine Kräfte dann offenbar nicht mehr: "Ich bin nicht glücklich, die beiden Rennen gestern haben zu viel Kraft gekostet", sagte der 30-Jährige. Ich wollte unbedingt eine Medaille." Makwala blieb im Endlauf mehr als eine halbe Sekunde über seiner Saisonbestzeit. Im Rückblick auf eine für ihn "gebrauchte Woche" sagte er: "Ich glaube, über die 400 m hätte ich eine Medaille holen können. Das ist die Strecke, auf die ich meinen Fokus gelegt habe."

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 11.08.2017 | 10:45 Uhr

Stand: 10.08.17 23:07 Uhr