Carolin Schäfer bei der Siegerehrung nach dem WM-Siebenkampf. © imago

Busemanns WM-Kolumne

Medaillen, Medien und Moneten

von Frank Busemann

Kaum hat Siebenkämpferin Carolin Schäfer WM-Silber gewonnen, geht auch schon der Medien-Marathon los. Da davon drei Seiten profitieren, gilt: "Fair geht vor", meint Frank Busemann in seiner Kolumne.

Carolin Schäfer strahlte auch Stunden nach ihrem Wettkampf noch über beide Backen. Endlich war sie nach langer, harter Arbeit da angekommen, wo sie hin wollte: Sie hat die ersehnte internationale Medaille bei den Erwachsenen um den Hals hängen.

Im Gespräch im ARD-Morgenmagazin berichtete sie von ihrem weiteren Programm neben dem obligatorischen Sightseeing - dem Medien-Marathon. Es gibt (oder gab) Vertreter der Zunft, die diesen Wettbewerb kurz mit "das nervt" beschreiben und es lang als "verhasster Spießroutenlauf, hektisches Journaliengezerre, immer wiederkehrendes Beschreiben und stakkato-getaktete Offenlegung der persönlichen Emotionen" beschreiben. Wer so denkt, ist nicht da! Der findet nicht statt.

Win-Win-Win-Situation

Usain Bolt gibt Interviews in der Mixed-Zone bei der Leichtathletik-WM in London. © imago Foto: Sebastian Wells

Von der Laufbahn in die Mixed-Zone: Usain Bolt beherrscht das "Geschäft" mit den Medien.

Der Sprinter zum Beispiel hat zehn Sekunden Ruhm, mit Ehrenrunde vielleicht fünf Minuten. Danach könnte dann eine Win-Win-Win-Situation entstehen. "Dreifach-Win" ist ein inflationärer Superlativ.

Doch der Reihe nach. Als erstes geht er in der sogenannten Mixed-Zone (gemeint ist das gemeinsame Vorhandensein von Sportler und Journalist) an den übertragenden Sendern vorbei. Wer gut ist, der wird interviewt. Okay, nicht alle, wie das Beispiel Justin Gatlin beweist. Da erkennt man schnell: Die Medien haben Macht. Eine gefährliche Mixtur, die sich da anbahnen könnte.

Gespräche und Termine ohne Ende

Der Sieger bleibt allzu gern stehen und berichtet von seinem Erfolgserlebnis. Danach kommen die Kollegen vom Radio, von der Zeitung, Social-Media, und so weiter und so fort. Und das war nicht der Marathon, das war eher der Vorlauf. Die Langstrecke geht einen Tag später weiter. Gespräche, die in Ruhe geführt werden wollen. Interviews, Fotos, Verbands-PK. DLV-Mediendirektor Peter Schmitt und Caro Schäfer stimmten sich ab. Lange. Das kam einem Marathon schon näher.

Sportler und Medien schnüren kraftvolles Paket

Wenn Journalisten O-Töne einfangen, berichten, den Sportler als Mensch greifbar machen können, dann können diese ihren Job machen und haben das erste "Win" auf dem Zettel. Job erledigt. Wenn Sportler das Ergebnis ihrer Arbeit ins rechte Licht setzen können und die Emotionen verlängern, dann steht da "Win" Nummer zwei. Und dann gibt's noch das dritte "Win": Der Zuschauer freut sich, wenn er dabei ist, mitfiebern kann, das Gesehene versteht und erlebt. Ein kraftvolles Paket.

Hauptsache authentisch

Das ist anstrengend. Für den Sportler ist es zuweilen nicht die Kernkompetenz zu reden, zu posen, zu posten. Der Athlet kann Sport - und das gut. Jetzt kommt die Authentizität: Wenn er gut in Sport und Wort ist, dann ist das super. Wenn er oder sie in Sport und Bild eine Klasse für sich ist, dann ist das ebenfalls von Vorteil. Und was ist mit sportiv und dröge? Auch das kann herrlich sein. Wenn er oder sie einfach bei sich ist.

Aber man sieht auch: Wer in Zeiten der größten Niederlage stehen bleibt und Antworten gibt, der wird medial nicht zerrissen. Verantwortung im Scheitern zu übernehmen, zeigt Größe.

Nur gemeinsam lässt sich Geld verdienen

Leichter geht es natürlich mit der Medaille um den Hals. Das, was folgt, ist mindestens so anstrengend wie der Wettkampf selbst. Aber in der heutigen Zeit gehört es einfach dazu. Wer im Rahmen seines größten Erfolges nicht an den Medien-Marathon danach denkt, der hat reiche Eltern, Lotto-Millionen - oder aber den Sport als Gesamtevent nicht verstanden.

Letztlich versucht ein jeder mit seinem "Hobby" gut über die Runden zu kommen. Und wer die Gabe besitzt, damit auch noch Geld zu verdienen, der braucht die Medien - und die brauchen den Athleten und die brauchen die Zuschauer und die brauchen den Athleten und die brauchen die Zuschauer und die brauchen die Medien ...

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 07.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 07.08.17 15:54 Uhr

Das ist Frank Busemann

Geboren:
26. Februar 1975 (Recklinghausen)
Disziplinen:
Zehnkampf, Hürdensprint
Sportliche Erfolge:
Olympia-Silber 1996 (8.706 Punkte)
WM-Bronze 1997 (8.652 Punkte)
U23-Europameister 110 m Hürden 1997 (13,54 Sek.)
Juniorenweltmeister 110 m Hürden 1994 (13,47 Sek.)
Auszeichnungen:
Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis 2004
Sportler des Jahres 1996
Karriereende:
23. Juni 2003
Karriere nach der Karriere:
Vorträge/Seminare zum Thema Motivation
Buch-Autor
ARD-Leichtathletik-Experte
(Morgenmagazin, Das Erste, sportschau.de)