Johannes Vetter

Johannes Vetter - Hoffen auf den nächsten Coup

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Speerwurf
Land: Deutschland Flagge Deutschland

Steckbrief

geb. am: 26.03.1993
in Dresden
Größe: 188 cm
Gewicht: 105 kg
Verein: LG Offenburg
Trainer: Boris Obergföll
Beruf: Sportsoldat

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
94,44 m (2017/DR)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
4. Platz 2016

Weltmeisterschaften:
Bronze 2019
Gold 2017
7. Platz 2015

Europameisterschaften:
5. Platz 2018

Deutsche Meisterschaften:
Bronze 2018
Gold 2017
4. Platz 2016
Silber 2015

U23-EM:
4. Platz 2015

U23-DM:
Gold 2015
Silber 2014


Speerwerfer Johannes Vetter reist als Titelverteidiger zur Wüsten-WM. Der Körper zwickt, am Fuß steht eine Operation bevor, doch für den erneuten Titelgewinn beißt der deutsche Rekordhalter auf die Zähne.

Das Jahr 2017 wird Johannes Vetter wohl nie vergessen. Erst stieg er im Juli in Luzern zum zweitbesten Speerwerfer der Leichtathletik-Geschichte auf, dann krönte er sich im August zum aktuell Besten seiner Zunft: Bei den Weltmeisterschaften in London sicherte er sich Gold. "Nach Luzern waren die Erwartungen an mich groß. Nach dem Titel fällt ein riesiger psychischer und mentaler Ballast von mir ab", sagte der Sportsoldat, dem auf seiner Ehrenrunde durchs Olympiastadion die Tränen kamen.

Vetter und sein Trainer umarmen sich.

02:14 min | 13.08.2017 | Das Erste | Autor/in: Patrick Halatsch

Johannes Vetter: Ein Kraftprotz, der weinen kann

Der Speerwurf um Weltmeister Johannes Vetter war einer der emotionalsten Wettkämpfe in London. Athlet, Familie und Bundestrainer Boris Obergföll waren stolz und gerührt.

Platz zwei in der ewigen Bestenliste

In Luzern war Vetter zuvor mit 94,44 m ein grandioser Rekordwurf gelungen, mit dem er seinem Kumpel Thomas Röhler den noch jungen deutschen Rekord abnahm. Die "alte" Bestmarke des Olympiasiegers (93,90) hielt nur 67 Tage. "Ich habe keine Worte dafür, das ist unglaublich", meinte Vetter, der seit 2015 von Bundestrainer Boris Obergföll (ehemals Henry) betreut wird: "So richtig wusste ich nicht, was in mir steckt." Mit seinem Coup katapultierte sich der Offenburger in der ewigen Bestenliste auf Position zwei hinter Weltrekordler Jan Zelezny (98,48 m) aus Tschechien. Bei seinen sechs Versuchen flog der Speer viermal über 90 m - die bedeutsame Marke übertraf der Olympia-Vierte, der Bronze in Rio nur um sechs Zentimeter verfehlt hatte, in Luzern erstmals in seiner Karriere.

In London wuchtete er seinen Speer dann in der Qualifikation im ersten Versuch auf 91,20 m - und schockte damit die Konkurrenz. Im Finale hätte es erneut nur eines Wurfes bedurft. Seine 89,89 m reichten am Ende zum Sieg.

Obergföll: "Der Stärkste und Geschmeidigste"

Johannes Vetter © picture alliance / empics Foto: Martin Rickett

Arme wie Obelix: Johannes Vetter.

Unter den vielversprechenden deutschen Speerwerfern sei "Jojo" der "mit Abstand Stärkste und Geschmeidigste", schilderte Obergföll. Vetters Erscheinung ist in der Tat imposant. Ein Muskelpaket, besonders im Vergleich zum feingliedrigen Röhler, das bei Wind und Wetter wie ein Uhrwerk wirft und im Wettkampf alles in seine Versuche legt. Deutschlands und Europas Leichtathlet des Jahres 2017 landet auch schon mal hart, wenn er sich nach dem Abwurf fallenlässt, verbesserte aber binnen drei Jahren seine Bestleistung um fast 15 Meter.

Enttäuschung bei der Heim-EM

Bitter verlief für Vetter allerdings im vergangenen Jahr die Heim-EM in Berlin. Im Vorfeld von einer Oberschenkelverletzung gehandicapt und zu einer wochenlangen Wettkampfpause gezwungen, verfehlte der Weltmeister als Fünfter mit 83,72 m die Bronzemedaille um mehr als zwei Meter. Gesundheitlich oft angeschlagen, blieb er 2018 ohne Titel, beendete das Jahr jedoch als einziger DLV-Athlet auf Rang eins der Weltbestenliste.

"Ich ziehe das jetzt durch"

Auch in diesem Jahr hatte der 26-Jährige, der als Titelverteidiger eine Wildcard für die Wüsten-WM erhielt, mit einigen Verletzungen zu kämpfen, plagte sich mit Beschwerden am Rücken sowie einer Adduktorenverletzung herum. Er hat Probleme mit dem Fuß, ein abgesplittertes Knorpelstück an seinem linken Stemmbeimsorgt sorgt beständig für Ärger, sein Wettkampf- und Vorbereitungsprogramm konnte Vetter selten nach Wunsch durchziehen.

"Mein Körper ist in diesem Jahr mein größter Gegner", sagte er. Sogar ein Saisonabbruch stand zur Debatte: "Es wurde mir von vielen Seiten geraten, aber letztlich haben wir uns dagegen entschieden. Da ich den Glauben an mich nie verloren habe, und vielleicht der Wille auch größer ist als der körperliche Verstand, ziehe ich das jetzt durch." Die notwendige Operation findet jetzt gleich nach dem Doha-Trip statt, um frühzeitig in die Vorbereitung auf Olympia 2020 starten zu können.

Große Ambitionen trotz Verletzungsproblemen

Ende August meldete sich Vetter beim Köstritzer Werfertag nach fast zweimonatiger Wettkampfpause als Sieger mit 89,28 m eindrucksvoll zurück. Für den deutschen Rekordhalter war es erst der dritte Wettkampf in diesem Jahr. Bei seiner WM-Generalprobe Anfang September beim Vergleichskampf mit den USA gewann Vetter den Speerwurf mit persönlicher Saisonbestleistung von 90,03 m und untermauerte damit seine Ansprüche auf die erfolgreiche Titelverteidigung: "Ich sage es mal salopp: Ich versuche in diesem schwierigen Jahr, aus Scheiße Gold zu machen."

Stand: 12.09.19 09:40 Uhr