Die Sprinter Tim Montgomery und Marion Jones © Picture Alliance/dpa

Doping-Geschichte

Bestleistungen aus dem Balco-Labor

Anfang der Jahrtausendwende erschütterte der Balco-Skandal die Leichtathletikszene und vor allem die US-amerikanische Sportwelt. Top-Athleten aus den USA wurden vom kalifornischen Balco-Labor des Victor Conte mit unerlaubten Mitteln versorgt. Conte hatte das lange Zeit nicht nachweisbare Designersteroid THG entwickelt und so seine Sportler zu Bestleistungen getunt. Neben Leichtathleten wurden vor allem amerikanische Baseball-Stars mit Dopingmitteln versorgt. Exemplarisch für den Aufstieg und Fall der Balco-Kunden stehen allerdings die einstigen Sprintstars Marion Jones und Tim Montgomery.

Sechs Monate Haft für Marion Jones

Marion Jones © imago/UPI Photo

Von der Laufbahn ins Gefängnis: Marion Jones.

Jones erlangte mit 59 Siegen in 60 Finalrennen über 100 m zwischen 1997 und 2002 den Ruf, nahezu unschlagbar zu sein. 2000 in Sydney gewann sie drei olympische Goldmedaillen. Doch ihre Dominanz war das Ergebnis von Doping. 2003 brachte Jones-Trainer Trevor Graham das Lügengebäude zum Einsturz. Der Coach schickte eine Spritze mit THG an die US-Anti-Dopingagentur, die gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden den Betrug aufarbeitete. Zeugen, unter anderen Ex-Ehemann Hunter, belasteten Jones schwer. Zunächst leugnete die Sprinterin ihre Verstrickung in den Skandal, später gab sie jedoch zu, in Sydney gedopt gewesen zu sein. Jones musste ihre Olympia-Medaillen zurückgeben und Prämien zurückzahlen. Und es kam noch schlimmer für die gefallene Heldin: Aufgrund ihrer Falschaussagen vor den Ermittlungsbehörden wurde Jones zu sechs Monaten Haft und mehreren hundert Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.  

Montgomery: Vom Sprinter-Olymp ins Gefängnis

US-Sprinter Tim Montgomery © epa afp / Damien Meyer

Weltrekordler dank Balco-Produkten: US-Sprinter Tim Montgomery.

Jones' Ex-Lebenspartner Montgomery wurde von Conte unter dem Titel "Projekt Weltrekord" zum schnellsten Mann der Welt gemacht. 2002 lief der Sprinter die 100 m in 9,78 Sekunden, beschleunigt durch Balco-Produkte. Montgomery wurde 2005 vom Internationalen Sportgerichtshof CAS ohne positiven Test, sondern lediglich auf Grundlage von Beweisen und Zeugenaussagen aus dem Balco-Prozess für zwei Jahre gesperrt. Anschließend erklärte er seinen Rücktritt. Seine Ergebnisse ab dem 31. März 2001 wurden annulliert, damit auch sein Weltrekord. In einem Fernseh-Interview 2008 gab der US-Amerikaner zu, bereits bei Olympia in Sydney 2000 mit Testosteron und Wachstumshormonen gedopt gewesen zu sein. Auch außerhalb der Laufbahn legte Montgomery eine illegale Karriere hin. Im April 2007 gestand er Scheckbetrug in drei Fällen. Durch das Vergehen soll ein Schaden in Höhe von fünf Millionen Dollar entstanden sein. Der Ex-Weltrekordler und Ex-Staffel-Olympiasieger wurde im Mai 2008 wegen Scheckbetrugs und Geldwäsche zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Heroinbesitzes und geplanten Drogenhandels verurteilte ihn ein Gericht im US-Bundesstaat Virginia im Oktober 2008 zu weiteren fünf Jahren Haft. Der ehemalige Weltrekordler durfte das Gefängnis im Oktober 2012 vorzeitig verlassen.

US-Gold-Staffel von 2000 fast komplett überführt

Im Zuge der Ermittlungen gegen Balco und Graham verlor auch das 400-m-Gold-Quartett der USA von den Spielen 2000 seine Medaillen. Zunächst wurde 400-m-Weltmeister Jerome Young (USA) beim Golden-League-Meeting 2004 in Paris positiv auf EPO getestet. Als Wiederholungstäter sperrte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) den Staffel-Olympiasieger von Sydney 2000 im November 2004 lebenslang. Young war nicht der einzige Leistungsmanipulator der Goldstaffel von Sydney. Im Zuge des Meineid-Prozesses gegen Graham gestand Antonio Pettigrew, seit 1997 Dopingmittel vom mexikanischen Dealer Angel Heredia bezogen zu haben. Pettigrew starb im August 2010 im Alter von nur 42 Jahren. Ermittlungen ergaben, dass er sich mit Schlaftabletten das Leben genommen hatte. Auch die Zwillinge Alvin und Calvin Harrison wurden wegen der Einnahme illegaler Mittel 2003 und 2004 für vier und zwei Jahre gesperrt. 400-m-Weltrekordler Michael Johnson ist der einzige Läufer aus dem Sieger-Quartett von 2000, der nicht des Dopings überführt wurde.

Dieses Thema im Programm:

Sportschau live, 29.08.2015, 10.50 Uhr

Stand: 17.08.15 08:00 Uhr