Der südafrikanische Sprinter Wayde van Niekerk führt das Feld im 400-Meter-Finale an © imago/Colorsport

400 m

Van Niekerk fährt nur die "halbe Miete" ein

Wayde van Niekerk hat bei der WM in London nur einen Teil seiner Double-Mission erfüllt: Nach Gold über 400 m gewann er in Abwesenheit von Titelverteidiger Usain Bolt "nur" Silber über 200 m.

Van Niekerk verteidigte am Dienstag (08.08.17) in 43,98 Sekunden seinen Titel über 400 m erfolgreich. Hinter dem 25-Jährigen gewann Steven Gardiner von den Bahamas (44,41) Silber, Bronze ging an Abdalelah Haroun aus Katar (44,48). Sein größter Rivale Isaac Makwala aus Botswana musste wegen eines Magen-Darm-Virus, der bei der WM unter einigen Athleten kursiert, auf Anweisung des Weltverbandes IAAF auf einen Start verzichten. Der 400-m-Läufer wollte nach eigenen Angaben dennoch laufen. Die IAAF betonte, er sei 48 Stunden unter Quarantäne gestellt.

Zwei Tage später (10.08.17) sprintete van Niekerk in 20,11 Sek. über 200 m knapp geschlagen aber nur als Zweiter ins Ziel. Gold ging mit zwei Hundertstelsekunden Vorsprung an Ramil Guliyev aus der Türkei (20,09). Damit bleibt Michael Johnson aus den USA der bislang letzte Sprinter, der Gold über 200 und 400 m bei einer Weltmeisterschaft gewonnen hat - 1995 in Göteborg. "Ich habe viel mehr drauf, und das will ich in Zukunft zeigen", sagte der Südafrikaner nach dem 200-m-Finale.

Eine Uroma als Trainerin

Mit dieser Meinung ist van Niekerk nicht allein. Nicht wenige trauen ihm zu, in die Fußstapfen des Jamaikaners Usain Bolt zu treten und der neue Superstar der Leichtathletik zu werden. Auf dem Weg dahin setzt der Südafrikaner auf die Unterstützung einer Uroma: Sie hat weiße Haare, drei Kinder, fünf Enkel, fünf Urenkel und ist 75 Jahre alt. Und sie macht dem schnellsten 400-m-Läufer der Welt Beine. Van Niekerk wird seit fünf Jahren von Ans Botha trainiert. Und irgendwie harmoniert das ungleiche Duo. Van Niekerk hat drei Wochen vor dem Start der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London seinen 25. Geburtstag gefeiert. 50 Jahre Altersunterschied scheinen kein Hindernis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu sein. Ganz im Gegenteil. Nach dem WM-Gold von Peking verbesserte der Südafrikaner bei den Olympischen Spielen in Rio einen der "ewigen" Leichtathletik-Rekorde: In 43,03 Sekunden preschte er zu Gold und pulverisierte den seit 1999 bestehenden Weltrekord von Johnson (43,18).

Bolt: "Er ist eine große Person"

Auf der Bahn scheint die ganz große Karriere programmiert. Um in Bolt'sche Fußstapfen treten und Millionen Fans weltweit für die Leichtathletik begeistern zu können, bedarf es aber wohl mehr als Titel, Medaillen und Rekorde. Bolt selbst glaubt, dass van Niekerk das Zeug dazu hat: "Er hat gezeigt, dass er die Herausforderung annimmt, er ist bodenständig und bescheiden, er ist eine große Person", sagt der Jamaikaner schon über den Südafrikaner. "Es ist eine riesige Ehre, von Usain zu lernen und ihn zu treffen", meint van Niekerk über die Bekanntschaft mit Bolt. Dies sei sehr aufregend für ihn, zugleich bringe das ein "hohes Maß an Verantwortung" mit sich.

Botha: "Wayde ist nicht für Bronze hier"

Dabei ist der Einfluss von Ans Botha für den jungen Sprinter aus Afrika nicht zu unterschätzen. "Sie ist eine fantastische Frau. Sie spielt eine riesengroße Rolle für das, was ich heute bin", sagt van Niekerk. "Sie sorgt dafür, dass ich dabei diszipliniert und fokussiert bleibe." Am Anfang der Zusammenarbeit hat Botha ihren Schützling zunächst mal davon überzeugt, sich mehr auf die 400 m zu konzentrieren - mit Erfolg, wie die beiden WM-Titel belegen. Doch van Niekerk ist auch Weltklasse über 200 m. 19,84 Sekunden ist er in diesem Jahr schon gelaufen. Läufer und Trainerin gaben als ehrgeiziges Ziel für London das WM-Gold über die halbe Stadionrunde aus ("Er ist nicht für Bronze hier") - am Ende mussten sich beide aber mit Silber zufrieden geben.

Botha wird van Niekerk wohl noch ein paar Jahre begleiten, denn die rüstige Urgroßmutter will weitermachen. "Ich sehe keinen Grund, warum ich mich zur Ruhe setzen und Däumchen drehen sollte", sagt sie. Das wird ihren Schützling freuen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 09.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 10.08.17 23:26 Uhr