Der deutsche Hochspringer Eike Onnen © imago/Richard Wareham

Deutsches Team

Sportförderung: Deutsche Athleten üben Kritik

Matthias Bühler hat bei der WM in London harsche Kritik an der Sportförderung in Deutschland geübt: "Es kann nicht sein, dass wir Sportler so wenig Unterstützung bekommen", monierte der Hürdensprinter. Auch für Hochspringer Eike Onnen ist klar: Es darf nicht so weitergehen wie bisher. Doch mit der anstehenden Leistungssportreform wird die Lage für die Athleten wohl eher angespannter statt besser.

Wenn gewinnen nicht reicht, dann verstehen die Athleten ihren eigenen Hochleistungssport nicht mehr. WM-Starter Eike Onnen flog aus dem A-Kader des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), obwohl er im vergangenen Jahr bei den Europameisterschaften 2016 Dritter geworden war - immerhin die erste deutsche Hochsprung-Medaille bei einer EM seit 30 Jahren. Doch beim entscheidenden Wettkampf, den Olympischen Spielen in Rio, schied der Routinier aus Hannover in der Qualifikation aus und verlor so seinen Status als A-Kader-Athlet.

Degradierung nach vorzeitigem Aus bei Olympia

"Das hat mich natürlich schon sehr geärgert. Das sind schon hohe finanzielle Einbußen, die man da hat", sagte Onnen zu seiner Degradierung: "Meiner Meinung nach darf man einen Kader nicht nur auf 20 Leute beschränken, sodass es dann für alle anderen, die dahinter sind, so schwierig wird, an die Spitze überhaupt heranzukommen."

Der 35-Jährige ist gesund, fit und hat auch in diesem Jahr schon wieder 2,30 m gemeistert. Damit hat er einmal mehr den Sprung zum wichtigsten Leichtathletik-Wettkampf der Saison geschafft: der WM in London, wo er am Freitag (11.08.2017, live im Ersten und bei sportschau.de) die Qualifikation bestreitet. Dabei sein ist aber eben doch nicht alles, wie das vergangene Jahr gezeigt hat. "Wenn der Maßstab ist, dass man ausgerechnet bei einem Wettkampf eine absolute Top-Leistung bringen muss, damit man in der Förderung ist oder weiterhin drin bleiben kann, dann ist das schon wirklich schwierig. Das gibt einem einen zusätzlichen, enormen Druck, und ist in gewisser Weise auch ungerecht", unterstrich Onnen im Gespräch mit dem NDR.

Bundeswehr, Zoll und Polizei als beliebte Arbeitgeber

Carolin Schäfer, die in London Siebenkampf-Silber holte, ist in einer anderen Situation als Onnen. Sie macht sich überhaupt keine Gedanken um ihre finanzielle Zukunft: "Ich bin abgesichert, weil ich bei der Landespolizei in Hessen bin. Ich muss mir um meine Existenz keine Sorgen machen." Wer als Sportler bei der Bundeswehr, dem Zoll oder der Polizei angestellt ist, hat viel mehr Sicherheit. Schäfer wurde aber auch 2016 bei den Olympischen Spielen schon beachtliche Fünfte.

"Keine Motivation für den Nachwuchs"

Onnen verpasste das Finale in Rio hingegen knapp. Jetzt gibt es nicht nur deutlich weniger Geld im Monat. Auch Trainingslager und andere Kosten muss der Niedersachse nun selbst bezahlen. Wenn der deutsche Spitzensport nach der Reform - wie viele befürchten - zum Medaillensport wird, würden sich Fälle wie diese häufen. "Max Heß zum Beispiel ist 20 Jahre alt und Europameister. Wenn der dann aus dem A-Kader geschmissen und damit die Förderung eingestellt wird, dann ist dies nicht leistungsfördernd. Den betroffenen Sportlern gegenüber auf keinen Fall. Und natürlich ist es auch keine Motivation für Nachwuchssportler", so Onnen.

Bühler: "Mehr Förderung zur Heim-EM"

Besonders schwierig dürfte die medaillenorientierte Unterstützung naturgemäß für die Läufer werden. Sie haben es in Anbetracht der oftmals schier übermächtigen internationalen Konkurrenz besonders schwer, auf der großen Bühne ganz nach vorne zu laufen. Bühler, der seit 2013 rund zwei Drittel des Jahres in Phoenix (Arizona) unter anderem mit Weltrekordler Aries Merritt (USA) trainiert, fordert zur Heim-EM im nächsten Jahr, "dass die Nationalmannschafts-Athleten in der Leichtathletik, die vielleicht Endlauf- oder Endkampfchancen haben, finanziell gefördert werden. Dass sie monatlich so viel Geld bekommen wie eben ein normaler Arbeiter auch - mindestens 1.500 bis 2.000 Euro, die man eben braucht um zu leben, um Lebensmittel zu kaufen, um Miete zu bezahlen", sagte der zweimalige Olympia-Teilnehmer dem SWR.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 07.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 08.08.17 09:00 Uhr