Mutaz Essa Barshim

Mutaz Essa Barshim: Weltrekord heißt das Ziel

Sportart: Leichtathletik
Disziplin: Hochsprung
Land: Katar Flagge Katar

Steckbrief

geb. am: 24.06.1991
in Doha
Größe: 192 cm
Gewicht: 70 kg
Trainer: Stanisław Szczyrba

Sportliche Eckdaten

Persönliche Bestleistung:
2,43 m (2014)
2,41 m (Halle/2015)
Größte Erfolge
Olympische Spiele:
Silber 2016
Bronze 2012

Weltmeisterschaften:
Silber 2013


Für Mutaz Essa Barshim scheint die Erdanziehung nicht zu gelten. Den seit 1993 gültigen Hochsprung-Weltrekord will der Athlet aus Katar brechen und fragt spitzbübisch: "Welche Gravitation?"

Daheim in Doha nennen sie ihn "Air Qatar" - oder auch den "Überflieger". Auf jeden Fall aber ist Hochspringer Mutaz Essa Barshim in seiner Heimat, dem Scheichtum Katar am Persischen Golf, eine Identifikationsfigur. Ein Vorbild, der seinen Landsleuten manchmal vorlebt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: "Welche Gravitation?", fragt der Hochspringer aus dem Wüstenstaat dann schon mal und grinst übers ganze Gesicht. Tatsächlich scheint der Sohn eines Einwanderers aus Somalia die Erdanziehungskraft bisweilen ausschalten zu können. Und deshalb trauen ihm nicht nur die Experten in seinem Team zu, den Uralt-Weltrekord der kubanischen Hochsprunglegende Javier Sotomayor brechen zu können, der am 27. Juli 1993 in Salamanca 2,45 m hoch gesprungen war.

Zweitbester Hochspringer ist er schon

Zweitbester der Hochspringer-Welt ist Barshim schon seit September 2014. Beim Diamond-Leaugue-Finale in Brüssel verbesserte er seine persönliche Bestleistung um einen Zentimeter, siegte mit 2,43 m vor dem Ukrainer Bogdan Bondarenko (2,40 m) und rangiert seither allein auf Platz zwei der ewigen Weltbestenliste. Dabei wollte er ursprünglich wie sein Vater Läufer werden, Geher oder Langstreckler. Doch mit 17 Jahren besann sich der Athlet mit dem spitzbübischen Gesichtsausdruck eines besseren, wechselte auf die Aspire Academy for Sports Excellence in Doha und wurde zum "Herren der Lüfte". Vater Eissa Mohammed Barshim war in den 1980er-Jahren nach Katar gekommen und ließ seine Frau und die sechs Kinder nachkommen, als er einen Job als Leichtathletik-Trainer bekam. Mutaz wuchs quasi auf dem Sportplatz auf.

"Welche Gravitation?"

Nach ersten internationalen Erfolgen im Jahr 2010 als Sieger bei den Hallen-Asienmeisterschaften in Teheran und den Asienspielen in Guangzhou kam prompt ein Rückschlag. Bei den Hallen-Weltmeisterschaften in seiner Heimatstadt Doha konnte er sich nicht einmal fürs Finale qualifizieren - und dachte nicht im Traum daran, sich über die Gravitation weiterhin lustig zu machen. "Welche Gravitation?", durfte der die meiste Zeit des Jahres in Malmö lebende Barshim aber schon zwei Jahre später wieder flüstern, als er bei den Olympischen Spielen in London auf den dritten Platz sprang. Stoppen konnte ihn dabei auch ein angeknackster Rückenwirbel nicht. Aber Barshim lernte daraus und erklärte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Hart zu trainieren, kann dich umbringen. Man muss schlau trainieren."

Silber bei Olympischen Spielen in Rio

Mit "schlauem Training" flog er im Jahr darauf so hoch wie nie zuvor. Silber war die Ausbeute bei den Weltmeisterschaften in Moskau, wo er mit 2,38 m wieder einen ordentlichen Satz nach oben auf der Liste seiner persönlichen Bestleistungen machte. Bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2014 schaffte er im ersten Versuch ebenfalls 2,38 m und gewann vor dem höhengleichen Favoriten Iwan Uchow (Russland) den ersten Titel dieses Wettbewerbs für sein Land. Beim Grand-Prix-Meeting in New York triumphierte im Sommer dann zwar Bondarenko, aber auch Barshim überquerte 2,42 m und stellte abermals eine persönliche Bestleistung auf.

2015 übersprang Barshim in Eugene beim Diamond-League-Meeting 2,41 Meter. Bei der WM in Peking wurde er Vierter. Auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro blieb der Weltrekord in weiter Ferne. Mit einer Höhe von 2,36 m musste er sich auf dem Silberplatz dem Kanadier Derek Drouin (2,38 m) beugen - und dem Gesetz der Gravitation.

Stand: 01.08.17 10:22 Uhr