Usain Bolt mit jamaikanischer Flagge © Witters

Kommentar

Vergesst Bolt! Hier kommen Mondo, Koko und Sani

Usain Bolt hat in London seine Abschiedsvorstellung als Solist gegeben. Einmal noch läuft der schnellste Mensch der Welt in der jamaikanischen Staffel, dann ist Schluss. Die Lichtgestalt geht, doch ist es das Ende der Leichtathletik? "Quatsch!", meint ARD-Kommentator Ralf Scholt.

Der Sprinter Usain Bolt ist (fast) Geschichte. Sein letztes Einzelrennen in London war erneut ein großer Auftritt, erwartbar durchgeplant wie er es mag. Auch wenn verloren hat, hat er wieder die ganze Welt in seinen Bann gezogen.

Als der Größte ging, wollten alle dabei sein. Egal, ob sie den schnellen Mann aus Jamaika lieben oder nicht. Und Usain Bolt ist nicht irgendein Medaillensammler oder Rekordjäger, auf den er immer wieder reduziert wird. Bolt ist die Leichtathletik!

Vom Zahlen-Dschungel zum Showevent

Er vereint alles, was heute von einem medial und emotional weltweit erfolgreichen Sport verlangt wird: Ausstrahlung, das gewisse Etwas als Markenzeichen, die Welt oder seine "peeps", wie Bolt seine Social-Media-Gemeinde gerne nennt, teilhaben lassen an allen Lebenslagen vom Sponsoringdeal bis zum Urlaub mit der Freundin.

Bolt hat die Leichtathletik aus dem Dschungel von Regeln, Normen und unfassbar vielen Zahlen geführt und zum Showevent umgestaltet. Das ist nur sehr wenigen mit ihrem Sport gelungen. Namen wie Muhammad Ali oder bei uns Boris Becker stehen als Vergleich parat.

Die Gretchenfrage bleibt offen

Deshalb bleiben nicht nur seine Erfolge und Rekorde, sondern diese außergewöhnlichen Auftritte und das Charisma, dass der überragende Sprinter seiner Generation versprüht, großer Sport. Die Gretchenfrage, ob Bolt sauber ist, bleibt offen. Ich halte es da mit dem freiheitlichen Rechtsgrundsatz der Unschuldsvermutung, auch wenn man auf andere Ideen kommen kann, denn in jedem Fall ist Bolt tatsächlich das viel beschriebene Jahrhunderttalent.

"Das wird ein ganz Großer"

Als 13-Jähriger kam er auf die große Bühne. Zwei Jahre später erlebten Gerd Rubenbauer, mein Lehrmeister als Leichtathletik-Kommentator, und ich Bolt zum ersten Mal live und waren uns einig: Das ist ein besonderer Junge. Gerds Blick für Talente nicht nur im Sprinterlager war untrüglich: "Das wird ein ganz Großer, wenn er keinen Unfug macht." Aus dem ungeschliffenen Sprintjuwel ist ein phantastischer Schnellläufer geworden, der die Grundsätze des Sprints auf die Bahn zaubert: Spannung und Entspannung im geschmeidigen Wechsel.

Die nächste Generation kommt

Der schwedische Stabhochspringer Armand Duplantis © imago/Bildbyran Foto: GIAMPIERO SPOSITO

Schwedischer Hoffnungsträger: Stabhochspringer Armand Duplantis.

Jetzt ist bald Schluss. Der Rücken zwickt, das Training plagt, die Bolt-Geste ist lahme Gewohnheit geworden, aber am Samstag tobten sie wieder alle und Usain Bolt zog die Welt in seinen Bann. Eine Aufgabe bleibt noch, der Staffeleinsatz am letzten Wochenende.

Und dann? Das Ende der Leichtathletik, Weltuntergang? Quatsch! Dann kommt die nächste Generation der besonderen Kinder, dann kommen Mondo, Koko und Sani! Kennt ihr nicht? Werdet ihr kennenlernen in den nächsten Jahren, wenn der schwedische Höhenjäger Armand Duplantis, der flinke Japaner Abdul Hakim Sani Brown und die federleichte deutsche Laufhoffnung "Koko" Klosterhalfen die große Bühne des Sport entern.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Leichtathletik-WM 2017 London | 05.08.2017 | 20:15 Uhr

Stand: 06.08.17 09:55 Uhr