Der deutsche Stabhochspringer Raphael Holzdeppe ist nach seinem Sprung enttäuscht. © imago/Beautiful Sports Foto: Axel Kohring

Stabhochsprung

Holzdeppes "Salto nullo" bei Kendricks-Triumph

Drama um DLV-Stabhochspringer Raphael Holzdeppe: Er scheiterte im WM-Finale an der Anfangshöhe. Danach entwickelte sich ein spektakulärer Wettbewerb in schwindelerregenden Höhen, den US-Springer Sam Kendricks gewann. Weltrekordler Renaud Lavillenie aus Frankreich verpasste auch im fünften Anlauf in Folge die WM-Krönung.

Der 27 Jahre alte Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken erlebte am Dienstagabend (08.08.17) ein echtes Final-Drama. Angetreten, um eine Medaille zu gewinnen, schied der Saarländer nach drei Fehlversuchen bei der Einstiegshöhe von 5,50 m sang- und klanglos aus. "Das ist frustrierend. Ich bin im Moment einfach enttäuscht über mich selber", sagte Holzdeppe. "Eigentlich lief vorher alles super, ich hatte mir viel mehr vorgenommen. Ich habe mich besser gefühlt als in der Quali, war super drauf. Ich muss jetzt erstmal analysieren, woran es gelegen hat."

In der Qualifikation am Sonntag (06.08.17) hatte der Weltmeister von 2013 und WM-Silbermedaillengewinner von 2015 große Mühe gehabt: Erst im dritten Versuch übersprang er die 5,70 m. "Im Finale ist alles möglich", sagte er danach. "Ich will angreifen!" Diesen Worten folgten im Londoner Olympiastadion, wo er 2012 Olympia-Silber gewonnen hatte, aber keine Taten.

Es geht hoch hinaus

Stabhochspringer Renaud Lavillenie bei der WM in London im Olympiastadion. © imago

Zum fünften Mal in Folge verpasste Renaud Lavillenie WM-Gold.

Als Holzdeppe seine Stäbe zusammengepackt und den Ort des Geschehens verlassen hatte, entwickelte sich auf der Stabhochsprung-Anlage ein packender und WM-würdiger Wettbewerb um die Medaillen. Der Weltjahresbeste Sam Kendricks aus den USA, der Pole Piotr Liseck sowie der 30 Jahre alte Weltrekordler Renaud Lavillenie aus Frankreich hatten die Konkurrenz in einem hochklassigen Finale erst bei 5,89 m abhängen können.

Das Trio hatte mit dieser übersprungenen Höhe die Medaillen bereits sicher - aber wer sollte welche bekommen? Das entschied sich schließlich bei 5,95 m: Kendricks meisterte diese Weltklasse-Höhe nervenstark im dritten Versuch, während Liseck drei Fehlversuche verbuchte. Lavillenie probierte sich nach zwei Fehlversuchen schließlich an 6,01 m - ohne Erfolg. So blieb für den Franzosen wegen eines Patzers bei 5,89 m im ersten Versuch am Ende hinter dem Polen nur Platz drei. WM-Bronze hatte er bereits 2009, 2011 und 2015 gewonnen, 2013 in Moskau gab es für ihn WM-Silber. Titelverteidiger Shawnacy Barber aus Kanada übersprang nur 5,65 m und landete auf Platz acht.

Holzdeppe bekommt keine Konstanz rein

Holzdeppe, dessen Bestleistung seit zwei Jahren bei 5,94 m steht, legt eine Saison mit großen Formschwankungen hin. So hatte er sich etwa bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt dem 18-jährigen Bo Kanda Lita Baehre aus Leverkusen geschlagen geben müssen. Einmal aber wusste er auch zu glänzen: Ende Juni übersprang er beim Meeting in Hof 5,80 m. Sein Auftritt bei der WM in London weckte nun die Erinnerungen an die Olympischen Spiele in Rio: Dort war er im vergangenen Jahr schon in der Qualifikation ausgeschieden.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 09.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 09.08.17 01:04 Uhr