Die US-Amerikanerin Allyson Felix (M.) gewinnt bei der Leichathletik-WM 2011 in Daegu Gold mit der 4x400-Meter-Staffel.

Allyson Felix - Die goldene "Gazelle"

Sportart: Leichtathletik
Disziplinen: 400 m , 4 x 100 m 4 x 400 m
Land: USA Flagge USA

Steckbrief

geb. am: 18.11.1985
in Los Angeles
Größe: 168 cm
Gewicht: 57 kg
Trainer: Bob Kersee

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
10,89 Sek. (100 m/2012)
21,69 Sek. (200 m/2012)
49,26 Sek. (400 m/2015)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
3x Gold 2012 (200 m, 4x100 m, 4x400 m)
Gold 2008 (4x400 m)
Silber 2008 (200 m)
Silber 2004 (200 m)

Weltmeisterschaften:
2x Gold 2017 (4x100 m, 4x400 m)
Bronze 2017 (400 m)
Gold 2015 (400 m)
2x Silber 2015 (4x100 m, 4x400 m)
2x Gold 2011 (4x100 m, 4x400 m)
Silber 2011 (400 m)
Bronze 2011 (200 m)
2x Gold 2009 (200 m, 4x400 m)
3x Gold 2007 (200 m, 4x100 m, 4x400 m)
Gold 2005 (200 m)


Früher ob ihrer langen Beine gehänselt, haben diese Allyson Felix zu einer der erfolgreichsten Leichtathletinnen der Geschichte gemacht. Die US-Amerikanerin hat bereits neun WM-Goldmedaillen in ihrer Sammlung.

Auf der Highschool wurde Allyson Felix einst gehänselt. "Chicken legs" spotteten ihre Mitschüler in Südkalifornien über ihre dünnen Beine. "Heute lache ich darüber", sagt die Frau aus Los Angeles. "Meine Beine sind so stark." Ihre schnellen Beine haben die US-Amerikanerin nach Goldmedaillen gerechnet zur erfolgreichsten WM-Starterin in der Leichtathletik gemacht. Nur die Jamaikanerin Merlene Ottey hat bislang mehr Medaillen von Weltmeisterschaften nach Hause gebracht (3x Gold, 4x Silber und 7x Bronze). Felix' Briefkopf zieren bereits neun Titel, drei Silber- und eine Bronzeplakette bei Welttitelkämpfen. Es wären schon mehr, hätte sich die vierfache Olympiasiegerin bei der WM 2013 in Moskau nicht im 200-m-Finale einen Muskelfaserriss zugezogen, der auch einen Staffelstart unmöglich machte. Mit Tränen in den Augen musste die "Gazelle", wie Trainer Bob Kersee seinen Schützling mit den langen Beinen und dem eleganten Laufstil beschreibt, von Bruder und Manager Wes Felix aus dem Luschniki-Stadion getragen werden. Zwei Jahre später in Peking war der Schmerz vergessen: In 49,26 Sekunden war Felix über die Stadionrunde so schnell wie nie zuvor und sicherte sich überlegen den ersten (!) WM-Titel über diese Distanz. Jeweils Silber mit der 4x100-m- und der 4x400-m-Staffel war das Sahnehäubchen.

Sprint

Allyson Felix - Die WM-Goldfee

Familienmensch Felix

Trost findet die tiefgläubige Christin Felix bei Gott, der es gut mit ihr gemeint hat. "Dass ich so schnell laufen kann, ist ein Geschenk Gottes", sagt die Ausnahmeathletin, die an der University of Southern California in Los Angeles ein Studium als Grundschullehrerin abgeschlossen hat. Felix ist bodenständig und ein Familienmensch. Ihr Vater Paul ist Theologe, ihre Mutter Marlean Lehrerin. Sportliches Talent zeigte auch ihr älterer Bruder Wes. Er wurde 2002 Junioren-Weltmeister mit der US-Sprintstaffel und gewann zudem Bronze über 200 Meter.

Marion Jones - Idol und Enttäuschung

Felix begann erst im Alter von 14 Jahren mit Leichtathletik, wurde aber schnell als eines der hoffnungsvollsten Sprinttalente der USA gehandelt. Sie überraschte ihre Trainer mit Fabelzeiten, produzierte Erfolge bei Highschool- und nationalen Junioren-Meisterschaften wie am Fließband: 2001 siegte sie bei der Jugend-WM im ungarischen Debrecen sowohl über 100 Meter als auch mit der Schwedenstaffel (400, 300, 200 und 100 m). Zwei Jahre später steigerte der Youngster über 200 Meter den elf Jahre alten nationalen Junioren-Rekord von Marion Jones auf sensationelle 22,51 Sekunden. Bei den kalifornischen Meisterschaften lief sie 22,52 - es war die schnellste Zeit, die jemals in einem Highschool-Wettbewerb aufgestellt wurde. Erneut nahm sie damit Jones einen Rekord ab. Die Frau, die bei Olympia in Sydney fünf Goldmedaillen gewann, sie aber zurückgeben musste, als ihre Dopingpraktiken publik wurden, war einst das große Idol von Felix und wurde dann zu einer der größten Enttäuschungen in ihrem Leben. "Ich habe sie bewundert und ihr geglaubt. Das hat mir die Augen für die Realität geöffnet. Heute trage ich Verantwortung für junge Sportler, die zu mir aufschauen", sagt Felix.

Und das tun viele, denn Felix ist eine ausgesprochen vielseitige Sprinterin. Ein beeindruckendes Bild bietet die Liste ihrer persönlichen Bestleistungen: 10,89 Sekunden über 100 Meter, 21,69 Sekunden über 200 Meter und seit dem WM-Finale 2011 in Daegu 49,56 Sekunden über die Stadionrunde.

Bei Weltmeisterschaften immer in Topform

Die US-Amerikanerin Allyson Felix (M.) gewinnt bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2007 in Osaka Gold über 200 Meter. © imago/Xinhua Foto: Xinhua

Bei Weltmeisterschaften immer ganz vorne dabei: Allyson Felix.

Bis zum bitteren Aus in Moskau hat sie bei Weltmeisterschaften stets Großes vollbracht. 2005 in Helsinki wurde sie mit 19 Jahren jüngste 200-Meter-Weltmeisterin (22,16). 2007 in Osaka holte sie mit drei Weltjahresbestleistungen dreimal Gold - im Einzelrennen über 200 Meter (21,81) sowie in beiden Staffelrennen über 4x100 Meter (41,98) und 4x400 Meter (3:18,55 Minuten). In Berlin schrieb Felix ihre Erfolgsgeschichte fort: Gold über 200 Meter (22,02) und Gold mit der 4x400-Meter-Staffel (3:17,83). Die Wiederholung des Dreifach-Triumphes von Osaka blieb ihr verwehrt. Die 4x100-Meter-Staffel der US-Amerikanerinnen schied nach einem Sturz von Muna Lee im Vorlauf aus. Ohne Felix, die erst im Finale an den Start gegangen wäre. Bei der WM in Daegu 2011 fügte sie ihrer Medaillensammlung vier weitere Plaketten hinzu. Über 400 m blieb ihr in persönlicher Bestzeit von 49,59 Sekunden nur Platz zwei hinter Weltmeisterin Amantle Montsho. Über 200 m konnte sie nur als Dritte (22,42) hinter Carmelita Jeter und Veronica Campbell-Brown einlaufen. Doch mit den beiden Staffeln (4x400 m, 4x100 m) gewann sie jeweils Gold.

Sie skypt mit ihrem Hund Chloe

Beflügelt von ihren WM-Erfolgen holte Felix auch bei den Olymischen Spielen 2012 in London zum großen Wurf aus. 2004 und 2008 hatte sie sich über 200 Meter noch ihrer großen Rivalin Campbell-Brown aus Jamaika geschlagen geben. In London blieb sie in 21,88 als einzige unter 22 Sekunden und holte ihren ersten Olympiasieg als Einzelstarterin. Zwei weitere Goldmedaillen gewann sie mit den Staffeln, über 4x100 m stellte das US-Quartett in 40,82 Sekunden einen Weltrekord auf. Als bestdekorierte Leichtathletin Londons kehrte Felix von den Spielen heim zu ihrem Yorkshire Terrier Chloe. Felix liebt die Hündin über alles und vergeht vor Sehnsucht, wenn sie auf Reisen ist. Um den Trennungsschmerz zu lindern, skypt Frauchen aus der Ferne regelmäßig mit Chloe, die dann auf dem Schoß von Allysons Mutter sitzt und in die Webcam bellt.

Knöchelprobleme auf dem Weg nach Rio

Nach längerer Verletzungspause kam die Kalifornierin 2014 gut in Tritt und kehrte ein Jahr später bei der WM in Peking in die Weltspitze zurück: Felix gewann zweimal Silber mit der Staffel und zur Krönung Gold über 400 Meter in persönlicher Bestzeit von 49,26 Sekunden. Keine schlechten Voraussetzungen für das große Ziel Olympische Spiele 2016. Doch im Frühjahr tauchten neue Probleme auf: Wegen einer Knöchelverletzung musste Felix eine drei Monate lange Zwangspause einlegen und schließlich auf einen 200-m-Start in Rio verzichten. Immerhin löste sie das Ticket für Rio über die lange Sprintstrecke souverän.

Noch schnellere Beine dank spezieller Schuhe

Was macht man, wenn die Beine zwar noch schnell sind, die Konkurrenz aber jünger wird? Man stellt die Schwächen ab. Bei Felix liegen diese erkennbar im Kurvenlauf. Zwar kann die Amerikanerin dank ihrer langen Beine raumgreifende Schritte machen, doch beim Start aus dem Block in die Kurve ist sie gegenüber den kleineren, kompakteren Läuferinnen im Nachteil. Zusammen mit ihrem Sponsor tüftelte und experimentierte Felix daher an einem speziellen Schuh, der exakt auf ihre körperlichen Voraussetzungen abgestimmt ist und mit dem sie schneller durch die Kurve laufen könnte. Am Ende lagen etwa 70 Entwürfe vor und tatsächlich: Der Aufwand sollte sich lohnen. Zweimal Gold mit der 4x100-m- und 4x400-m-Staffel standen in Rio de Janeiro am Ende zu Buche, dazu gewann Felix erstmals eine olympische Einzelmedaille über 400 m: Silber, hinter Olympiasiegerin Shaunae Miller von den Bahamas.

Stand: 13.08.17 22:25 Uhr